Unternehmen auf der Filderebene Kleinere Betriebe haben das Nachsehen

Großbritannien will aus der EU austreten. Wie genau das aussehen soll, weiß aktuell niemand, auch die Briten nicht. Was bedeutet das für die Unternehmen auf den Fildern?

Der Tumult rund um den Brexit hat längst auch die kleinen und mittleren Betriebe auf der Filderebene erreicht. Foto: AP
Der Tumult rund um den Brexit hat längst auch die kleinen und mittleren Betriebe auf der Filderebene erreicht. Foto: AP

Filder - Großbritannien will aus der EU austreten – eigentlich heute, am 29. März. Über die genauen Austrittsbedingungen und die resultierenden Veränderungen für die EU ist aber noch nicht endgültig entschieden. Was bedeutet das für die Unternehmen auf der Filderebene?

Wie schätzt die lokale Wirtschaft den Brexit ein?

Daniel Ludin findet klare Worte für den Brexit: „Aus Sicht der Wirtschaft ist das ein Chaos, eine Zumutung, die auf die Industrie und die Bürger abgewälzt wird.“ Ludin ist Geschäftsführer des Automobilzulieferers JW Froehlich und Vorstandsvorsitzender der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Leinfelden-Echterdingen (IWV). Darin sind rund 60 Unternehmen versammelt. Am Donnerstag traf er sich mit Franziska Brantner, um über das Thema zu reden. Die grüne Bundestagsabgeordnete ist europapolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „Mittlerweile wäre jede Entscheidung besser als gar keine Entscheidung“, sagt Ludin. „Wir brauchen endlich Klarheit“, betont auch Brantner. Sie könne nicht nachvollziehen, warum die britischen Abgeordneten keiner Austrittsvariante zugestimmt hätten. „Dabei hat die EU ihnen so viele Zugeständnisse gemacht.“ Daniel Ludin ergänzt: „Es ist wichtig, nicht nur an die großen Firmen zu denken. In der politischen Wahrnehmung ist der Mittelstand oft nicht da.“

Wie sieht das konkret bei den Betrieben aus?

Man könne nichts planen, weil man nicht wisse, welche Richtlinien es einzuhalten gelte, so Ludin.„Der Nebel des Brexit legt sich lähmend auf die Wirtschaft.“ Beispielsweise gebe es in der IWV Medizintechnikbetriebe, die nach dem Brexit vermutlich keine Zulassung mehr haben werden. „Denen bricht der Markt weg.“ Auch das Thema Zölle sei wichtig. „Für Konzerne, die bereits global agieren, ist das kein Problem. Aber viele kleine Betriebe wissen nicht, was sie tun müssen: Welche neuen Formulare brauche ich, wie funktioniert der Versand?“ Das nötige Wissen könne man sich aber erst aneignen, wenn politische Entscheidungen getroffen worden sind, so Ludin.

Auch aus der eigenen Firma macht Ludin ein Beispiel: JW Froehlich hat nämlich auch einen Standort in Laindon, östlich von London gelegen. „Wenn wir hier in L.-E. einen Engpass haben, dann kommen fünf unserer dortigen Mitarbeiter und helfen eine Weile aus“, erklärt Ludin. Nach dem Brexit sei das nicht mehr so einfach möglich: „Dann braucht es Arbeitserlaubnisse, Visa, eine längerfristige Planung solcher Reisen.“ Spontan auf den Markt zu reagieren, sei dann unmöglich.

Was können die Betriebe vor Ort tun?

Sobald es endlich eine Entscheidung bezüglich der Austrittskonditionen gebe, müsse man zügig loslegen, sagt Franziska Brantner. „Die Übergangszeit ist schnell vorbei.“ Es gebe Notfallklauseln für den Fall, dass Großbritannien ohne Abkommen austritt, beispielsweise eine dreimonatige Frist für Briten, die in Deutschland arbeiten. „Am Zoll wird es aber definitiv Staus geben“, auf diese Verzögerungen müssten die Firmen sich einstellen.

Daniel Ludin empfiehlt den Betrieben, sich mit anderen Betrieben zusammen zu tun, oder sich in Netzwerken zusammenzuschließen, beispielsweise eben in der IWV oder der Handelskammer. „Sich gegenseitig auszuhelfen und dann proaktiv voranzugehen, das muss der Weg sein.“