Schauspielern neben Elyas M‘Barek und Florian Silbereisen, Modeln für Adidas, bei den Special Olympics an den Start gehen, für die Vogue Germany shooten und nebenbei noch Job, Freund:innen und Familie unter einen Hut bekommen. Tamara Röske ist eine Powerfrau mit vielen Talenten und noch mehr Begeisterung für das, was sie tut. Vom Down-Syndrom lässt die 27-Jährige sich dabei nicht aufhalten.
Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, wie es oft im Alltagsgebrauch gesagt wird. „Es ist eine Behinderung. Ja, ich nutze dieses Wort, denn es ist kein Schimpfwort. Auch Brillenträger:innen oder Menschen, die Schuheinlagen tragen, haben eine gewisse Behinderung“, erklärt Mama Antje Röske. Sie ist immer mit am Start und unterstützt ihre Tochter, wo sie kann. Tamara sieht das wie ihre Mutter. „Ich habe Down-Syndrom, aber ich bin es nicht“, sagt sie. „Es stört mich nicht, ob ich es habe oder nicht. Es stört mich null.“
Die Behinderung wird durch ein zusätzliches Chromosom ausgelöst – 47 statt 46 Chromosomen – und hat bei jedem Menschen eine andere Ausprägung. Oftmals sind das Aussehen und ein anderes Entwicklungs-, Wahrnehmungs- und Lernprofil charakteristisch.
Tamara kann gut lesen und schreiben und findet sich im Alltag gut zurecht. Jeden Morgen ist sie knapp eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zur Arbeit. Im Hauptberuf übt Tamara nämlich einen ganz gewöhnlichen Job, abseits von Blitzlichtgewitter und rotem Teppich aus: Sie ist Lageristin in Korntal-Münchingen. Erste Erfahrungen hat sie dort durch ein Praktikum in der Schule gesammelt. „2016 habe ich dort angefangen. Ich bin schon über sieben Jahre dort“, erzählt sie stolz. „Meine Mama sagt immer, das ist wie ein Sechser im Lotto.“ Und damit hat Antje Röske wahrscheinlich recht. Die wenigsten Menschen mit Down-Syndrom schaffen den Sprung in den Arbeitsmarkt – selbst, wenn sie offensichtlich das Zeug dazu haben.
Tamaras Modelkarriere startete schon früh. „Mit dem Modeln habe ich angefangen, als ich elf Jahre alt war“, berichtet sie. Beim Projekt „Väterglück“ von Fotografin Conny Wenk stand sie gemeinsam mit ihrem Papa vor der Kamera. Schnell war klar: Tamara hat Talent. „Conny hat gemerkt, dass ich gut darin bin und hatte dann die Idee mit mir nach Paris zu fahren, um Fotos zu machen.“
Danach folgten viele weitere Projekte wie beispielsweise in Wien oder Rom. Auch als Schauspielerin ist Tamara mittlerweile erfolgreich und lebt den Traum vieler jungen Frauen. „Ich kann ja mal aufzählen: Da war einmal „Die Toten vom Bodensee“, dann „Fack ju Göthe 3“ und „Kreuzfahrt ins Glück“.“
Dass Tamara Durchsetzungsvermögen besitzt und ihren eigenen Weg gehen will, wird im Gespräch schnell klar. Hinter dem Rücken ihrer Mutter hat sie mit ihrer Fotografin ein Unterwäsche-Shooting organisiert. „Ich habe einfach mein Handy genommen und meiner Fotografin Yvonne geschrieben. Das war cool“, erzählt sie und kichert. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mit jeder Aufnahme zeigt die Stuttgarterin wie wandelbar und fotogen sie ist.
Bald soll dann ein großer Schritt passieren. „Ich möchte selbstständig sein und zwei Freundinnen und ich möchten in einer WG zusammenwohnen.“ In einem Neubaugebiet in Stuttgart entsteht gerade eine 5-Zimmerwohnung für die Mädels-WG, die dann von der Diakonie betreut werden wird. Die Vorfreude darauf ist schon jetzt riesig. Die Freundinnen verbringen viel Zeit zusammen, gehen gerne ins Kino und shoppen. Auch die Leidenschaft zum Sport teilen sie.
Im Juni stehen aber erst mal die Special Olympics World Games in Berlin an. „Dort habe ich mich beim Weitsprung qualifiziert“, berichtet die Stuttgarterin. Außerdem tritt sie im 100-Meterlauf und bei der 4-mal-100-Meter-Staffel an. Für diesen Erfolg trainiert sie dreimal die Woche. Doch das ist bei weitem nicht alles. „Montags habe ich von 18 bis 22 Uhr Orchester, dienstags habe ich frei, mittwochs gehe ich schwimmen, donnerstags habe ich Leichtathletik, freitags habe ich Klarinettenunterricht und samstags gehe ich reiten und abends ins Theatertanzen.“ Auch Mama Antje hat damit einen vollen Kalender, denn sie fungiert häufig als Taxi und Begleitung ihrer Tochter. „Im Endeffekt sind wir einfach eine ganz normale Familie, nur, dass wir uns vielleicht etwas weniger über Kleinigkeiten aufregen. Ich lerne viel von meiner Tochter. Sie zeigt mir wie es ist im hier und jetzt zu leben und sich über alles zu freuen, das kommt.“ Und diese Lebensfreude und Motivation steckt an.