22 Jahre ist er alt und führt bereits seit zwei Jahren die größte Losbude auf dem Stuttgarter Frühlingsfest (und Cannstatter Volksfest!): Alexander Luis Eil ist Inhaber der Jahrmarktbude Roxy, vom Krämermarkt kommend rechts von der Königsalm. Hinter seinem Moderationspult stapeln sich bunte Kuscheltiere: Koalas, Tiger, Bären. Die Leute passieren das Meer aus Plüsch, tauschen Bares gegen bunte Lospapierchen und gehen mit ein bisschen Glück oder viel Geld in den Taschen mit einem der quietschbunten Kuschelfreunde nach Hause. „Dieses und letztes Jahr kommen beim Publikum Früchte und Gemüse gut an. Ich habe hier zum Beispiel eine Ananas und eine Avocado – das sind meine zwei am besten laufenden Artikel. Und der Klassiker geht natürlich auch immer gut weg: ein großer Ich-liebe-dich-Teddy“, verrät Alexander. „Es kommen auch viele Kinder vorbei, bei denen ist der Bubble Tea ein Renner.“
Trend-Gewinn 2023: Ananas
Ob ihm schon mal das eine oder andere Plüschtier ausgegangen ist, wenn jede:r dasselbe haben möchte? „Klar! Man kann im Voraus immer schlecht sagen, was ein Trend-Artikel ist, weil es sich auch immer wieder ändert. Letztes Jahr auf dem Cannstatter Wasen war es zum Beispiel die Avocado. Alle Leute wollten die Avocado haben! Ich musste meinen Lieferanten anrufen und welche nachbestellen: ‚Bring mir die Avocados, egal wie!‘“, sagt der junge Schausteller lachend. „Dieses Jahr ist es die Ananas. Davon habe ich diesmal aber über 200 Stück – ich bin vorbereitet, sodass jede:r glücklich mit einer Ananas heimgehen kann, der oder die möchte.“
Der 22-Jährige kommt aus einer Schausteller-Familie, ging früher in den Schausteller-Kindergarten auf dem Wasen, kennt das Frühlingsfest wie seine Westentasche: „Auf dem Cannstatter Frühlingsfest bin ich jedes Jahr, seit ich denken kann“, erinnert er sich. „Meine Familie ist jetzt in der fünften Generation Schausteller. Nach dem zweiten Weltkrieg hat mein Uropa angefangen mit seiner ersten Losbude. Es ging los in kleinem Format und wurde immer größer.“ Mittlerweile sei „Roxy“ die größte Losbude auf dem Wasen.
Instagram ist die Zukunft für Schaustellende
Doch der junge Unternehmer hat noch viel vor, will mit der Zeit gehen und nächstes Jahr etwa die Sozialen Medien mit einbinden: „An der Seite hätte ich gerne einen Fotospot mit Treppchen für die Gewinner:innen. Da können sie dann Fotos machen mit dem Hashtag ‚Gewonnen bei Roxy Spielcasino‘ und es teilen.“ Das digitale Zeitalter macht auch vor den Jahrmarktbuden keinen Halt. Doch Alexander Luis Eil reitet die Welle wie sie kommt, die Digitalisierung macht ihm keine Angst. „TikTok und Instagram sind die Zukunft, auch für uns Schausteller:innen“, sagt er. „Wenn man auf TikTok den ganzen Tag live gehen würde auf dem Wasen, das würden sich die Leute auch angucken.“
Als er vor zwei Jahren das Geschäft von seinem Vater übernommen hat, war noch tiefste Corona-Pause. „Das war die schwerste Zeit für uns Schausteller:innen“, berichtet der junge Mann. Seinen ersten Besuch als Buden-Inhaber und ohne die Begleitung seiner Eltern hatte er also erst nach der Pandemie, letztes Jahr auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Doch sein erstes Mal am Mikro war das keinesfalls: „Ich war 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal auf der Bühne stand. Das war mitten in der Pubertät, als man in den Stimmbruch gekommen ist – da hat mich das schon Überwindung gekostet anfangs“, schmunzelt er. „Aber ich hatte die besten Lehrer:innen: meinen Vater und meine Mutter. Die haben mir alles beigebracht.“
Kindheitstraumberuf: Fußballer
Nach seiner Mittleren Reife ging der gebürtige Mainzer vom Gymnasium ab, reiste zunächst jahrelang mit seinen Eltern durch die Republik, bevor sie ihn alleine losschickten. Zwischen 20 und 23 Events stehen jährlich fürs Roxy-Team an, von denen das Cannstatter Volksfest das größte ist. Auf die Frage, ob er jemals etwas anderes machen wollte, muss er lachen. „Wie viele anderen wollte ich als ganz junger Mann auch Fußballer werden. Das hat aber leider nicht geklappt. Und dann war die Frage, ob ich mein Abitur machen und ins Event-Management gehen möchte, weil mir das auch getaugt hat und es nah am Schaustellerdasein ist, aber schlussendlich ist es Plan A geworden – die Losbude von meinem Vater zu übernehmen und selbstständig weiterzuführen – und da bin ich auch froh drum.“
Für gute Laune beim Team sowie beim Publikum sorgt die Playlist, die der Schausteller eigens angelegt hat: „Sonntags und unter der Woche bis abends läuft ‚Familienmusik‘, bis dann später auch mal 90er, House und coole Hits laufen, die die abendlichen Gäste gut finden. Denn gute Musik ist wichtig fürs Geschäft: Wo gute Musik läuft, hält man sich gerne auf. Und dann macht das Ganze auch uns mehr Spaß.“ Das Wichtigste ist aber die Moderation, die Alex am Mikro übernimmt; das Anheizen und Animieren des Publikums. „Wenn ein Gewinn rausgeht“, sagt Alexander und zeigt auf ein Panel mit Knöpfen, „dann geht mit diesem Knopf ein Blitzen los.“ Auf seinem Pult hat er zahlreiche weitere Schalter und Knöpfe installiert, mit denen er verschiedene Jingles für die Gewinner:innen abspielen kann. Der Aufenthalt muss fürs Publikum ein aufregendes Erlebnis sein, das weiß man im Schaustellerberuf nicht erst seit der Erfindung der sogenannten Event-Gastronomie.
Die goldene Strähne of Cannstatter Frühlingsfest
Eine besondere Geschichte vom Cannstatter Frühlingsfest gibt Alexander uns am Ende noch mit auf den Weg: „Einer von diesen großen Ich-liebe-dich-Teddys ist nicht leicht zu gewinnen. Aber wir hatten vor paar Jahren mal eine richtig coole, super sympathische Truppe von zehn, zwölf Männern und Frauen da, die haben richtig gute Laune mitgebracht und hatten noch viel Glück dazu: Unter ihren Losen waren drei, vier Gewinner-Lose dabei. Die haben richtig abgesahnt! Am Ende sind die mit zehn großen Teddys um die Schultern weitergezogen. Das war ein tolles Erlebnis, das mir in Erinnerung geblieben ist, hat richtig Spaß gemacht mit denen.“ Manchmal liegt das Glück eingerollt in einem bunten Papierchen im Loseimer, ganz einfach so.