Universität Hohenheim In ehemaliger Wittwer-Filiale darf kein Café eröffnen

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Seit einem Jahr stehen die Räume der Uni-Buchhandlung Wittwer in Stuttgart-Hohenheim leer. Es gab bereits ein fertiges Konzept für ein Café dort – doch dieses wurde abgelehnt. Die Idee hätte jedoch vermutlich vielen Studierenden gefallen.

Auf dem Campus in Stuttgart-Hohenheim gibt es nur wenige gastronomische Angebote. Foto: Café Mela
Auf dem Campus in Stuttgart-Hohenheim gibt es nur wenige gastronomische Angebote. Foto: Café Mela

Hohenheim - Einen Hehl aus seinem Frust macht Julian Korbel nicht. Dass das Land Baden-Württemberg behaupte, es sei „kein tragbares Konzept“ für die ehemaligen Räume der Buchhandlung Wittwer auf dem Campus der Universität Hohenheim abgegeben worden, ärgert ihn. Er hat gemeinsam mit einem dreiköpfigen Team ein achtseitiges Konzept bei der Uni Hohenheim eingereicht für die künftige Nutzung des knapp 140 Quadratmeter großen Raums an der Fruwirthstraße. Und viele Studenten und Bürger hätten es vermutlich begrüßt, wenn dieses Konzept Realität geworden wäre.

Das vierköpfige Team wollte nämlich ein Café auf dem Uni-Campus eröffnen. „Ich bin seit 34 Jahren Plieninger und weiß, dass es hier an einem Platz fehlt, an dem man entspannt zusammenkommen kann – Studenten und die Bevölkerung aus Plieningen und Birkach“, erläutert Julian Korbel, Sportwissenschaftler und Inhaber eines Fitnessstudios an der Garbe. Das Café Denkbar – das einzige Lokal in unmittelbarer Campusnähe – habe keine Studentenpreise. „Uns ging es nicht um einen möglichst hohen Profit, denn wir haben alle feste Einkommen“, betont der 34-Jährige. „Wir wollten eine Studentenkneipe im Low-Budget-Prinzip eröffnen.“

Sogar einen Namen und Logo gab es bereits

Um die Preise niedrig zu halten, wollte das Team alles möglichst einfach halten: gebrauchte, bunt zusammengestellte Möbel, niedrige Personalkosten und zumindest anfangs auch nur Getränke aus der Flasche verkaufen, damit nicht die strengen und langwierigen Hygiene-Auflagen erfüllt werden müssen, wenn man Getränke zapft und Speisen verkaufen will. Außerdem sollte es Brettspiele geben, einen Tischkicker sowie eine Darts-Scheibe. „Unser Ziel war es, dass man auch barfuß und mit zerfetztem Hemd ein Bier für zwei Euro bei uns trinken kann“, meint Julian Korbel und schmunzelt.

Sogar einen Namen und ein Logo hatte das Team bereits entwickelt: Es sollte Café Goldschwanz heißen, das Logo sollte eine Kuh mit goldenen Schwanz und regenbogenfarbigem Einhorn zeigen. „Wir hatten uns für die Kuh entschieden, weil die Uni eine Versuchsanstalt ist. Das bunte Einhorn sollte signalisieren, dass jeder willkommen ist. Und der Name Goldschwanz hätte sich sofort eingeprägt“, sagt Cecilia Gunkel (25), die Kommunikationswissenschaften studiert und an dem Konzept mitgearbeitet hat.

Die Idee entstand im November 2018. Ende Januar gab das Team das Konzept ab – übrigens gemeinsam mit mehreren anderen Interessenten. Auch ein Klavierbauer wäre gern in die Räume gezogen, weiß Gunkel. Letztlich haben alle Interessierten Absagen kassiert: „Im März erhielten wir die Mail, dass sich das Land für eine universitäre Nutzung und gegen eine gewerbliche Nutzung entschieden habe.“

Umbau für Gastronomie sei zu aufwendig

Mittlerweile gab es eine zweite Runde, in der Interessierte aus dem Kreis der Uni Konzepte für den Raum abgeben durften. Diese Runde lief nicht mehr über das Land Baden-Württemberg, sondern über die Uni selbst. „Bei diesem Ideenwettbewerb wurden acht Ideen abgegeben. Allesamt stammten von Mitarbeitern der Uni oder Studierenden“, sagt Florian Klebs, Sprecher der Uni Hohenheim.

Unter den Ideen sei zum Beispiel eine Nutzung für Gründung und Innovation sowie etwas im Bereich Bioökonomie. Die Idee mit der Gastronomie sei jedenfalls definitiv vom Tisch, so Klebs: „Natürlich ist Vielfalt immer wünschenswert. Und ich weiß, dass sich viele Studierende mehr Gastronomie auf dem Campus wünschen.“ Jedoch sei ein Umbau für eine gastronomische Nutzung so aufwendig, dass der Raum weitere zwei Jahre leer stehen würde – dies will die Uni verhindern.

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