Stuttgart - Die Ulmer Chemikerin Claudia Friesen soll ihre Forschung zum Einsatz von Methadon in der Krebstherapie künftig außerhalb des Instituts für Rechtsmedizin fortsetzen. Sie werde dort zum 1. Juli herausgelöst und „zunächst in den allgemeinen Bereich der Medizinischen Fakultät eingegliedert“, teilte eine Sprecherin der Universität mit; dies habe die Fakultät am Freitag beschlossen. Ihre Laborflächen und ihre Ausstattung werde sie dabei behalten.
Wo genau Friesen künftig forschen soll, wird derzeit geklärt. Ihre Arbeit passe „strukturell und inhaltlich besser zu anderen Instituten und Kliniken“ als zur Rechtsmedizin, hieß es. Das Institut habe nicht die personellen und finanziellen Möglichkeiten, „um gleichzeitig auf hohem Niveau zu rechtsmedizinischen und onkologischen Themen zu forschen“.
Andere Aufgaben kein Thema mehr
Friesen hatte den Effekt von Methadon gegen Tumore zufällig entdeckt und seit vielen Jahren an dem Institut untersucht. Probleme gab es erst nach einem Wechsel in der Leitung. Der neue Direktor Sebastian Kunz will andere Schwerpunkte setzen – er befasst sich unter anderem mit nicht-tödlichen Waffen, zu denen auch das Elektroschockgerät Taser gehört.
Laut der Unisprecherin gab es institutsintern Überlegungen, Friesen mit rechtsmedizinischen Fragen zu befassen; diese würden aber „nicht mehr verfolgt“. Somit bestehe kein Zusammenhang zwischen den Forschungsvorhaben von Kunz und Friesen. Nach StZ-Informationen wollte der Institutschef ursprünglich, dass die Chemikerin künftig zu „nicht letalen Wirkmitteln“ forsche. Die Frage, ob dies zutreffe, ließ die Unisprecherin offen.
Die Ulmer SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis hatte sich mehrfach für die Krebsforscherin eingesetzt. Sie verwies auf eine Petition an den Bundestag mit 50 000 Unterschriften. Uni und Uniklinik haben laut der Sprecherin mehrfach versichert, dass Friesen ihre Grundlagenforschung fortführen könne.