30 werden: Popkultur und Freund:innen schüren die Angst. Doch was, wenn die 30er einfach wie die 20er sind – nur mit mehr Geld und weniger Drama? Ein Plädoyer unserer Autorin.

Eben noch ist man ausgezogen, hat ein Studium begonnen (oder auch nicht), vielleicht eins abgebrochen, eine Ausbildung absolviert oder seinen ersten Job angefangen. Man war feiern, hat Nächte durchzecht, viele Dinge zum ersten Mal gemacht, ein paar Fehler begangen, gute und weniger gute Entscheidungen getroffen und dazugelernt. Anders gesagt: Man war in seinen 20ern.

 

Und dann, obwohl man ihn mit langem Anlauf hat kommen sehen, steht er plötzlich vor der Tür: der 30. Geburtstag. Der Tag, an dem man all das, was ich gerade noch aufgezählt habe, irgendwie hinter sich lässt. Auf einmal hat man keinen Welpenschutz mehr, man hört nicht mehr Dinge wie „einmal noch so jung sein“ oder „als ich in deinem Alter war“. Na gut, das ist vielleicht etwas übertrieben und ganz beurteilen kann ich es nicht. Ich bin ja schließlich noch keine 30.

Die Popkultur schürt die Angst vor der 30

In der Popkultur wurde uns lange verkauft, dass es ein riesiges Ding ist, 30 zu werden. Vor allem bei Frauen. Man denke nur an „Bridget Jones“ – übrigens mein absolutes Liebeskummer-Guilty-Pleasure – in dem die Hauptperson Bridget mit ihren 32 Jahren quasi als alte Jungfer dargestellt wird. Viele fürchten sich vor dem Tag, kaum einer sehnt ihn herbei. Ab 25 aufwärts heißt es auf einmal scherzhaft „Na, jetzt gehst du auch schon auf die 30 zu“ – und spätestens im 29. Lebensjahr werden auf einmal ständig Witze über das Alter gemacht. Zumindest ist das in meinem Freundeskreis so.

Ich erinnere mich noch gut an eine meiner Freundinnen, die vor anderthalb Jahren 30 geworden ist. Schon Monate vorher wurde das Ganze thematisiert, ständig erwähnt, die Party geplant, aber der Tag irgendwie auch gefürchtet. Eine wilde Kombi eigentlich – denn obwohl sie wirklich gar keine Lust, ja fast schon Angst vor dem 16. Oktober 2024 hatte, plante sie trotzdem unaufhörlich die Feier dazu, schaute sich alle möglichen Locations an, schickte Einladungen raus und erhöhte ständig das Budget.

Als es schließlich so weit war, war sie so angespannt, dass sie die Party überhaupt nicht genießen konnte. Heute ist sie 31 und hat sich mit ihrem Alter dann doch ganz gut arrangiert.

Bye bye Geldsorgen und unnötiges Drama

Ich möchte das anders machen. Werde ich auch. Allein schon, weil der 7. August 2026 für mich gar kein großes Thema ist. Ja, ab dem Tag bin ich offiziell raus aus den 20ern. Und ja, ich hatte in den 20ern auch – meistens – eine richtig gute Zeit. Ich habe viel erlebt, viele tolle Leute kennengelernt und würde vieles genauso wieder machen.

Aber ich musste mir auch oft Sorgen um Geld machen, ich habe mehr Drama ausgelöst als gut für mich war und ich habe wirklich viele fragwürdige Entscheidungen getroffen, die ich heute auf keinen Fall mehr treffen würde. Doch eben, weil ich die getroffen habe, weiß ich heute ganz genau, was ich anders machen würde.

Und wer sagt denn überhaupt, dass sich mit dem Tag auf einmal so viel ändern muss? Muss ich, weil ich jetzt keine „2“ mehr im Alter stehen habe, jetzt auf die Dinge verzichten, die ich gerne mache? Nein, wirklich nicht. Ich kann genauso weiter feiern gehen, Nächte durchmachen, spontane Trips irgendwohin buchen oder Quatsch-Gespräche mit meiner besten Freundin führen. Und andersherum: Nicht jeder, der in seinen 20ern steckt, führt automatisch das klassisch-junge Leben.

Etwas sein oder tun zu müssen, nur weil es „besser zum Alter passt“, ist doch Unsinn, oder?

Manche lieben auch schon mit 23 die ruhigen Abende auf dem Sofa, stricken in ihrer Freizeit oder stellen Joggen am frühen Samstagmorgen über Partys bis zum Sonnenaufgang. Etwas sein oder tun zu müssen, nur weil es „besser zum Alter passt“, ist doch Unsinn, oder? Älter zu werden bedeutet schließlich auch, Dinge so zu tun, wie man sie mag, Grenzen zu setzen und es nicht mehr jedem rechtmachen zu müssen.

Ich sehe meine 30er ein bisschen so wie meine 20er. Nur eben mit mehr Geld, mit mehr Selbstvertrauen und mit weniger Drama. Ich muss nichts anders machen und mache es, wenn überhaupt, nur weil ich es so will. Und ganz abgesehen davon mag ich die Frau, die aus mir geworden ist, wirklich gern. Deswegen freue ich mich auch darauf, zu erleben, was sie mit ihren 30ern anstellt.