Unmut in Marbach „Hat uns mehr als geärgert“ – neue Fußgängerzone wird wegen Kirche aufgerissen

Das Pflaster muss wegen einer Stromleitung vorübergehend beseitigt werden. Foto: Werner Kuhnle

Die Stadt Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist verschnupft, weil Teile des frisch verlegten Pflasters aufgegraben werden müssen. Das hängt mit einem Stromanschluss zusammen.

Für viel Geld hat die Stadt Marbach zuletzt ihre Fußgängerzone erneuern lassen und sich darauf verständigt, dass am frisch verlegten Pflaster in den nächsten fünf Jahren nicht gegraben werden soll. Doch dabei hat die Kommune die Rechnung ohne die evangelische Kirchengemeinde gemacht. Die Christen brauchen für die Stadtkirche einen stärkeren Stromanschluss – weshalb jetzt doch der Belag wieder aufgerissen werden muss.

 

Im Rathaus reagiert man verschnupft auf diese Nachricht. „Das hat uns mehr als geärgert. Das muss ich ehrlich sagen“, erklärte Bauamtsleiter Dieter Wanner im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats, wo das Vorhaben vorgestellt wurde. Man habe die Kirche auch auf die Beschlusslage verwiesen. Allerdings habe es keine Alternative dazu gegeben, das Pflaster in der Niklastorstraße für die neuen Leitungen aufzuklopfen. Theoretisch hätte man auf die unterhalb gelegene Obere Holdergasse ausweichen können. „Aber dort hat es das Netz nicht hergegeben“, konstatierte Wanner, der betonte, dass die Kosten von der Kirche geschultert werden müssten, die Kommune also zumindest in der Hinsicht nicht betroffen sei.

Der Marbacher Dekan Ekkehard Graf kann den Unmut im Rathaus über den anstehenden Eingriff in das neue Pflaster nachvollziehen. „Das ist natürlich unangenehm“, erklärt er. „Aber die Maßnahme ist unausweichlich“, betont Graf. Die Vorplanungen für die aktuell laufende Innenrenovierung der Stadtkirche seien zum Zeitpunkt der Belagsarbeiten in der Altstadt jedoch noch nicht so weit gediehen gewesen, „dass klar war, dass es einen neuen Hauptanschluss an das Stromnetz braucht. Dies war sogar in den ersten Elektro-Planungen noch nicht ersichtlich“, berichtet der Dekan. Es handele sich um einen typischen Fall von Work in Progress, „zumal an einem Altbau, bei dem Neues, und oft Unerwünschtes, während der Bauzeit zutage tritt“.

Der Marbacher Dekan Ekkehard Graf beteuert, dass der nun nötige Eingriff zunächst nicht ersichtlich gewesen sei. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Obwohl Graf versteht, dass die Stadt über die jüngste Entwicklung nicht glücklich ist, kann er in dem Prozedere kein großes Aufregerpotenzial erkennen. Der Eingriff werde hinterher nicht mehr zu sehen sein. Die Pflastersteine seien noch so neu, dass sich sogar ausgetauschte farblich davon nicht abheben würden. Davon abgesehen könne man „nie davon ausgehen, dass nach Belagsarbeiten auf Jahre hin nichts mehr daran gearbeitet wird. Es braucht nur mal ein Wasserrohr leck zu schlagen, schon muss wieder aufgegraben werden. Das ist ein ganz normaler Vorgang.“

Die Arbeiten sollen zwei bis drei Wochen dauern

Die Bagger würden demnächst anrücken. Es wird damit gerechnet, dass die Verlegung der Leitungen in der Niklastorstraße zwei bis drei Wochen dauert.

Dass das Gotteshaus überhaupt einen stärkeren Anschluss braucht, hängt damit zusammen, dass der alte länger nicht mehr den Vorschriften entsprochen habe, wie Ekkehard Graf berichtet. Bei der Sanierung der Kirche würden auch sämtliche Stromkabel erneuert. „Die alten waren noch zweiphasig und teils gefährlich überlastet“, erklärt er. Und da die Kirche im Herzen Marbachs auch in Zukunft im Winter mit Strom beheizt werde, seien die Anforderungen an den Hauptanschluss einfach sehr hoch. Zudem solle auf dem Süddach eine Photovoltaikanlage montiert werden, „was dann auch hohe Stromflüsse zurück ins Netz generieren wird“.

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