Stuttgart beginnt mit der Auflösung der ersten Notquartiere für Flüchtlinge. So sollen bis Ende Juli alle belegten fünf Turnhallen geräumt und bis nach den Sommerferien wieder für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen.

Lokales: Mathias Bury (ury)

Stuttgart - Die stark rückläufigen Flüchtlingszahlen entspannen auch in Stuttgart die Lage bei der Unterbringung von Asylbewerbern. Inzwischen steht der Plan, wann die im vorigen Herbst eilig umgenutzten Turnhallen, leer stehende Schulen, Waldheime und ein Bürogebäudewieder frei gemacht werden. Schon am Donnerstag beginnt die Verlegung von insgesamt 1200 Flüchtlingen.

Schlag auf Schlag sind die Gebäude im vergangenen Herbst zu Notquartieren gemacht worden, als die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge auf 1200 im Monat November geklettert war. Nun sollen diese Behelfsquartiere bis Ende Juli wieder nach und nach ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Wie berichtet, ziehen schon in der kommenden Woche die meisten der 204 in der Sporthalle des Solitude-Gymnasiums in Weilimdorf verbliebenen Flüchtlinge in eine Containerunterkunft auf der Waldau. Schon diese Woche werden die 99 Bewohner der Alfred-Wais-Halle in Birkach in ein Heim in der Kameralstraße in Stammheim verlegt.

Die erste Turnhalle wird diese Woche geräumt

Anfang Juni werden 104 Asylbewerber aus der Sporthalle der Raichberg-Realschule im Osten in eine Containersiedlung in Sillenbuch umziehen. Mitte Juni sind die 241 Flüchtlinge, die noch in der Friedensschule im Westen untergebracht sind, an der Reihe, sie werden in die Containersiedlung im Norden sowie die Unterkunft in der Leypoldtstraße in Plieningen wechseln.

In derselben Woche werden die 45 Flüchtlinge aus dem Waldheim Lindental auf Unterkünfte im Stadtgebiet verteilt. Das Waldheim Johannes in Botnang wird jetzt schon nicht mehr als Unterkunft genutzt. Uns schließlich sollen im Juli noch die 89 beziehungsweise 102 Asylbewerber, die in den Turn- und Versammlungshallen in Hedelfingen und in Obertürkheim wohnen, ebenfalls in Wohncontainer im Stuttgarter Norden umziehen. Für die letzte Juliwoche ist vorgesehen, dass die 365 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Firmengebäude von Hahn und Kolb an der Feuerbacher Borsigstraße innerhalb des Bezirks in die neue Unterkunft an der Wiener Straße wechseln.

Im Mai sind nur 32 Flüchtlinge angekündigt

Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen die Hallen nun gereinigt und instand gesetzt werden, so dass sie nach den Sommerferien wieder wie vorher genutzt werden können. Die Halle in Weilimdorf wird wie geplant zunächst saniert.

„Das alles geschieht zu unterschiedlichen Zeitpunkten, weil auch die neuen Systembauten ja sukzessive fertig werden“, erklärt Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU), der in der Verwaltung für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist, zum geplanten Ablauf. Dass die Notquartiere nicht nachbelegt werden müssen, hat aber nicht zuletzt mit den inzwischen nur noch sehr geringen Flüchtlingszuweisungen durch das Land zu tun.

Im Januar musste die Verwaltung noch für 863 Menschen Unterkünfte schaffen, im April waren es dann noch 420. Im Mai werden es nach den Ankündigungen des Landes nur noch 32 Flüchtlinge sein. Und „in dieser Größenordnung“, schätzt Michael Föll, werde es die kommenden Monate wohl weitergehen. Im Juni und im Juli rechnet der Finanzbürgermeister mit maximal 50 neuen Asylbewerbern.

Weitere Pläne bis Jahresende

Sollte die Lage so entspannt bleiben wie derzeit, sollen bis Jahresende noch weitere Notquartiere geräumt werden. So werden 150 Wohneinheiten der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), die eigentlich zur Modernisierung vorgesehen sind, derzeit als Flüchtlingsunterkünfte genutzt. Bis Ende des Jahres soll auch das Haus Martinus an der Olgastraße mit 300 Plätzen wieder der Caritas übergeben werden, die dort eine neue Pflegeeinrichtung plant.

Und wenn es nach der Stadtverwaltung geht, wird bis Jahresende auch die Halle 2 im Neckarpark mit ihren 430 Plätzen ihre Funktion als Flüchtlingsheim wieder verlieren. Wenn alles nach Plan laufe, werden bis dahin „etwa 3000 Plätze umgeschichtet“, so Föll. Derzeit leben in Stuttgart 8585 Flüchtlinge in 124 Unterkünften.