Unter 30: Stuttgarter Newcomer-Act Flawless Issues „Alles begann mit einem Donnerschlag“

Max Philipp Schindler aka Flawless Issues. Foto: /Vanessa Ruckh

Max Philipp Schindler aka Flawless Issues ist Newcomer-Künstler aus der Region. Auf der About-Pop-Konferenz füllte er den Club im Wizemann, im Herbst erscheint sein Debütalbum. Wir haben mit ihm über Gewitter, Genres und Soundexperimente gesprochen.

In der letzten Juli-Woche gab’s für Max Philipp einiges zu tun: Rundgang an der Abk, Auftritt auf der About Pop und on top unsere Interviewanfrage – im Moment wahrscheinlich eine von vielen. Egal ob in der aktuellen „Das Wetter“-Ausgabe oder jüngst im Gespräch mit dem Diffus Magazin – Flawless Issues ist ein Name, den wir in Zukunft wohl noch öfter hören werden. Dabei hält sich der in Göppingen aufgewachsene Künstler selbst gar nicht für einen guten Musiker, wie er sagt. „Ich bin ein guter Songwriter“, stellt Max Philipp fest. „Ich hab schon immer ein Faible für Sprachen gehabt und mir ist es leicht gefallen, mich mit Worten auszudrücken.“

 

Multi-Instrumentalist statt Instrument-Spezialist

Instrumente spielt er mehrere, keines so richtig gut, aber ausreichend, um damit einen Song einzuspielen. „Multi-Instrumentalist statt Instrument-Spezialist.“ Doch er liebt die Musik. Selbst seine erste Erinnerung überhaupt hat mit Musik zu tun: „Ich war noch ein Kleinkind und konnte gerade so stehen. Mein Stiefvater hat im Wohnzimmer laut Black Sabbath gehört und der Song startete mit einem Gewitter.“ Er lacht: „Alles begann sozusagen mit einem Donnerschlag.“ Epic! „Ich bin ihm heute noch dankbar für diesen Moment.“

Die Plattensammlung seiner Eltern weckte schon früh sein Interesse für verschiedene Musik-Genres. „Meine Mutter hat viel Ambient-Stuff gehört, Moby zum Beispiel. Mein Vater so Early Alternative-Sachen wie Sonic Youth. Aber auch beide Klassiker wie Aretha Franklin oder Musik, die damals unter dem Radar gelaufen ist.“ Ein erster krasser Aha-Moment kam ihm beim MTV-Schauen: „Das erste Mal, als ich gemerkt habe ‚damn, das holt mich total ab‘, war, als ich ein Musikvideo von den Gorillaz gesehen habe. Die Band bestand aus Comicfiguren, da waren keine Menschen im Video. Das war krass für mich.“ Auch englischsprachige und französische Filme haben ihn und seine Aesthetics als Künstler beeinflusst.

Erstes Konzert mit Edwin Rosen im Komma Esslingen

2020 veröffentlichte Max Philipp als Flawless Issues seine ersten Tracks auf einschlägigen Streaming-Plattformen - „Cut the Rope“ und wenige Wochen später „Good Vibrations“, ein Beach Boys-Cover, das so gar nicht geplant war und auch komplett anders klingt als das Original. Nämlich wie ein neu-alter New Wave-Song. Beide Lieder wurden am selben Tag mit dem iPhone-Mikrofon aufgenommen, zusammen mit Edwin Rosen. „Wir haben uns beim Skaten kennengelernt. Ich fand sein Skateboard cool, er mein T-Shirt. Und dann haben wir ziemlich schnell gemerkt, dass wir die gleichen Bands feiern.“ Gemeinsam spielten sie auch ihr allererstes Konzert im Komma Esslingen. „Das war ein krasser Moment, krass intense“, erinnert sich der 24-Jährige. „Wir hatten ja beide absolut keine Bühnenerfahrung.“

Im September 2023 wird sein Debütalbum erscheinen. Alle Songs entstanden in Berlin, in Max Philipps damaligen WG-Zimmer in Neukölln, bevor er zurück nach Stuttgart zog. „Es ist ein ziemlich rohes Album“, erklärt der Künstler. Geplant war eigentlich nur eine EP. Letztendlich wurde ein Album daraus – sogar ganz aus Versehen ein Konzeptalbum über Berlin. Übrigens, Universums-Moment: Auf der Platte sind einige Field Recordings von Gewittern zu hören. Eine kleine Hommage an den oben beschriebenen Donnerschlag? Vielleicht. Vor allem aber hatte Max Philipp Bock, herumzuexperimentieren. „Ich will mich musikalisch nicht festlegen.“

Ein Mix aus Kunst und Experiment

Mit seinem New Wave-Sound trifft er den Nerv der Zeit. Immer mehr Bands und Newcomer:innen springen auf. Wie erklärt sich Max Philipp diesen Erfolg? „2020 war eine darke Zeit mit der Pandemie und so. Ich glaube, dass diese Art von Musik den Leuten damals viel gegeben hat.“ Außerdem sei es inspirierend: „Mit 15 hätte ich mir gewünscht, dass mehr Nischenmusik aus Deutschland kommt.“

Oft wird Flawless Issues im Zuge der sogenannten „Neuen Neuen Deutschen Welle“ genannt. Auf einen bestimmten Sound will sich Max Philipp jedoch nicht festnageln lassen: „Ich finde es cool, in verschiedenen Subkulturen und Genres vertreten zu sein.“ Das zeigt er durch Kollaborationen mit Acts wie Klangkünstler oder Blanche Biau. Auch in Zukunft stehen einige Zusammenarbeiten an. Alles noch top-secret, versteht sich. Am Ende sei das Musikmachen für ihn vor allem ein Mix aus Kunst und Experiment. Was dabei herauskommt? „Das ist eine Wundertüte“, witzelt er. Wir sind gespannt.

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