Unser Stuttgart-Adventskalender Mit dem Warngerät im Bauch des Gaskessels

Michael Munz, Werkleiter im Gaswerk, auf dem Dach des Gaskessels in Stuttgart-Ost im Stadtteil Gaisburg. Der Blick in den noch aktiven Gaskessel ist Besuchern sonst nicht erlaubt. Foto: Freundorfer 17 Bilder
Michael Munz, Werkleiter im Gaswerk, auf dem Dach des Gaskessels in Stuttgart-Ost im Stadtteil Gaisburg. Der Blick in den noch aktiven Gaskessel ist Besuchern sonst nicht erlaubt. Foto: Freundorfer

In unserem Stuttgart-Adventskalender öffnen wir jeden Tag ein spannendes Türchen in Stuttgart für Sie. Am 18. Dezember führt uns Michael Munz, Werkleiter im Gaswerk, in den aktiven und denkmalgeschützten Gaskessel in Stuttgart-Ost.

Digital Unit : Katharina Freundorfer (kaf)
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Stuttgart - Es sendet einen beruhigenden Piepton aus – alle paar Sekunden. Das Gaswarngerät. Ohne es darf kein Besucher in den Gaskessel der Netze BW in Stuttgart-Ost im Stadtteil Gaisburg hinein. Das Piepsen bescheinigt, dass das Gerät funktioniert. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist der Bau aus dem Jahr 1949 noch in Betrieb. Und so soll der kleine, gelbe Apparat vor zu hoher Gaskonzentration in der Luft warnen, sagt Werkleiter im Gaswerk, Michael Munz (Netze BW).

Bevor es durch das Werkstor in den Kessel geht, überprüft Munz den Apparat ausgiebig. Dann steigt er in einen Aufzug aus dem Jahr 1949, der an der Außenwand des Turms angebracht ist. Besuchergruppen haben hier keinen Zutritt. „Wir haben aber ständig Anfragen, ob dies möglich ist.“ An sich eine tolle Idee – aber die klare Antwort des Werksleiters dazu: „Nein“. Denn: Der Gaskessel ist in Betrieb und normalerweise für die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich.

Fantastischer Blick auf Stuttgart

Drei Minuten lang zuckelt der Aufzug 95 Meter in die Höhe. Dann öffnet sich die Aufzugtür und gibt einen fantastischen Ausblick auf Stuttgart, den Neckar, den Cannstatter Wasen und den Fernsehturm preis. Ein eisiger Wind pfeift an diesem Dezembermorgen, die Sonne strahlt.

Doch damit ist der Weg zum Gaskessel noch nicht zu Ende. Eine Stahlkonstruktion mit Treppen führt über das vereiste Dach in den Bauch des 104 Meter hohen Kessels hinein. Innen ist es dunkel, die Sonne strahlt nur vereinzelt durch Lichtschächte. Die Lichtstrahlen sorgen für ein eigentümliches Licht im Bauch des Kessels. Es riecht nach Öl. Wer nicht schwindelfrei ist, kann beim ersten Blick durch die Stahlkonstruktion nach unten in den Bauch des Ungetüms etwas ins Taumeln geraten. Der Durchmesser des Kessels beträgt 67 Meter. 300.000 Kubikmeter Gas fasst das Stuttgarter Wahrzeichen. „Das Gasnetz in Stuttgart hat ungefähr 250.000 Anschlusspunkte. Wenn sie alle an einem kalten Wintertag versorgt werden, reicht das Gas für knapp eine Stunde“, sagt Munz. Da der Gaskessel heute viel zu klein ist, um längerfristig Haushalte und Betriebe zu versorgen, dient er als betrieblicher Zwischenspeicher.

Stahlscheibe in der Horizontalen

An diesem Dezembertag ist der Kessel zur Hälfte gefüllt. Innen wie auch außen ist das zu sehen. An der Außenwand zeigt eine überdimensional große Skala mit einem Zeiger an, wie voll der Behälter ist. Innen ist anhand einer Stahlscheibe, die den gesamten Gaskessel in der Horizontalen ausfüllt, zu sehen, wie voll der Behälter ist. Sie bewegt sich, je mehr Gas eingefüllt wird, nach oben, oder, wenn Gas verbraucht wird, wieder nach unten. Dies geschieht mit einer Schieberkonstrunktion, die durch Teeröl zu 100 Prozent abgedichtet wird. Der Kessel wird aufgrund dieser Konstruktion auch Scheibengasbehälter genannt. Überwachungstechnik und Sensoren überprüfen dies zusätzlich.

Munz ist seit 25 Jahren im Unternehmen, seit elf Jahren arbeitet er konstant als Werksleiter im Gaskessel in Stuttgart. „Im Wesentlichen kümmern wir uns in einem fünfköpfigen Team um den Gaskessel und um weitere Standorte wie Stuttgart-Vaihingen oder die Erdgastankstellen“, berichtet der 52-Jährige. Der Gaskessel werde zwei Mal pro Woche inspiziert, eine Revision steht ebenfalls jährlich an.

Tiefster Punkt in Stuttgart

Da solch ein Gasbehälter bei einem Unfall gefährlich sein kann, ist die Überprüfung des denkmalgeschützten Behälters an der B10 unerlässlich – vor allem mit Blick auf die dichte Besiedelung in Stuttgart. Dass der Gaskessel genau an dieser Stelle gebaut wurde, hat Gründe: „Dies ist der tiefste Punkt von Stuttgart. Der natürliche Auftrieb von Gas wurde früher genutzt, um die Höhenlage zu versorgen“, erklärt Munz. Ursprünglich gab es einen 1929 fertiggestellten Gaskessel in Gaisburg, der im Jahr 1944 bei einem Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. 1949 wurde dann der heutige Gaskessel mit den Maßen des Vorgängers erbaut.

Wie lange der denkmalgeschützte Kessel in Stuttgart-Ost noch in Betrieb ist, steht noch nicht fest. „Bei einer anderen Nutzung nach Ende des Betriebs wie zum Beispiel als Veranstaltungsraum oder Museum, wird es aufgrund der Auflagen bei einem denkmalgeschützten Objekt schwierig“, sagt Munz. Erst einmal habe für kurze Zeit ein Plakat an der Außenwand hängen dürfen: „Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006. Das war ein besonderes Ereignis.“

Keine Gefahrensituation erlebt

Auf der Rückfahrt mit dem Aufzug nach unten piepst das Gaswarngerät immer noch alle paar Sekunden. Alarm hat es bei der Besichtigung nicht geschlagen. Auch während seiner gesamten Zeit als zuständiger Werksleiter habe Munz bisher keine Gefahrensituation erlebt. Dass das auch so bleibt – dafür sorgen Munz und seine Kollegen jeden Tag.

Hier geht es zu unserem Stuttgart-Adventskalender.




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