Unterer Schlossgarten in Stuttgart Das hat es mit dem großen Ballon auf sich

Von Josef Schunder 

Beim Unteren Schlossgarten steigt ein großer Ballon auf und ab. In Heslach fliegt eine Drohne. Wir erklären, was es mit den Flugobjekten auf sich hat.

Vorübergehend am Boden, aber dann gleich wieder zum Messdatensammeln oben in der Luft: Der Fesselballon im Unteren Schlossgarten Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 6 Bilder
Vorübergehend am Boden, aber dann gleich wieder zum Messdatensammeln oben in der Luft: Der Fesselballon im Unteren Schlossgarten Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Autofahrer und Parkbesucher haben es schon an diesem Donnerstag sehen können, und auch am Freitag ist es zu beobachten: Beim Unteren Schlossgarten schwebt, durch eine Befestigung gehalten, ein Fesselballon in bis zu 470 Metern Höhe über dem Boden. Der Zweck: Es werden kontinuierlich über Tage hinweg mit intensiven Messungen meteorologische Daten und Luftschadstoffdaten für Stuttgart gesammelt. Übrigens nicht nur mit Hilfe des Fesselballons, sagt Ulrich Vogt vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) der Universität Stuttgart. Zwei Tage lang fänden auch andere Messungen statt. Auch in den nächsten zwei Wochen seien Aktivitäten vorgesehen. Neben dem IFK sind die Universität Hannover, das Forschungszentrum Jülich und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit Forschergruppen beteiligt. Unter anderem ist im Bereich Heslach auch eine Drohne, also ein ferngesteuertes kleines Flugobjekt, im Einsatz. Der Fesselballon ist nicht weit entfernt von der Mooswand platziert, mit der die Stadt an der Bundesstraße 14 die Bekämpfung von Feinstaub aus dem Straßenverkehr testet. Es ist die dritte derartige Messkampagne in Stuttgart. Die vierte und letzte soll im Sommer stattfinden.

Ministerium fördert Vorbeugung gegen Hitzestress

Hintergrund für die Messungen ist das Forschungsprojekt Stadtklima im Wandel, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung seit Mitte 2016 gefördert wird – in den ersten drei Jahren mit mehr als 13 Millionen Euro. Es dient hautpsächlich der Vorbereitung der Städte auf den drohenden Klimawandel. Mit schon vorhandenen und den noch zu ermittelnden Daten will man feinmaschige, auch Straßenzüge oder gar Gebäude erfassende Stadtklimamodelle für komplette Städte wie Berlin, Hamburg und Stuttgart aufbauen. Auf dieser Grundlage sollen mit Computern die Veränderungen der Erdatmosphäre beobachtet und die Auswirkungen vorausberechnet werden. Die Stadtklimamodelle sollen auch stadtplanerische Maßnahmen gegen Hitzestress in den Städten und Maßnahmen gegen Luftschadstoffe erleichtern, zum Beispiel eine ausreichende Durchlüftung von Siedlungsgebieten sicherstellen.

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