Uniklinik Heidelberg Rechnung für Fahrten eilig beglichen

Seit Wochen in den Schlagzeilen: die Uniklinik Heidelberg Foto: dpa

Ging an der Uniklinik bei der privaten Nutzung von Dienstwagen alles korrekt zu? Ja, sagt das Ministerium, will aber nochmals genauer hinschauen. Nach seiner Nachfrage wurde eine offene Rechnung eilig bezahlt.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Am Universitätsklinikum Heidelberg wird neben der Affäre um den Bluttest auf Brustkrebs nun auch die private Nutzung von Dienstwagen untersucht. Hinweise auf einen Missbrauch durch die Spitzen des Klinikums hätten sich zwar nicht bestätigt, teilte das Wissenschaftsministerium von Theresia Bauer (Grüne) unserer Zeitung mit; „derzeit“ gebe es keinen Anlass zur Beanstandung. Man nehme den Vorgang aber zum Anlass, „die Handhabung grundsätzlich zu überprüfen“. Die Klinikchefin ließ derweil eilig eine offene Rechnung für Fahrdienste begleichen.

 

Auslöser der Untersuchung war ein anonymes Fax, das am 7. Mai an die Aufsichtsratschefin der Uniklinik ging, die Ministerialdirigentin Simone Schwanitz. Unter Verweis auf die Krebstest-Affäre wurde der Leitenden Ärztlichen Direktorin Annette Grüters-Kieslich darin vorgeworfen, private Flüge nach Berlin – dort war sie vorher tätig – dienstlich abgerechnet zu haben; zudem nutze sie die Fahrbereitschaft des Klinikums für Fahrten zum und vom Flughafen. Das Ministerium stufte das Fax als „dubios“ ein, zumal es von einem Copy-Shop in Bautzen unter falschem Namen versandt worden sei. Eine Person gleichen Namens aus Heidelberg habe angegeben, nichts damit zu tun zu haben. Zudem habe der Verfasser gedroht, sich an Landtagsabgeordnete zu wenden. Für eine Reaktion setzt er Schwanitz eine Frist von zehn Tagen.

Fax aus Bautzen unter falschem Namen

Man habe das „ominöse Schreiben“ dennoch zum Anlass genommen, die Vorwürfe umgehend zu überprüfen, sagte ein Sprecher Bauers. Noch am gleichen Tag sei Grüters-Kieslich um eine Stellungnahme gebeten worden. „Dies ist erfolgt und es wurden Abrechnungen vorgelegt“, berichtete der Sprecher. „Die erhobenen Vorwürfe haben sich nicht bestätigt.“ Eine Woche später habe die Aufsichtsratschefin auch die weiteren Vorstandsmitglieder über das Fax informiert. Auf ihre Bitte hin hätten diese dargelegt, wie sie die Abrechnung von privaten Fahrten übers Klinikum handhaben. Auch dies habe keinen Anlass zur Beanstandung ergeben.

Noch am Abend die Rechnung beglichen

Im Klinikum löste das Fax offenbar hektische Aktivität aus. Noch am gleichen Tag sei die bereits Ende März von der Klinik Service GmbH gestellte Jahresrechnung 2018 für Fahrdienste beglichen und gebucht worden, teilte der Ministeriumssprecher mit. Dem Vernehmen nach geht es um einen vierstelligen Betrag. Eine Kliniksprecherin sagte, die erst verspätet im April übermittelte Rechnung sei innerhalb der Zahlungsfrist am 7. Mai überwiesen worden, „nachdem das Ministerium um Information gebeten hatte“. Die Information an Grüters-Kieslich erfolgte laut Bauers Sprecher an jenem Tag allerdings erst nach 19 Uhr. Demnach reagierte die Klinikchefin noch am Abend.

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