Unmut bei Hauptschullehrern Protest in Stuttgart gegen ungleiche Chancen

Ines Pogerth bekommt Versetzungsanträge von acht Lehrern überreicht.  Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ines Pogerth bekommt Versetzungsanträge von acht Lehrern überreicht.  Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mit Versetzungsanträgen bekunden Hauptschullehrer, die an Werkrealschulen arbeiten, ihren Unmut über die Besoldung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, dass Kultusministerin Eisenmann mehr Geld in die Hand nimmt.

Stuttgart - Sandra Weber wirkt nicht glücklich. Soeben hat die 43-Jährige ihre Versetzung von der Werkrealschule Ostheim an eine andere Bildungseinrichtung beantragt. Insgesamt haben am Montag acht Lehrkräfte aus dem 18-köpfigen Kollegium diesen Schritt vollzogen. Nicht etwa, weil sie mit der Schulleitung oder dem Arbeitsklima unzufrieden wären. Vielmehr geht es darum, ein Zeichen zu setzen: Seit der Studienreform aus dem Jahr 2011 werden Hauptschullehrer, die acht Semester studiert haben, in A 13 besoldet. Wer länger im Dienst ist, kann diese Gehaltsstufe jedoch nur an einer Realschule, einer Gemeinschafts- oder Sonderschule erreichen.

„Wir leisten eine Arbeit, die mit einer Gemeinschaftsschule vergleichbar ist“, stellt Weber fest. „Ich habe in meiner Klasse fünf Schüler mit Lernschwäche und weitere fünf, die als Flüchtlinge in einer Internationalen Vorbereitungsklasse angefangen haben. Einer war damals Analphabet.“ Dass ihr der Aufstieg nach A 13 auch nach zehn Jahren Einsatz an der Werkrealschule verwehrt bleiben soll, stößt der Leiterin des Schulchores bitter auf. „Ich habe eine sechsköpfige Familie zu ernähren“, sagt sie. Es gehe immerhin um eine Differenz von rund 500 Euro im Monat.

GEW fordert mehr Investitionen

„Was hier geleistet wird, verdient mehr Wertschätzung“, betont Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW, die zur offiziellen Übergabe der Versetzungsgesuche nach Ostheim gekommen ist, um das Anliegen der Pädagogen zu unterstützen. „Ob es um berufliche Orientierung oder Sprachförderung geht: Die Hauptschullehrer hier verfügen über vielfältige Kompetenzen und haben in den vergangenen Jahren viel dazu beigetragen, dass Schüler den mittleren Bildungsabschluss erreichen konnten. Das sollte honoriert werden.“ Wenn Kultusministerin Susanne Eisenmann die Werkrealschulen so wichtig seien, müsse sie auch Geld in die Hand nehmen, sagt Doro Moritz. Es sei indiskutabel, jene, die „den schweren Karren Hauptschule“ so lange gezogen hätten, nun im Regen stehen zu lassen.

Im Stuttgarter Osten ist man nicht allein. An der Feuerbacher Bismarckschule haben 50 Prozent des Kollegiums eine Versetzung beantragt. An der Uhlandschule in Stuttgart-Rot sieht es ähnlich aus. Dass den Gesuchen stattgegeben wird, ist eher unwahrscheinlich. „Ich will ja auch gar nicht weg“, unterstreicht Sandra Weber noch einmal. „Es geht darum, Aufmerksamkeit für eine Ungleichbehandlung zu schaffen, die nicht zu rechtfertigen ist. „Wir sind kein armes Bundesland. Zehn andere Länder zahlen Lehrkräften in den Klassenstufen 5 bis 10 grundsätzlich A 13. Warum sollte das hier nicht möglich sein?“, ergänzt Moritz.




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