Unruhige Zeiten für die Stadtwerke Schorndorf Ein Dämpfer für die Aufbruchsstimmung

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Nach dem Weggang von Geschäftsführer Andreas Seufer wurden die Stadtwerke Schorndorf auf Herz und Nieren überprüft. Allerdings müssen sich die Verantwortlichen gegen erneute Vorwürfe wehren.

Der Neubau der Stadtwerke Schorndorf soll im Frühjahr bezogen werden. Foto: Gottfried Stoppel
Der Neubau der Stadtwerke Schorndorf soll im Frühjahr bezogen werden. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Die wohl wichtigste Information vorweg: „Es gibt bei den Stadtwerken Schorndorf keine finanziellen Unregelmäßigkeiten, es gibt keine wirtschaftliche Schieflage.“ Das hat der CDU-Stadtrat Max Klinger am Donnerstagabend dem Gemeinderat berichtet. Klinger ist Vorsitzender der Prüfungskommission, die sich seit Anfang Februar zur Aufgabe gemacht hat, die Stadtwerke umfassend zu durchleuchten. Auslöser war das Ausscheiden des ehemaligen Geschäftsführers Andreas Seufer gewesen. Er hatte das Unternehmen im Februar in beiderseitigem Einvernehmen von heute auf morgen verlassen.

Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates habe seitdem Tonnen an Unterlagen durchgearbeitet, Experten interviewt, sich Unterstützung durch Wirtschaftsprüfer geholt. Die Ergebnisse stehen in einem Prüfbericht, der mittlerweile dem Regierungspräsidium Stuttgart vorlegt worden ist. Der Inhalt ist zum Großteil vertraulich. Nur so viel will Max Klinger sagen: „Es gab erhebliche Defizite in der Personalführung, welche die Abberufung des Ge­schäftsführers recht­fertigen.“

Anonyme Vorwürfe gegen Aufsichtsrat und Verwaltungsspitze

Sonja Schnaberich-Lang vom Fachbereich Kommunales legte dem Gemeinderat dar, warum nicht mehr nach außen dringen dürfe. Dafür gebe es arbeitsrechtliche Gründe, dies geschehe aber auch im Sinne des öffentlichen Wohls: Es sollen keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse offengelegt werden, welche das kommunale Tochterunternehmen beschädigen könnten.

Dennoch wurde ein kleiner Einblick in die Situation gewährt – vor allem um Vorwürfe zu entkräften, die vor zwei Wochen in den „Schorndorfer Nachrichten“ genannt worden waren: Führungskräfte seien gegangen, die Stimmung sei schlechter als früher, der Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeister Matthias Klopfer sowie der Bürgermeister Thorsten Englert würden sich stark in das operative Geschäft einmischen, der Aufsichtsrat sei untätig gewesen.

Prüfungskommission: sind jedem Hinweis nachgegangen

Marietta Weil, die Leiterin des Fachbereichs Revision, berichtete, dass der Aufsichtsrat in der Vergangenheit nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe und der Kontrollfunktion nachgekommen sei – dies sei Protokollen zu entnehmen. Auch Max Klinger will sich keine Untätigkeit vorwerfen lassen. Jedem Hinweis sei nachgegangen worden, jedem „Da-muss-doch-was-gewesen-sein“. Gefunden worden sei nichts. Er habe kein Interesse daran, den SPD-OB zu decken: „Wir sind keine politischen Freunde.“

Das oberste Gebot sei die Aufklärung gewesen, sagte auch Matthias Klopfer. Ums Tagesgeschäft der Stadtwerke habe er sich nur gekümmert, als es noch keinen Interimsgeschäftsführer gegeben habe, das aber fast täglich. Die kaufmännische Prokuristin Miriam Wojtzek erzählte, wie sie dies empfunden hat: „Da war so viel Unterstützung von der Stadt, das hatte nichts mit Einmischung zu tun.“

Stadtwerke Schorndorf auf dem richtigen Weg

Teilweise sehr emotional wehrten sich zudem der Interims-Geschäftsführer Bodo Skaletz, der Bäderbetriebsleiter Jörg Bay, aber auch die derzeitige Personalleiterin Cornelia Dietrich gegen die erhobenen Vorwürfe. Es sei normal, dass Führungskräfte nach dem Wechsel der Geschäftsleitung das Unternehmen verlassen, sagte Dietrich. Sie habe unzählige Mitarbeitergespräche geführt, Workshops veranstaltet. Man bemühe sich um eine neue Unternehmenskultur – von „einer entscheidet“ hin zu „wir entscheiden alle“. Eine solche Veränderung brauche aber auch seine Zeit.

Die Verantwortlichen waren sich einig, dass sich die Stadtwerke auf dem richtigen Weg befänden – wirtschaftlich, beim Breitbandausbau, aber auch wenn es um die Stimmung unter den Mitarbeitern gehe. Die veröffentlichten Vorwürfe hätten jedoch eine verheerenden Wirkung gehabt: „Die Aufbruchsstimmung hat einen Dämpfer erhalten“, sagte Jörg Bay.




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