Mit Ausstellungen im Stadtpalais Stuttgart, Lapidarium und nun ab 21. April in der Stuttgarter Leica Galerie ist Fotograf Alwin Maigler kein Unbekannter mehr im Kessel. Seine Fähigkeit, die zwischenmenschlichen Details und Feinheiten, die den meisten Beobachtenden verborgen bleiben, fotografisch festzuhalten, hat dem jungen Stuttgarter auch schnell ein Renommee über den Rand der Landeshauptstadt hinaus eingebracht. Aber wie wird man überhaupt Fotograf:in? Diese Frage stellt sich Alwin Maigler immer wieder. Und wie er sagt. „So leicht lässt sich das gar nicht beantworten, weil es einfach nicht diesen einen gültigen Weg gibt. Außerdem ist der Begriff Fotograf nicht geschützt." Letztendlich könne sich ja jede:r so nennen.
Seine eigene Reise startete nach der Schule bei einem Start-up Modelabel. „Ich habe dort verschiedene Aufgaben übernommen, auch Fotos gemacht und dabei hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass ich mir das beruflich vorstellen kann. Natürlich ohne einen Plan zu haben“, lacht er. „Aber ich wusste einfach, dass es mir Spaß macht.“
Assistenzen und "Cherry Picking"
Über Kontakte verknüpfte er sich mit Fotograf:innen und Filmschaffenden, suchte nach Ausbildungsbetrieben und entschied sich am Ende für die freie Assistenz. „Ich bin dadurch ziemlich gut rumgekommen und konnte verschiedene Stile von unterschiedlichen Fotograf:innen kennenlernen." Alwin nennt es „Cherry Picking“: „Am Ende schaut man sich das ab, was man gut findet.“
Am meisten hängengeblieben sind ihm am Ende die persönlichen Gespräche: "Die wichtigsten Dinge habe ich auf Autofahrten gelernt, weil man durch die Gespräche echte Insights bekam und so auch ein viel realistischeres Gesamtbild des Berufes.“
Den eigenen Stil finden
Die Stile der anderen kennenlernen ist das eine, doch den eigenen Stil musste er erst noch finden. „Man kann so oft am Set dabei sein und über Schultern schauen, aber es nimmt einem niemand die Arbeit ab, es selbst zu tun.“ Zwei Jahre lang hieß es also „learning by doing“ – im Endeffekt sei das heute noch so, „man lernt ja immer wieder dazu", so der Wahlstuttgarter.
Alwin arbeitete an der eigenen Mappe, fotografierte viele freie Arbeiten und merkte schnell, dass seine Stärke vor allem in der Porträtfotografie liegt. 2019 bewarb er sich dann bei dem Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter (BFF), wurde eingeladen, um sich vorzustellen und später als BFF-Junior aufgenommen. „Ich war damals 22 und für mich war das echt riesig, weil da so viele große Namen, zu denen ich aufblicke, dabei sind.“ Inzwischen ist Alwin seit drei Jahren im Verein und seit 2021 das jüngste professionelle Mitglied.
„Das Schöne daran ist ja auch, dass wir alle Selbstständige sind und auf dem Markt streng genommen in Konkurrenz stehen. Aber so vereint man sich als Kolleg:innen.“
Die Diversität der Liebe und das Stuttgarter Ballett
2021 stellte Alwin im Städtischen Lapidarium aus. Für sein Fotoprojekt "Kuss isch Kuss" lichtete er verschiedene Paare beim Küssen ab. Damit wollte er die Diversität der Liebe feiern. „Ich habe das Projekt initiiert, weil es durch die Umstände, in denen wir leben, fast schon befremdlich ist, wenn wir sich umarmende oder küssende Menschen sehen.“
In seiner neuen Ausstellung "Nuancen" zeigt er eine intime Perspektive auf das Stuttgarter Ballett und auf die Feinheiten der tänzerischen Ästhetik.