Unterensingen Treibstoffleitung unerwünscht

Von Philipp Braitinger 

Der Gemeinderat hat dem Bau einer Kerosinpipeline zum Flughafen Stuttgart eine Absage erteilt. Das umweltfreundliche Großprojekt verzögert sich dadurch.

Der Stuttgarter Flughafen will  Kerosin in Zukunft beim zentraleuropäischen Pipelinenetz zwischen Tübingen und Aalen abzapfen und unterirdisch auf die Filder transportieren. Foto: dpa
Der Stuttgarter Flughafen will Kerosin in Zukunft beim zentraleuropäischen Pipelinenetz zwischen Tübingen und Aalen abzapfen und unterirdisch auf die Filder transportieren. Foto: dpa

Unterensingen - Leicht haben sie es sich nicht gemacht. Ein Jahr lang haben unzählige Gespräche, Informationsveranstaltungen und Telefonate zur geplanten Kerosinpipeline des Flughafens Stuttgart über die Unterensinger Gemarkung stattgefunden. Am Ende hat sich der Gemeinderat mit sieben Ja- und acht Nein-Stimmen knapp gegen die geplante Pipeline entschieden. Damit stellte er sich gegen die Empfehlung der Verwaltung und von Bürgermeister Sieghart Friz, der sich in der Sitzung ausdrücklich für das Projekt des Flughafens verwandt hatte.

Wie es weitergeht, ist vorerst ungewiss. Unterensingen ist die einzige Gemeinde, die sich gegen die neue Pipeline ausgesprochen hat. „Wir müssen jetzt schauen, ob es noch andere Routen gibt“, erklärt der Pressesprecher des Flughafens, Volkmar Krämer. Dabei müsse der Flughafen jedoch stets auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. „Das ist für den Flughafen finanziell keine unendliche Geschichte.“ Eine alternative Trasse ab Reutlingen entlang den Bundesstraßen 464 und 27 wäre 29 statt 19 Kilometer lang. Der Flughafen braucht jährlich 230 000 Kubikmeter Kerosin.

Tanklager in Heilbronn wird geschlossen

Hintergrund der Pläne für eine neue Kerosinpipeline ist, dass Ende des Jahre 2017 ein Tanklager in Heilbronn geschlossen wird, von dem der Stuttgarter Flughafen aktuell einen Teil seines Kerosins bezieht. Der Flughafen Stuttgart hat deshalb beschlossen, einen Großteil der Transporte, die bisher über die Straße gingen, durch eine unterirdische Leitung mit Anschluss an das zentraleuropäische Pipelinenetz zwischen Tübingen und Aalen zu ersetzen.

Das Stuttgarter Regierungspräsidium betreibt derzeit ein Raumordnungsverfahren, um einen Korridor festzulegen, in dem die Kerosinpipeline verlaufen könnte. Neben den ökonomischen Aspekten wäre eine Pipeline auch wesentlich besser für die Umwelt, erklärt Volkmar Krämer.

Die Leitung soll in einer Tiefe von mindestens 1,20 Meter vergraben und keinen Lärm verursachen. Ackerbau sei über der Leitung weiterhin ohne Einschränkungen möglich. Allerdings könnten die Grundstücke, durch die die Leitung liefe, nicht mehr bebaut werden. Außerdem seien keine tiefwurzelnden Bäume über der Leitung möglich. Neben der Wirtschaftlichkeit und ökologischen Gründen zählt der Stuttgarter Flughafen die höhere Sicherheit als Argument für die Pipeline auf.

Unterensinger sehen keinen Nutzen für sich

Eine Begründung für die ablehnende Haltung des Unterensinger Gemeinderates war, dass die Gemeinde bereits an vielen Stellen belastet sei und deshalb nicht auch noch die Pipeline über ihre Gemarkung führen lassen möchte. Neben der Autobahn A 8 werden im Bericht der Gemeinderatssitzung vom 20. Juli die geplante ICE-Trasse, der Ausbau der Bundesstraße 313 sowie eine bestehende überörtliche Gasleitung als Belastungen genannt.

Zudem hätte Unterensingen keinen unmittelbaren Nutzen von der Pipeline, führt das Protokoll die Ansicht der Pipelinegegner auf. Da half es auch nicht, dass der Unterensinger Bürgermeister Sieghart Friz neben einer bereits ausgehandelten veränderten Führung um ein Naturschutzgebiet mit Baggerseen herum auch noch die Erneuerung eines Fahrradweges bei den Verhandlungen mit dem Stuttgarter Flughafen herausgeschlagen hatte. Dass das Projekt innerhalb der Einwohnerschaft umstritten ist, belegt eine Unterschriftenliste mit 312 Namen von Pipelinegegnern, die im Unterensinger Rathaus beim Bürgermeister abgegeben wurde.

Der Stuttgarter Flughafen hofft, mit einer veränderten Trassenführung doch noch zu einer Einigung mit Unterensingen zu kommen. Zunächst ist der Gemeinderat jedoch mindestens ein halbes Jahr an seinen Beschluss gebunden.