Nicht jede:r 23-Jährige würde sich nackt auf einem Album-Cover zeigen. Fritz Rank hat es getan. Auf seinem Debütalbum „Misfit“ ist der Stuttgarter Musiker schwebend, nach oben blickend und mit offenen, aufgedrehten Handflächen zu sehen. Ein bisschen Auferstehung Christi, aber halt ohne flatternde Gewänder und offene Wunden. Das Geschlechtsteil ist weggephotoshopt – ein ikonografisches Statement zum Triumph der Geschlechtslosigkeit? „Nein, auch wenn man einige Passagen auf dem Album vielleicht so interpretieren könnte“, erklärt Fritz. Der Grund für das fehlende Geschlecht ist ganz pragmatisch: „Es wäre sonst schwierig für mich auf Spotify geworden.“
Kein Statement fürs Dritte Geschlecht
Aber warum hat er überhaupt die Hüllen fallen gelassen? „Das Album ist eine Art Entblößen“, sagt der 23-Jährige. Zuvor hat er unter einem Pseudonym Musik gemacht. „Vielleicht, weil ich noch nicht so richtig dahinter stehen konnte“, vermutet er.
Mit dem neuen, unter Klarnamen veröffentlichten Album, das er im September letzten Jahres digital und Anfang dieses Jahres auf Vinyl veröffentlicht hat, kann er sich aber endlich identifizieren. Die Songs sind kein Ausprobieren mehr, sind nicht mehr das Ergebnis einer musikalischen Findungsphase. Mit jener Platte hat der Musiker seinen eigenen Sound gefunden, „es zieht sich ein roter Faden durch“, wie er sagt.
In eine Genre-Schublade kann und möchte er seinen Stil dennoch nicht stecken: „Ich höre gerne jede Art von Musik“, sagt Fritz. „Außer Volksmusik vielleicht“, fügt er schmunzelnd hinzu. Zu seinen Inspirationsquellen zählen Trettmann, Schmyt, Majan, Travis Scott und Young Thug. „Früher habe ich sehr viel Gorillaz und Lenny Kravitz gehört“, erinnert sich Fritz an seine Kindheit zurück. Das neue Album ist ein bunter Blumenstrauß: „Wir haben mit elektronischen, R’n’B- und House-Elementen gearbeitet. Es sind aber auch poppige und hiphoppige Titel dabei.“ Die neueste Single etwa - „Bad“ - die am Freitag um Mitternacht releast wird, orientiert sich in die Hip-Hop-/Rap-/Trap-Richtung.
Beim Wildpinkeln kennengelernt
Wenn Fritz Rank „wir“ sagt, meint er im Übrigen sich und seinen mittlerweile in Wien wohnenden Freund und Produzenten Duncan Hilbers aka Apollo. Im Alter von fünf Jahren haben sich die beiden zum ersten Mal getroffen. „Wir haben uns kennengelernt, als wir beide heimlich gegen den Zaun hinter der Schule gepinkelt haben“, lacht er. Mit Duncan hatte Fritz auch seine erste Band, in der er Schlagzeuger war. Sie löste sich aber kurze Zeit nach ihrer Gründung wieder auf.
Als Fritz dann zwischenzeitlich nach Freudenstadt umzog, verloren sich die beiden aus den Augen – um dann Jahre später übers Musikmachen wieder zueinander zu finden. „Wir haben ganz laienmäßig angefangen mit Kopfhörern und der Garage-Band-App herum zu probieren“, erinnert sich der Musiker. Die gemeinsame Lernphase und Arbeit gipfelte dann in vier intensiven Monaten, in denen sie die „Misfit“-Platte produzierten.
Angst vor dem ersten Solo-Auftritt
Von den zwölf Songs, deren Texte sich auf der Rückseite der Platte befinden, ist aber nur ein einziger autobiografisch: „Portrait“. „Die anderen elf sind von Mitmenschen und ihren Geschichten und Erzählungen inspiriert“, erzählt Fritz. Diesen einen sehr persönlichen Song live auf der Bühne zu performen, davor graut es ihm aber noch. Der junge Mann ist keine Rampensau, kein Freund von Menschenmassen oder Partys und eher intro- als extrovertiert. Depressive Phasen begleiten sein Leben. Das Musikmachen hat dabei eine therapeutische Wirkung auf ihn: „Ich muss währenddessen an nichts Anderes denken – dieses Gefühl finde ich sonst nirgendwo.“
„Auf der Bühne zusammenbrechen, das wäre nichts für mich“
Und eine Auszeit von der Außenwelt ist dem jungen Musiker wichtig. „Ich bin vor allem sehr sensibel, wenn es um Stimmungen geht. Die nehme ich im Raum sofort auf“, schildert er. Dass das vor allem beim Live-Auftritten, oben auf der Bühne, vor einer Masse fremder Leute, überwältigend sein könnte, macht ihm Angst. „Emotional zu werden mag ja schön sein – aber auf der Bühne zusammenzubrechen, das wäre nichts für mich. Ich muss schauen, dass ich genug Abstand gewinne.“
Was die Zukunft noch bringen soll? „Ich möchte gerne deutschlandweit spielen“, träumt der 23-Jährige. Das Reizvolle an einem erfolgreichen Musikerdasein sei außerdem mit Leuten zusammenarbeiten zu können, die man bewundert. „Mit Paula Hartmann oder Trettmann zum Beispiel.“ Und trotz seiner Ängste wünscht Fritz Rank sich, irgendwann auf der großen Bühne zu performen. „Und alle können mitsingen“, hört man ihn leise hinzufügen. Zusammen ist man weniger allein.