Unseriöse Online-Shops Kein Impressum und Ware aus China – Wie Kunden Fake-Shops erkennen

Dieser Online-Shop suggeriert, in Deutschland zu sein – die Ware kommt aber aus China. Ein Impressum fehlt. Foto: Screenshot

Die Jacke vermeintlich in Deutschland bestellt, aber aus China geliefert. Die Erfahrung von Michael Huber teilen viele Kunden. Rücksendungen und Rückfragen sind oft vergeblich. Doch was kann man tun?

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Die Anzeige des Modehändlers auf Facebook wirkt seriös und die Webseite auch. „Weinberg München“ erscheint auf den ersten Blick wie ein Münchner Traditionsunternehmen, das prominent mit „einem zuverlässigen Service“, schnellem, kostenlosen Versand mit DHL und 30 Tage Rückgabegarantie wirbt. Die abgebildeten Waren wirken hochwertig, die Rabatte sind branchenüblich.

 

Als Michael Huber (Name geändert) für 79,95 Euro Mitte November einen Mantel bestellt, wundert er sich, dass trotz „schnellen Versands“ die Ware Tage später noch nicht da ist. Ein Blick in die Sendungsverfolgung verrät, dass der Mantel aus China geliefert wird. Eine Information, die auf der Webseite nicht zu finden war. Knapp zwei Wochen später erhält Huber den Mantel, jedoch ist der Reißverschluss beschädigt. Am selben Tag reklamiert er die Ware samt Fotobeweis an die angegebene Mail-Adresse, die einzige Kontaktmöglichkeit.

Funkstille, als es um die Rückerstattung geht

Kurz darauf wird eine Rückerstattung oder ein Ersatz angeboten. Als Huber die Rückerstattung wählt, folgt eine Mail, er solle auch ein Video mit dem defekten Artikel schicken, damit man die Situation beurteilen könne. Huber schickt das Video. Weil er tagelang nichts mehr hört, erinnert er an die Rückerstattung, worauf wieder ein Video angefordert wird. Huber schreibt, er habe es schon geschickt. Das Unternehmen antwortet nicht.

Fälle wie diese häufen sich in den Verbraucherzentralen. Vermeintlich deutsche Shops mit Warensendungen aus China spielen dabei eine unrühmliche Rolle. Ob auf den Marktplätzen von Amazon oder Otto oder auf den Webseiten selbst: Oft muss man lange nach dem eigentlichen Verkäufer suchen oder er wird gar nicht angegeben. „Wenn die Hose nicht passt oder der Artikel anders ausfällt als auf der Webseite beschrieben, ist es für viele Kundinnen und Kunden ein Schock, wenn sie die Ware nach China zurücksenden müssen“, sagt Ann-Katrin Fornika von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Wenn die Rücksendung bis zu 50 Euro kostet, lohnt sich das aber oft nicht. Außerdem können Zollgebühren anfallen.“

Oft verschleierten Shops wie „Weinberg München“ ihren Unternehmenssitz oder erschwerten bewusst Rücksendungen, so Fornika. Bei manchen erfahre der Kunde den Ort erst, wenn er das Kontaktformular für die Rücksendung aufruft. Oder es heißt auf dem gesetzlich garantierten Widerruf, dass man ein Bild schicken solle, dass das Hemd nicht passt. Zuweilen lassen sich gar keine Firmenangaben finden, weil das Impressum fehlt.

Inzwischen bieten die Verbraucherzentralen im Internet einen „Fakeshop-Finder“ an, um betrügerische, unseriöse Webseiten zu benennen. Gibt man die betreffende Internetadresse ein, wird diese aufgrund inhaltlicher und technischer Kriterien bewertet und in einem Ampelsystem mit „Rot“, „Gelb“ oder „Grün“ versehen.

Bei weinbergmunchen.de heißt es, die Webseite weise „mehrere Anzeichen für einen Fakeshop“ auf. So konnten die Adressdaten des Betreibers nicht automatisch ermittelt werden. Auf der Watchlist Internet, die auf Betrug oder Fallstricke im Internet hinweist, wurde der Online-Shop im August 2024 als problematisch eingestuft. Zudem erhielt die Webseite auf der Bewertungswebseite Trustpilot die Bewertung „ungenügend“.

Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen zur Webseite weinbergmunchen.de. Foto: Screenshot

Tatsächlich finden sich auf Trustpilot Dutzende Kommentare, die bei „Weinberg München“ Betrug, geschönte Produktbeschreibungen, schlechte Ware und teure Rücksendungen nach China kritisieren, obwohl die Webseite einen Unternehmenssitz in München suggeriere. Rücksendungen wiederum seien nicht möglich gewesen, weil die Annahme des Pakets verweigert wurde. „Abzocke“ gehört noch zu den milderen der Urteile. „Dieser Shop gehört gesperrt“, schreibt ein Nutzer.

Getäuschte oder betrogene Kundinnen und Kunden können Anzeige bei der Polizei erstatten, sagt Verbraucherschützerin Fornika – jenseits der deutschen Grenzen werde die Rechtsverfolgung aber schwierig. „Meist lohnt es sich nicht, gegen betrügerische Webseiten vorzugehen.“ Gegebenenfalls lasse sich der Käuferschutz von Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder Klarna nutzen. Bei Kreditkartenzahlungen könne man sich an die ausgebende Bank wenden, um im so genannten Chargeback-Verfahren ungerechtfertigte Kreditkartenzahlungen zu stornieren. Und natürlich könne man andere im Internet über unseriöse Geschäfte auf den gängigen Bewertungsseiten aufmerksam machen.

Michael Huber hat es noch einmal direkt bei dem Onlinehändler versucht. Anfang Januar schrieb er abermals an den E-Mail-Kontakt von „Weinberg München“, dass er noch immer keine Antwort erhalten habe. Nach der zweiten Mail hieß es, dass das „30-tägige Rückgabefenster inzwischen abgelaufen“ sei. Auf Hubers Mail, dass dies bei seiner Reklamation der Ware rechtlich überhaupt keine Rolle spiele, kam dieselbe Antwort zurück. Ein Verstoß gegen das Gesetz, betont Verbraucherschützerin Fornika und Oliver Butler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ergänzt: „Das ganze Drumherum beruht auf Täuschung. Hier geht es nur darum, Kasse zu machen. Oft landet die Ware deshalb meistens im Müll.“

Eine Anfrage unserer Zeitung zu den Betrugsvorwürfen von Weinbergkunden auf Trustpilot, Firmenstruktur und der Verletzung der Impressumspflicht beantwortete „Weinberg München“ nicht.

Unseriöse Online-Händler erkennen

Impressum/Kontakt:
Wichtig ist der Blick auf das Impressum. Es sollte den Namen wie auch die Adresse und auch Kontaktmöglichkeit der Webseite enthalten. Auch an anderer Stelle sollte es eine Kontaktmöglichkeit geben als Mail oder Telefonnummer. Fehlt ein Impressum – Finger weg!

Bezahlen
Wenn Bezahlen nur per „Vorauskasse“ oder „Sofort-Überweisung“ möglich ist, sollte man die Bestellung abbrechen. Außerdem sollte es eine Widerrufs-Belehrung geben.

Vergleichen
Im Internet nach Kundenwertungen oder Erfahrungsberichten mit der Webseite suchen. Die Verbraucherzentralen listen unseriöse Webseiten auf (im Internet „Fakeshop-Finder“ eingeben).

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