Unterhaltung Erfolgskomödie füllt die Kassen

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Erfolgsproduktionen wie „Ziemlich beste Freunde“ bescheren der Branche ein Umsatzplus. Etwa 62 Millionen Eintrittskarten haben deutsche Filmtheater bis Ende Juni verkauft. Das Kinosterben in Deutschland geht trotzdem weiter.

„Ziemlich beste Freunde“ hat 8,5 Millionen Deutsche in die Kinos gelockt. Foto: dapd
„Ziemlich beste Freunde“ hat 8,5 Millionen Deutsche in die Kinos gelockt. Foto: dapd

Berlin - Es ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Rund 62 Millionen Eintrittskarten haben deutsche Filmtheater bis Ende Juni verkauft, gut ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte auf 462 Millionen Euro, ein Plus von zwei Prozent, das auch auf weiter gestiegenen Ticketpreisen beruht.

Die Filmförderungsanstalt (FFA) zeigt sich mit der Zwischenbilanz zufrieden. „Auch wenn wir nicht unbedingt über immense Besucherzuwächse sprechen, haben wir trotz Fußball-EM ein gutes Halbjahr in einem stabilen Kinomarkt hinter uns“, sagt FFA-Vorstand Peter Dinges. Optimistisch blicken die Berliner Filmförderer auch auf die nächsten Monate, da unter anderem der neue James Bond auf die Leinwand kommt und die Kassen füllen soll. Mit großer Spannung wird ebenfalls das neue Werk von Tom Tykwer erwartet, der mit „Cloud Atlas“ einen weltweiten Buchbestseller gemeinsam mit den Geschwistern Wachowski („Matrix“) verfilmt hat und in den Ateliers von Studio Babelsberg drehte.

In den letzten Monaten erregte im kurzatmigen Filmgeschäft vor allem ein Überraschungshit aus dem Nachbarland nachhaltiges Aufsehen, der auf realen Ereignissen beruht. Die kleine französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“ über die ungewöhnliche Beziehung zwischen einem Behinderten und seinem Betreuer wurde in ihrem Heimatland ein gewaltiger Erfolg und lockte auch in Deutschland die stolze Zahl von 8,5 Millionen Zuschauern in die Kinos. Das schaffen nur wenige Produktionen.

„Türkisch für Anfänger“ auf Platz drei

Zum Vergleich: der zweiterfolgreichste Film, die Fortsetzung der US-Komödie „American Pie“, brachte es gerade mal auf 2,5 Millionen Zuschauer. Erfreulich für die hiesigen Filmförderer: Mit „Türkisch für Anfänger“ schaffte es ein deutscher Film mit 2,3 Millionen verkauften Karten immerhin auf Platz drei. Unter dem Strich kamen 12,8 Millionen Besucher zu den insgesamt 105 deutschen Filmen, die im ersten Halbjahr neu in den Kinos anliefen. Damit kletterte der Marktanteil inländischer Produktionen leicht auf knapp 21 Prozent.

Der niedrige Besucherschnitt von rund 12 000 Tickets pro deutschem Film zeigt allerdings auch, dass viele hiesige Kinodrehs ohne Produktions- und Vertriebsförderung wirtschaftlich nicht zu realisieren wären, weil die Einnahmen am Ende viel zu gering sind. Insgesamt erlebten im ersten Halbjahr 270 Filme in den deutschen Kinos ihre Premiere, das waren acht mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Flut immer neuer Produktionen, ein Großteil davon aus den USA, hält also an. Damit wird es besonders für Filme, die kein großes Werbebudget haben, immer schwerer, sich gegen die groß angekündigten Blockbuster aus Hollywood durchzusetzen.

Bemerkenswert an den neuen Branchenzahlen ist auch der deutlich gesunkene Besucheranteil von 3-D-Filmen. Zumal viele Kinobetreiber große Hoffnungen auf die dreidimensionalen Vorführungen setzen und dafür ihre Technik teuer aufgerüstet haben. Im ersten Halbjahr lösten aber nur noch 10,3 Millionen Gäste eine 3-D-Karte, das waren 1,8 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Der 3-D-Marktanteil sank deshalb erstmals von knapp 20 auf unter 17 Prozent.

Kinosterben geht weiter

Weiterhin alarmierend entwickeln sich die Kinostrukturen in Deutschland. Sowohl die Zahl der Säle als auch der Standorte sinkt in mittlerweile Besorgnis erregendem Tempo. Ende Juni gab es in Deutschland noch 4596 Leinwände, nochmals 51 weniger ein Jahr zuvor. Damit gibt es nunmehr schon seit fünf Jahren mehr Schließungen als Neueröffnungen. Noch bedenklicher aber ist, dass es in immer mehr Orten gar kein Lichtspielhaus mehr gibt, weil nicht nur einzelne Säle dicht gemacht werden, sondern ganze Kinos. Nur noch in 913 Städten und Gemeinden können Filmfans die große Leinwand genießen.

Allein seit Mitte vorigen Jahres verschwand an 28 Standorten das letzte Kino. Seit Mitte 2000 verloren damit 158 Kommunen das letzte Lichtspielhaus, weil sich der Betrieb nicht mehr rentierte, die fällige Sanierung nicht finanziert werden konnte oder sich kein Nachfolger für die oft noch mittelständischen Unternehmen fand.