Viele haben es befürchtet: Seit an der Uni Hohenheim Parkgebühren eingeführt worden sind, sind die umliegenden Wohngebiete vollgeparkt. Bei einem Vor-Ort-Termin mit einem FDP-Politiker ist überlegt worden, was eine Alternative wäre.

Das Parkplatzproblem auf und rund um den Universitätscampus Hohenheim beschäftigt zunehmend auch die Landespolitik. Der Grund: Die seit November 2020 geltende Parkraumbewirtschaftung der landeseigenen Uni-Parkplätze hat im Falle Hohenheims zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen. So hat sich gezeigt, dass Studenten ihre Fahrzeuge seitdem verstärkt in den Wohngebieten abstellen, wo weiterhin kostenlos geparkt werden kann. Für die Birkacher und Plieninger werden umgekehrt dort die Parkplätze knapp.

Der Degerlocher FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag informierte sich deshalb jetzt bei einem Rundgang mit Vertretern der örtlichen FDP-Stadtgruppe sowie Studierenden der Universität vor Ort über die Situation. Nicht nur an der Egilolfstraße in Birkach zeigte sich dabei, wie sich die Parkraumbewirtschaftung faktisch auswirkt: Während die Uni-Parkplätze, auf denen Studenten für zwei Euro am Tag parken könnten, weitgehend leer stehen, reiht sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Fahrzeug an Fahrzeug mit KFZ-Kennzeichen von Lörrach bis Salzgitter. Stuttgarter Autonummern – Fehlanzeige.

Autos von Studenten stehen in Wohngebieten

„Weil der Parkdruck in den Wohngebieten steigt, kommt nun die Forderung auf, dort eine Anwohnerparkregelung einzuführen“, erklärt Thilo Reith, FDP-Bezirksbeirat in Plieningen. Umgekehrt sei der Parkdruck auf die Universitätsparkplätze seit Einführung des Parkraummanagements gesunken, ergänzt der Student Fabian Probost, der Mitglied im Universitätsrat ist. Mit anderen Worten: Die Fahrzeuge, die heute nicht mehr auf dem Campus parken, verbleiben jetzt nicht etwa an den Heimatorten der Studierenden, sie stehen vielmehr in den Wohngebieten in Birkach und Plieningen.

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Der ursprüngliche Plan der Landesregierung scheint nicht aufzugehen: Als 2018 per Kabinettsbeschluss das kostenlose Parken an den Hochschulstandorten im Land abgeschafft worden war, geschah dies vor allem, um „Fehlanreize für eine klimaschädliche motorisierte Individualmobilität“ zu vermeiden, zitiert Tobias Burk. Der Student ist Mitglied der FDP und war Teil der sogenannten Parkraumkommission der Universität Hohenheim.

Besonderheiten vor Ort beachten

Den Verzicht aufs Auto, sagt der Friedrich Haag, erreiche man aber nur, wenn zuerst die Anbindung an den ÖPNV verbessert werde. Der FDP-Politiker wirft der Landesregierung vor, bei der Einführung der landesweiten Parkraumbewirtschaftung über einen Kamm geschert zu haben. Soll heißen: Auf Besonderheiten vor Ort wurde bei der Kabinettsentscheidung keine Rücksicht genommen: „Man muss immer individuell schauen, wo haben wir welche Probleme und wie kann man sie lösen“, sagt Haag.

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Im Falle der Pendler-Uni in Hohenheim, die besonders viele Studierende aus dem Umland anzieht, scheinen einfache Lösungen jedenfalls nicht in Sicht zu sein: „Wer aus Nürtingen mit dem ÖPNV eineinhalb Stunden zur Uni braucht, mit dem Auto aber nur 20 Minuten, für den stellen Busse und Bahnen keine Alternative dar“, sagt Laura Waldvogel, Mitglied im Studierendenparlament. So dürfte auch allein eine schnellere Anbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof, wie sie die demnächst entstehende Möhringer Kurve auf der Stadtbahnstrecke U3 erwarten lässt, nur bedingt Entlastung bringen.

Ist allen klar, was eine Anwohnerregelung bedeutet?

Dass eine Anwohnerparkregelung rund um den Campus die verlorenen Parkplätze in den Wohngebieten zurückbringen würde, glauben indes weder die Studentenvertreter noch die FDP. So betont Tobias Lutz, ebenfalls Mitglied des Studierendenparlaments, „dass auch die Bewohner der Studentenwohnheime Anwohner sind“. Auch sie müssten demnach bei einer Anwohnerparkregelung weiterhin parkberechtigt sein. Brigitta Haak, FDP-Bezirksbeirätin in Birkach, bezweifelt in diesem Zusammenhang, dass jedem klar ist, was eine Anwohnerparkregelung im Detail bedeuten würde. Neben Kosten, die potenziell steigen, kämen beim Anwohnerparken immer auch Einschränkungen beispielsweise für Besucher hinzu.

Schnelle Lösungen für die vertrackte Situation sind nicht in Sicht: Die FDP bringt unterdessen ein Parkhaus auf dem Campus ins Spiel, wo gut bezahlte Universitätsmitarbeiter höhere Parkgebühren zahlen müssten. Umgekehrt könnten dann die landeseigenen Parkplätze, wie es einige Studenten vorschlagen, über Parkberechtigungen wieder gratis an die Studierenden zurückfallen.

FDP-Politiker plant Kleine Anfrage im Landtag

„Das Beste und Schnellste wäre jetzt, alles rückgängig zu machen“, sagt Haag. Der Landtagsabgeordnete will nun in einem nächsten Schritt mit einer Kleinen Anfrage klären, wie sich das Parkraum-Projekt an der Uni Hohenheim in den vergangenen beiden Jahren entwickelt hat: Was hat es gekostet? Und wie stellt sich die Einnahmenseite dar? Die Stoßrichtung ist klar: Haag will nicht nur belegen, dass das Parkraummanagement ungelöste Folgeprobleme geschaffen hat, sondern sich überdies nicht rechnet.