Unter 30: Sivany Kanagalingam „Ich habe im Ehrenamt Dinge gelernt, die mir keine Schule beibringen kann“

Sivany (links vorne) kümmert sich beim Stuttgarter Verein Team Tomorrow um die Ehrenamtlichen, die sogenannten Tomorrow-Maker. Foto: Team Tomorrow

Die Stuttgarterin Sivany ist 22 Jahre alt und will die Welt ein Stückchen besser machen. Dafür setzt sie sich in verschiedenen Organisationen ehrenamtlich ein. Unter anderem bei Stelp und Team Tomorrow.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Während andere Student:innen ihre Freizeit mit Unipartys, Kneipentouren und Sportveranstaltungen verbringen, rettet Sivany Kanagalingam die Welt. Für Freunde und Hobbys bleibe aber trotzdem Zeit, sagt die 22-Jährige. Doch noch einmal ganz von vorne:

 

Sivany besuchte das Wagenburg-Gymnasium in Stuttgart-Ost. Schon damals war sie Schülersprecherin und in der Politik-AG aktiv. Sie organisierte Aktionen zum Welt-Aids-Tag, den Jugendratswahlen und stellte die verschiedenen Kulturen an ihrem Gymnasium vor.

Von 2018 bis 2020 saß sie im Jugendrat Ost und entschloss sich, nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu machen. Als sich das damals noch recht neue Team Tomorrow dem Jugendrat vorstellte und um neue Mitglieder warb, kam eines zum anderen: „Leute gebt mir ein FSJ und ich mach’s“, sagte Sivany. Der gemeinnützige Verein Team Tomorrow, der Kommunalpolitik und Demokratiebildung in der Stadt und vor allem bei jungen Menschen voranbringen will, schuf extra für die damalige Abiturientin eine FSJ-Stelle.

Zwischen Max Herre und Privatuni

Bis heute engagiert sich Sivany bei Team Tomorrow. Sie kümmert sich um die Ehrenamtlichen, die sogenannten Tomorrow-Maker. Das letzte größere Projekt war das Draufsicht-Festival auf der Karlshöhe, das mit Musik, Yoga-Workshops und Infoständen zeigen wollte: Dass Jugendliche nur saufen und Müll hinterlassen, ist ein Vorurteil (wir berichteten).

Mittlerweile studiert die 22-Jährige an der privaten Zeppelin-Universität in Friedrichshafen das Fach Politik, Verwaltung und internationale Beziehungen. Dank eines Vollzeitstipendiums muss sie dafür nichts bezahlen. Drei Monate ist sie in Friedrichshafen, drei Monate in Stuttgart. So hat sie ausreichend Zeit, um ihren Ehrenämtern im Kessel nachzugehen. Denn neben der Arbeit bei Team Tomorrow engagiert sie sich auch bei der internationalen Hilfsorganisation Stelp rund um Geschäftsführer Serkan Eren. „Beim Max-Herre-Konzert an der Grabkapelle habe ich zum Beispiel den Einlass gemacht“, erzählt sie. Sonst unterstützt sie das Stelp-Team aus dem Backoffice und hält ihnen den Rücken frei.

Ach ja, und dann ist Sivany noch Studienbotschafterin des Land Baden-Württembergs, Mitglied im Club für internationale Politik an ihrer Uni und wirkte zuletzt bei dem Erinnerungsstück „Gegen das Vergessen“ des Stuttgarter Theaters Lokstoff mit.

Es reicht schon, einer einzigen Person zu helfen

Puh. Hat der Tag der 22-Jährigen mehr Stunden als der anderer Menschen? „Koordination ist alles“, weiß die Studentin. Sie nutze einen Terminplaner mit verschiedenen Farben, um den Überblick zu behalten. „Man denkt nicht, dass ich noch Zeit für Hobbys und Freunde habe, aber dadurch, dass ich es gut organisiere, bekomme ich das auch noch hin.“ Würde ihr die Zeit für Freunde und Hobbys fehlen, würde sie verrückt werden, so Sivany. Denn: „Wenn man im Ehrenamt aktiv ist, darf man nicht vergessen, dass es einem selbst auch gut gehen muss, um anderen überhaupt helfen zu können.“

Darum müsse man es sich natürlich erst einmal leisten können, sich ehrenamtlich zu engagieren. Man brauche die Zeit und müsse die finanziellen Mittel haben, ohne Bezahlung zu arbeiten. Sei das gegeben, mache ein Ehrenamt aber viel Spaß, vor allem wegen des Gemeinschaftsgefühls. „Ich habe so viele Gleichgesinnte und Freund:innen kennengelernt, die auch etwas bewegen wollen. Außerdem habe ich durch meine Ehrenämter viel gelernt, was mir keine Schule beibringen kann.“ Sivany ist sich sicher: „Auch wenn man in Stuttgart nur einer einzigen Person hilft, kann das in die ganze Welt ausstrahlen.“

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