Unicredit, BPER, BPM, Banca Ifis Italiens Banken im Übernahmefieber

Wenn der Unicredit die Übernahme der Commerzbank gelingt, könnte das der Startschuss für eine weitere europäische Expansion italienischer Banken sein. Foto: AFP/Paco Serinelli

Viele Banken in Italien melden Rekordgewinne und wollen wachsen. Und alle blicken auf Unicredit und die Commerzbank.

In Italiens Bankensektor geht es drunter und drüber. Es gibt eine regelrechte Übernahmewelle. Experten sind überzeugt, dass das die Vorstufe für Angebote italienischer Institute für Banken in der Eurozone ist.

 

Die Hypovereinsbank-Mutter Unicredit, die zweitgrößte Bank des Landes, kontrolliert gut 28 Prozent an der Commerzbank, davon rund 9,5 Prozent direkt über Aktien und rund 18,6 Prozent über Finanzinstrumente. Ob sie ein Übernahmeangebot abgibt, hängt auch von der künftigen politischen Situation in Deutschland ab. Praktisch alle politischen Parteien in Deutschland lehnen eine Übernahme durch die Italiener ab.

Unicredit will außerdem für 10,1 Milliarden Euro die drittgrößte Bank Italiens, BPM, erwerben. Doch hat die Hypovereinsbank-Mutter nun einen möglichen Rückzug angedeutet, weil die BPM selbst eine Offerte am Laufen hat, die sie aufgestockt hat. Sie will für 1,8 Milliarden Euro den Vermögensverwalter Anima kaufen.

Zweite große Konsolidierungswelle

Italiens viertgrößte Bank BPER will für 4,3 Milliarden Euro die sehr ertragsstarke Volksbank von Sondrio kaufen. Die BPER-Mutter Unipol ist schon mit etwa 20 Prozent an dem Institut beteiligt und unterstützt das Vorhaben. Doch bei den anderen Aktionären der Volksbank stößt die BPER auf starken Widerstand.

Die Banca Ifis bietet knapp 300 Millionen Euro für die Online-Bank Illimity. Und die teilstaatliche Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat eine Offerte über 13,3 Milliarden Euro für die sehr profitable Investmentbank Mediobanca vorgelegt. Dabei gibt es einen interessanten Nebenaspekt: Die Mediobanca ist der größte Aktionär der Generali. Beobachter glauben, dass die Versicherung die eigentliche Zielrichtung des Angebots ist.

Es ist die zweite große Konsolidierungswelle in Italiens Bankenwelt. Nach der Finanz- und Schuldenkrise hatten die strengeren Liquiditätsstandards und der Einheitliche Aufsichtsmechanismus der Europäischen Zentralbank viele italienische Institute geradezu zu Zusammenschlüssen gezwungen. Damals ächzten viele Banken des Landes unter einem Berg von faulen Krediten und hatten mit Prozessrisiken zu kämpfen.

Heute sind die Gründe für mögliche Zusammenschlüsse anderer Natur. Die sieben größten Institute vermeldeten für 2024 kumulierte Gewinne von 31,4 Milliarden Euro – zehn Prozent mehr als 2023. Sie haben ihre Kosten im Griff und ihre Kreditrisikovorsorge gegenüber 2021 um 42 Prozent zurückgeführt.

Aktionäre werden überschüttet mit Geld

Aktionäre werden überschüttet mit Ausschüttungen – ob in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen. Allein Unicredit verfügt über ein Überschusskapital von zwölf Milliarden Euro. Die Banken suchen nach Anlagemöglichkeiten. „Die italienischen Banken sind im Durchschnitt kleiner als die Institute vieler anderer Länder. Sie wollen effizienter werden und suchen Skaleneffekte. Wenn die laufenden Übernahmeangebote erfolgreich sein sollten, entstünden größere Banken, die wettbewerbsfähigere Produkte und Dienstleistungen anbieten können“, sagt Domenico Lombardi, Professor an der römischen Universität Luiss und Direktor des Luiss Policy Observatory. Und Stefano Caselli, Dekan der renommierten Mailänder SDA Bocconi School of Management, weist darauf hin, dass „Italiens Banken kapitalstark sind. Es brauchte einen Auslöser, um eine Übernahmewelle auszulösen und das war Unicredit.“

Stefano Caselli, Dekan der renommierten Mailänder SDA Bocconi School of Management Foto: imago//Pierre Teyssot

Die Institute wollen so ihre Positionen in wirtschaftsstarken Regionen im Norden Italiens ausbauen und weiter in die Bereiche Vermögensverwaltung und Bankassurance – also den Verkauf von Versicherungen durch Banken – diversifizieren. Sie wollen resistenter sein, sollten die Zinsen weiter fallen oder eine neue Krise eintreten.

Schwierig wird es, weil auch Italiens Regierung mitmischt: Rom will die Beteiligung von 11,7 Prozent an der Monte dei Paschi verkaufen und gleichzeitig eine dritte große italienische Finanzgruppe schmieden. Das könnte eine Gruppe mit der Monte dei Paschi, der Mediobanca und der Versicherung Generali sein, an der die Mediobanca mit 13 Prozent beteiligt ist. Die Regierung kann über die sogenannte Golden-Power-Regelung nicht genehme Konstellationen verhindern.

Hybris von Andrea Orcel?

Caselli findet, der Markt sollte entscheiden. Doch ohne eine substanzielle Aufstockung dürften die Offerten zurückgewiesen werden. Caselli hält eine Konsolidierung für sinnvoll. Dass Unicredit-CEO Andrea Orcel gleich zwei Banken und die Generali ins Visier genommen hat, ist für Jérémie Boudinet, Finanzchef bei Crédit Mutuel Asset Management, „fast unrealistisch – wenn nicht sogar ein Zeichen von übertriebener Hybris des Bankenchefs, der den Aktionären unbedingt eine neue Story bieten will, während der erwartete Rückgang der europäischen Zinssätze die Nettozinsmargen der Banken zu beeinträchtigen droht.“

Unicredit-Chef Andrea Orcel Foto: imago//Massimo Di Vita

Lombardi glaubt, dass Italiens Banken in einem nächsten Schritt „grenzüberschreitende Operationen“ tätigen werden. „Institute wie Intesa Sanpaolo (die größte Bank Italiens) warten ab, ob Unicredit die Commerzbank übernehmen kann. Wenn das klappt, dann wäre das der Türöffner für weitere Projekte dieser Art.“

Groß und stark
Italiens Banken gehören zu den größten und ertragsstärksten in Europa. Gemessen am Börsenwert ist die Intesa Sanpaolo mit etwa 80 Milliarden Euro hinter der spanischen Santander (fast 90 Milliarden Euro) und vor der französischen BNP Paribas (79 Milliarden Euro) sowie der Unicredit (etwa 75 Milliarden Euro) die Nummer zwei der Eurozone.

Ranking
In Italien ist nach der Intesa Sanpaolo und Unicredit die BPM die Nummer drei. Es folgen BPER und die Monte dei Paschi. bl

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