„Es ist immer noch etwas Besonderes, für diesen Verein zu arbeiten. Diese Anfangseuphorie, einen Schlüssel für die Geschäftsstelle zu haben, lässt trotzdem irgendwann nach. Auch, dass man jeden Tag Leuten über den Weg läuft, die man vorher nur aus dem Fernsehen kannte, wird normaler“, sagt die 29-Jährige, deren Enthusiasmus immer noch spürbar ist.
„Ich habe gefühlt schon immer mit einem Ball gespielt"
Lisa Lang lebt für den VfB. Und für den Fußball. Die Gerlingerin hat bereits früh eine Faszination für beides entwickelt. „Ich habe gefühlt schon immer mit einem Ball gespielt und auch mal andere Sachen zu Hause durch die Gegend gekickt – sehr zum Leidwesen meiner Eltern“, gesteht sie lachend. Um nicht das komplette Inventar im Hause Lang zu zerstören, ging es also in den Vereinssport. Zu Beginn spielte sie natürlich mit den Jungs. Dafür legte sie sich sogar extra einen Kurzhaarschnitt zu. „Ich habe mich damit wohler gefühlt, weil ich nicht so aufgefallen bin. Und ich wollte auch keine Vorzugsbehandlung. Wahrscheinlich wissen bis heute nicht alle, dass sie damals gegen ein Mädchen gespielt haben“, erzählt sie.
Mit 18 schon genug von Liga zwei
Doch Langs Talent blieb nicht verborgen. Bereits mit 16 Jahren wechselte sie zum FV Löchgau, wo die Stürmerin in der 2. Bundesliga spielte. „Das war für mich die absolute Leistungsgrenze. Vor allem in dem jungen Alter, ich war ja erst 16. Das muss man erst einmal verpacken und mit dem Druck umgehen können“, sagt sie rückblickend. Irgendwann war sie nicht mehr glücklich. Nach mehreren Verletzungen und weniger Einsatzzeiten war Schluss. Mit gerade mal 18 Jahren.
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Nach einem halben Jahr Pause, in der sie ihr Abitur machte, kam eine gute Freundin der Familie auf sie zu. Die war für den Frauenfußball beim TSV Münchingen zuständig. Und sie überredete Lang relativ schnell, sieben Klassen tiefer mitzukicken – alles etwas entspannter. Und dort ist sie heute immer noch. Als Trainerin. „Ab und an spiele ich noch mit. Ganz sein lassen kann ich es nicht“, sagt Lang, die bereits zwei Bandscheibenvorfälle erlitten hat.
Dass Lang in Münchingen immer noch dreimal die Woche das Training leitet und bei einem Spiel am Wochenende an der Seitenlinie steht, zeugt von einem eisernen Zeitmanagement. Schließlich ist sie keine BWL-Studentin mehr. Nach ihrer Zeit in der Unternehmensberatung und ihrem Abschluss im 2019 neu geschaffenen VfB-Masterstudiengang „Leadership and Sports Management“, arbeitet sie seit dem 1. April 2021 als Vereinsmanagerin beim VfB.
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„Wir haben viele Abendtermine, weil bei uns im e.V die ganzen Abteilungen liegen. Dazu arbeiten wir viel mit Ehrenamtlichen, die häufig nur abends Zeit haben“, erzählt sie aus ihrem Alltag, der sich langsam eingependelt hat. „Am Anfang war es noch sehr unruhig im Verein, dazu kam noch die XXL-Mitgliederversammlung im Juli. Nun können wir langfristiger planen und endlich Projekte starten. Aber man merkt einfach, dass jeder, der hier arbeitet, Bock auf den VfB hat“, so Lang.
Der heilige Donnerstag
Ihr Lieblingsprojekt ist ohne Zweifel der Aufbau der Mädchen- und Frauenfußballabteilung, den sie federführend vorantreibt. Dazu ist der Verein eine Kooperation mit dem VfB Obertürkheim eingegangen, der ab der kommenden Saison unter dem VfB Stuttgart in der Regionalliga antreten wird. „Mich hat es zu meiner aktiven Zeit schon gestört, dass der VfB keine Frauenfußballabteilung hatte. Wir haben im Raum Stuttgart extrem viele Talente, die aber keinen Leuchtturmverein haben, zu dem sie gehen können. Die wollen wir hierbehalten“, sagt Lang.
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Neben diesem Projekt hat Lang noch viele weitere organisatorische und administrative Aufgaben im Club. Sie ist zum Beispiel Ansprechpartnerin für die verschiedenen Abteilungen des Vereins und den Vereinsbeirat. Bleibt da überhaupt noch Zeit für anderen Dinge? „Donnerstag ist mein heiliger Abend, den halte ich mir immer frei“, sagt die heimatverbundene Lang. Dann ist auch mal mehr Zeit für Freunde und Familie. Und im Sommer muss ein kleiner Ausflug mit Picknickdecke zum Schloss Solitude immer drin sein.
Schwäbin durch und durch
Auch gegen größere Ausflüge hat Lang nichts einzuwenden, sofern es die Zeit zulässt. „Reisen würde ich gerne wieder mehr. Drei oder vier Wochen USA wären nicht schlecht“, sagt die 29-Jähirge. Und Kuba steht auf ihrer Wunschliste. „Das war mein bisher schönster Urlaub. Den habe ich von meiner Tante zum Realschulabschluss bekommen. Da hatte ich mich schon gefragt, was ich wohl zum Abi bekommen würde. Aber auf diesen Urlaub warte ich heute noch. Da war dann wohl das Geld alle“, erzählt die Maultaschenliebhaberin lachend.
Doch richtig weg zieht es Lang sowieso nicht. Sie ist Schwäbin durch und durch. „Warum sollte ich woanders hingehen? Hier habe ich doch alles“, sagt sie unmissverständlich - und schließlich arbeitet sie in Stuttgart ja auch bei ihrem Herzensverein.
Hier geht es zu unserem VfB-Podcast mit Lisa Lang:
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