Unter 30: Katharina Renz Die Tochter mit dem Superfood

Katharina Renz im Untergeschoss der Avocado Show. Foto: Kriebernig

Mit gerade einmal 24 Jahren hat Katharina Renz die Avocado Show nach Stuttgart geholt. Die Tochter der Wasen-Wirtin Sonja Merz spricht mit uns über ihre neue Aufgabe, "istagrammable Food" und warum das alles ohne ihre Mutter nicht möglich gewesen wäre.

Es ist Mittag, die meisten Tische sind besetzt, es herrscht reges, aber doch entspanntes Treiben und man spürt, dass das Auge hier mitessen muss. Rosa Polsterbänke, üppig dekorierte Wände mit Plastikpflanzen, Neonschrift und schöne Menschen, die schön angerichtete Teller fotografieren: Die Avocado Show treibt Instagrammability auf die Spitze.

 

Rosa Interior, Reservierungen und Rezepte

Zur Vorbildung der Leser:innenschaft: Avocados sind eigentlich Beeren. Somit macht es irgendwie doch Sinn, die Farbe Rosa mit der fettreichen Frucht in Verbindung zu bringen. Die Avocado Show hat das getan und die Frucht gleich zum Showrunner ihres Franchise-Imperiums erklärt: 2017 eröffnete der erste Laden von Ron Simpson und Julien Zaal im hippen Amsterdamer Stadtviertel De Pijp. Seit Anfang 2021 ist das niederländische Konzept auf europäischem Expansionskurs: 19 neue Läden wurden in Spanien, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und auch Deutschland eröffnet. "Wir sind sehr stolz, dass wir die Avocado Show als erste nach Deutschland gebracht haben", sagt Katharina Renz. Die 24-Jährige sitzt passend in Rosa gekleidet in einem Samtstuhl im hinteren Bereich ihres Restaurants.

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Die Familien-Reisegruppe wurde nicht enttäuscht

Seit Ende April betreibt die Stuttgarterin als Betriebsleiterin das Lokal mit 140 Sitzplätzen in der Calwer Straße, ihre Mutter Sonja Merz ist Geschäftsführerin. Entdeckt hat sie das Konzept auf Instagram. "Ich war auf der Suche nach einem Franchise, das man nach Stuttgart holen kann", so Renz, die Marketingmanagement an der Macromedia studiert hat und von den Bildern mit den farbenfrohen Tellern angetan war. Für einen Geschmackstest reiste die 24-Jährige mit ihrer Familie in die niederländische Hauptstadt und wurde nicht enttäuscht. Was auf Social Media gut aussah, schmeckte auch der extra angereisten Gastrotester-Truppe aus Stuttgart.

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Apropos farbenfroh: "Pretty Healthy Food", wie diese Art von Rezeptur-Kunstwerken auch genannt wird, ist dabei mehr als nur ein Zeitgeist-Phänomen in den sozialen Medien: Im Marketing ist längst angekommen, dass schönes, buntes und ästhetisch ansprechend angerichtetes Essen automatisch als gesünder eingestuft wird. Menschen sehen schöne Speisen, die andere ins Netz gestellt haben und wollen sie auch essen (oder fotografieren).

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat ergeben, dass über die Hälfte aller Deutschen am Tisch inzwischen die Handykamera zückt. Jedes vierte Foto landet anschließend in den sozialen Netzwerken. Der Hype lässt sich also in Herzchen berechnen - und diese Rechnung geht laut Renz ziemlich gut auf. "Wir haben sehr viele Reservierungen, achten aber auch darauf, dass Tische für Laufkundschaft frei bleiben", so die Neo-Betriebsleiterin. Schließlich sei die Calwer Straße ja eine Flaniermeile. Wird der Fototrend bleiben? "Die Freude am Essen und einem Foto davon wird nicht vergehen, denn Menschen wollen sich ihre Erinnerungen bewahren", ist sich Renz sicher.

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Von Amsterdam in die Calwer Straße

Als Franchisenehmer sind Renz und ihr Team nicht so frei in den Entscheidungen: Vom Interior, den Plastik-Pflanzen bis zu den Speisen - das Programm wird in den Niederlanden vorgegeben. Als der Vertrag stand, reiste Renz ein weiteres mal nach Amsterdam. Diesmal hatte sie auch den Küchenchef dabei, dem die Holländer die Avocacdo-Rezepte näher brachten. "Wir haben in einer Amsterdamer Niederlassung der Avocado Show wie ganz normale Mitarbeiter gearbeitet und so alle Abläufe verinnerlicht und mit nach Hause gebracht", sagt Renz. Bei den Drinks gibt es mehr Spielraum: "Bei uns gibt es hausgemachte Limonaden", so Renz. Bei selbstgewählten Veränderungen komme es auf die Veränderung an, so Renz. Als Franchisenehmer kenne man seinen eigenen Markt und die Zielgruppe eben am besten.

Die Gastronomie ist der 24-Jährigen nicht fremd. "Den Biergarten betreibt meine Mutter seit meinem zweiten Lebensjahr", erzählt sie. Nach ihrer Schulausbildung habe sie auch am Wasen und im Biergarten mitgeholfen. Wie ist es, für die Mutter zu arbeiten? "Man hat schon eine andere Beziehung zur Mama, das ist klar. Man muss einfach das erledigen, was erledigt werden muss", beschreibt sie den Lehrsatz ihrer Gastro-Erfahrungen.

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Ihre Mutter hätte keinen Unterschied in der Behandlung gemacht. "Ich bin ihr sehr dankbar", sagt sie mit Blick auf den Gastraum, "ohne sie wäre das alles hier nicht möglich gewesen." Katharina Renz baut weiterhin auf ihre Mutter, die sie mit Tipps berät und ihr in schwierigen Situationen zur Seite steht, wie sie erzählt.

"Die Straße erlebt ein Comeback"

In Stuttgart verbringt Renz gerne Zeit in der Innenstadt und am Hölderlinplatz im Westen. "Ich mochte die Calwer Straße mit ihren Shops und Konzepten schon immer", gibt sie zu, "auch bevor wir hier den Laden aufgemacht haben. Ich glaube, die Straße erlebt gerade ein Comeback." Am liebsten isst Renz in ihrem Lokal übrigens die Eierspeisen mit Avocado, wie sie lachend erzählt: "Wenn ich an der Küche vorbeilaufe und das Essen rieche, bekomme ich immer Hunger."

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