Unterensingen Unbekannte zünden unbewohnte Asylunterkunft an

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Unbekannte haben am Donnerstagmorgen in einer im Rohbau befindlichen Flüchtlingsunterkunft in Unterensingen Feuer gelegt. Menschen wurden nicht verletzt, der Schaden beläuft sich auf rund 15 000 Euro.

Ein Zimmer im Erdgeschoss ist durch die Flammen stark  beschädigt worden. Foto: dpa
Ein Zimmer im Erdgeschoss ist durch die Flammen stark beschädigt worden. Foto: dpa

Unterensingen - Bei einem Brandanschlag auf eine noch unbewohnte, im Rohbau befindliche Flüchtlingsunterkunft in Unterensingen (Landkreis Esslingen) sind am Donnerstagmorgen rund 15 000 Euro Schaden entstanden. Menschen wurden nicht verletzt. Die Polizei ermittelt eigenen Angaben zufolge wegen Brandstiftung, da am Tatort eindeutige Spuren eines Brandbeschleunigers festgestellt worden seien.

Gegen 6 Uhr hatte eine Zeitungsausträgerin die Flammen im Erdgeschoss des Gebäudes in der Bachstraße, direkt vor dem Bauhof der Gemeinde, bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Diese konnte den Schwelbrand rasch löschen, wodurch das Feuer nur in einem Zimmer Schaden anrichtete und sich nicht weiter ausbreitete. Allerdings hat der Polizei zufolge eine starke Rauchentwicklung Schäden im Flur der zweigeschossigen, in Holzständerbauweise errichteten Unterkunft verursacht.

Leichtes Spiel für die Täter

Am späten Vormittag sind Polizeibeamte noch damit beschäftigt gewesen, den Tatort zu fotografieren. Die Täter haben leichtes Spiel gehabt, denn in dem Rohbau sind noch keine Türen und Fenster eingebaut. Das Gebäude ist frei zugänglich, nur zur Straße hin ist es mit einem Bauzaun gesichert. Ob der oder die Täter einen Brandsatz von dem nur rund drei Meter entfernten Gehweg aus durch die Fensteröffnung geworfen, oder das Feuer von innen entfacht haben, will sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Auf einen in das Zimmer geschleuderten Molotowcocktail deute nichts hin, da keine Glassplitter gefunden worden seien, „aber da gibt es noch andere Möglichkeiten“, sagt Michael Schaal, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Die Polizei hofft auf Hinweise möglicher Zeugen unter der Rufnummer 0 70 22/9 22 40.

Eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe gehe verschiedenen Richtungen nach. Einen Anhaltspunkt auf mögliche Täter gebe es bislang nicht. Ein Anschlag durch die rechte Szene könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Michael Schaal. Auch eine Tat als Ausdruck des Widerstands gegen die Unterkunft, die im Juni hätte bezogen werden sollen, sei denkbar. In der Vergangenheit seien an dem Bauzaun Protestplakate angebracht gewesen, deren Inhalt oder Gestaltung aber „nicht auf eine Straftat haben schließen lassen“, so Schaal. Auch für einen Zusammenhang mit der in Deizisau in Erscheinung getretenen rechten Szene gebe es bisher keinen Anhaltspunkt.

Die Unterkunft soll pünktlich fertig sein

Der Unterensinger Bürgermeister Sieghart Friz ist „traurig und fassungslos“, dass in seiner Gemeinde ein solch „hinterhältiger und feiger“ Anschlag verübt worden ist. Über einen möglichen Täterkreis äußert sich Friz nicht, „das wäre reine Spekulation“. Zwar werde das Vorhaben, in der Bachstraße Flüchtlinge unterzubringen, von einigen Anwohnern kritisch beurteilt und löse im Vorfeld Ängste und Sorgen aus, „aber auch nicht mehr als in anderen Städten und Gemeinden“. Er sei bestürzt, dass eine Unterkunft, in der Leute „aus purer Not“ Unterschlupf finden sollen, auf solche Weise attackiert werde. Aber der Bürgermeister stellt klar: „Das ändert nichts an unserem Vorhaben, das Gebäude noch vor der Sommerpause fertigzustellen.“

Auch Peter Keck, der Sprecher des Landkreises Esslingen, geht davon aus, dass die Unterensinger Unterkunft zum vorgesehenen Termin im Juni bezogen wird. Dort sollen 50 Menschen vorläufig und zehn in der Anschlussunterbringung einquartiert werden. „Brandanschläge sind immer widerwärtig“, erklärt der Esslinger Landrat Heinz Eininger, der ebenso wie der Bürgermeister Sieghart Friz noch am Morgen den Tatort besichtigt hat. Auf das bisherige Sicherheitskonzept habe der Anschlag zunächst keinen Einfluss. „Man kann nicht alle Baustellen von Flüchtlingsunterkünften bewachen“, sagt Peter Keck.




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