Wissenschaftler aus Mannheim stört, wie ihre Rentenbeiträge von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder angelegt werden. Die Anstalt mit Sitz in Karlsruhe verweist darauf, schon viel in Sachen Nachhaltigkeit zu tun.

Stuttgart - Promovierendenvertreter und Mitarbeiter der Universität Mannheim haben sich mit einem offenen Brief an die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) gewandt. Die VBL legt die Rentenbeiträge von rund 4,7 Millionen aktuellen und ehemaligen pflichtversicherten Beschäftigten des öffentlichen Dienstes an.

 

In dem Brief werfen die Wissenschaftler der VBL vor, keine Transparenz darüber zu schaffen, wo das Geld angelegt wird. Außerdem verpflichte sich die VBL nicht „sozialen und ökologischen Standards“. Das Anlagevermögen der VBL beläuft sich nach eigenen Angaben auf rund 25 Milliarden Euro.

VBL wehrt sich gegen Vorwürfe

Auf ihrer Internetseite verweist die VBL darauf, nicht in Anbieter von Streumunition und Antipersonenminen sowie Bio- und Chemiewaffen zu investieren, auch eine Reihe von Anbietern konventioneller Waffen sind ausgeschlossen. Außerdem wolle man bei Unternehmen auf eine nachhaltige und verantwortliche Wirtschafsweise hinwirken.

Auf Anfrage teilt die VBL mit, neben Sicherheit und Rendite der Kapitalanlage stünden „zunehmend auch Nachhaltigkeitsaspekte im Vordergrund“. Man sei sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Der Vorwurf sei falsch, die VBL toleriere Investments in menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit.

„Eines der zentralen Kriterien für unsere Ausschlüsse von Investitionen ist, dass wir nicht in Unternehmen investieren, die schwer und systematisch gegen Menschenrechte und/oder die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation verstoßen“, erklärt eine Sprecherin. Dazu zähle auch Kinderarbeit.

Die VBL prüfe „kontinuierlich“, wie das Anlageportfolio unter Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien gemanagt werden könne und inwieweit gegebenenfalls „eine Anpassung unseres Nachhaltigkeitsansatzes vorzunehmen ist“.

Forscher fordern Dekarbonisierung

Das geht den Forschern allerdings nicht weit genug. Anlagen in Kohle, Rüstungsgüter oder Firmen, die menschenunwürdige Arbeitsbedingungen tolerieren, seien damit weiterhin möglich, heißt es in dem Brief. „Eine solche Investitionspraxis sehen wir als nicht vereinbar mit der Zukunftsorientierung und sozialen Verantwortung, die wir als Lehrende und Forschende vertreten“, sagt Konstantin Gavras, Vertreter der Promotionsstudenten. Die VBL verpasse die Chance, „als öffentliche Institution explizit in zukunftsträchtige Branchen wie erneuerbare Energien sowie in die Dekarbonisierung unserer Wirtschaftsweise zu investieren“.