„Unterm Wäldle“ in Dachtel Baustart für umstrittenen Kita-Neubau – Anwohner-Proteste halten an

, aktualisiert am 03.02.2026 - 15:03 Uhr
Bürgermeisterin Helena Österle (Mitte) beim Spatenstich für den Dachteler Kindergartenneubau. Foto: Stefanie Schlecht

Nach mehr als drei Jahren Planung und drei Abstimmungsrunden nimmt der Dachteler Kindergarten „Unterm Wäldle“ jetzt Form an. Vereinzelt regt sich weiter Widerstand.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Huiii, was für ein großer Sandkasten! So ein Spatenstich ist für die Dachteler Kindergartenkinder eine feine Sache. In Matschhosen und Gummistiefeln gekleidet, schmeißen die Kleinen mit sichtlichem Vergnügen eine Ladung Sand in die Luft. Noch ist es eine ganze Weile hin, aber wenn alles läuft wie geplant, können sie im Oktober 2027 in ihren neuen Kindergarten „Unterm Wäldle“ einziehen.

 

Das wäre der – wenn auch nicht von allen – sehnsüchtig erwartete Schlusspunkt einer Geschichte, die sich nun schon bald sechs Jahre lang hinzieht. „Sehnsüchtig“ ist dann auch das Wort, das Aidlingens Bürgermeisterin Helena Österle an diesem Freitagvormittag gleich mehrfach über die Lippen kommt. Um sie herum stehen Planer, Bauunternehmer, Rathausmitarbeitende, Anwohner, Gemeinde- und Ortschaftsratsmitglieder sowie Erzieherinnen und Kindergartenkinder.

Platz für 85 Kinder – zehn weitere Plätze kommen hinzu

Es ist der offizielle Baustart für den Neubau des Kindergartens „Unterm Wäldle“. Das zweigeschossige Gebäude unterhalb der Tennisanlagen des FSV Deufringen soll Raum für fünf Gruppen bieten, davon zwei Krippengruppen. Insgesamt 85 Kinder sollen dort Platz finden, später sollen zehn weitere Krippenplätze hinzukommen. Insgesamt 8,75 Millionen Euro investiert die Gemeinde.

Architekt Christof Simon spricht über die Dimensionen und Besonderheiten des Projekts. Foto: Stefanie Schlecht

Das Projekt ist von einer langwierigen Planungsphase und massiven Widerständen geprägt. Bereits 2020 hatte der Prozess mit dem Standortauswahlverfahren begonnen, im Juli 2022 hatte der Gemeinderat sich mit knapper Mehrheit für einen Neubau am Rande des Wohngebiets „Unterm Wäldle“ entschieden. Aus der Anwohnerschaft gab es von Beginn an Proteste gegen den Standort. Einer der Hauptkritikpunkte war, dass für den Neubau mehrere Bäume gefällt werden sollten – was im Februar 2025 dann auch passierte. Darüber hinaus gab es Bedenken wegen des Kinderlärms und des erwarteten Verkehrsaufkommens.

Insgesamt drei Beteiligungsrunden waren notwendig, um den Kitaneubau auf den Weg zu bringen. Beim Spatenstich wird zwar kein Protest laut. Wie Bürgermeisterin Österle am Rande der Veranstaltung mitteilt, regt sich aber vereinzelt noch immer Widerstand. Insbesondere geht es um Baulärm und Erschütterungen wegen der Verdichtungsarbeiten. „Wir haben uns da mit dem Landratsamt abgestimmt. Die sagen ganz klar, dass wir hier eine Baugenehmigung haben“, macht Österle deutlich.

Einige hundert Meter Luftlinie unterhalb, in dem 1970 eröffneten Kindergartenaltbau neben dem Dachteler Bürgerhaus, wartet man schließlich schon ungeduldig auf den Neubau. „Der Kindergarten war damals ja nicht als Ganztageshaus geplant. Er wird aber seit Jahren so genutzt“, sagt Tina Wacker, die im vergangenen September zusammen mit Susanne Pahl die Leitung des Kindergartens übernommen hat.

Erzieherinnen und Kinder müssen deshalb schon seit Jahren mit beengten Räumlichkeiten auskommen. Weil diese für die gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsstandards nicht mehr ausreichen, sind die Krippenkinder seit 2018 in einem eigentlich als Provisorium gedachten Containerbau untergebracht. Die Plätze reichen trotzdem nicht aus, deshalb müssen viele Eltern auf Betreuungseinrichtigen in Aidlingen ausweichen oder Tagesmütter einsetzen.

Architekt hält Fertigstellungstermin für machbar

Architekt Christof Simon gab beim Spatenstich Einblicke in das geplante Gebäude, das er als „funktionierenden Organismus“ bezeichnete. Er sprach über die Dimension des Baus und seine Besonderheiten – darunter die südliche Ausrichtung der Gruppenräume, die dafür sorgt, dass die Kinder künftig buchstäblich einen Platz an der Sonne haben. Die geplante Fertigstellung im Herbst 2027 hält der Planer für einhaltbar – allerdings verwies er darauf, dass es immer irgendwelche Unwägbarkeiten geben könne.

Derzeit laufen die Rohbauarbeiten. Der von Deufringen zum FSV-Sportgelände führende Holzweg ist während der Bauarbeiten bis Mitte/Ende August 2026 gesperrt.

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