Unternehmen im Kreis Böblingen Die Auftragslage wird dünner

Noch ist die Lage gut: Produktion im Daimler-Werk Sindelfingen. Foto: dpa
Noch ist die Lage gut: Produktion im Daimler-Werk Sindelfingen. Foto: dpa

Die Stimmung unter den Unternehmen im Kreis Böblingen ist laut einer Umfrage noch gut, aber sie werden vorsichtiger. Die Arbeitslosenquote hat einen Tiefstand erreicht.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Böblingen - Zum vierten Mal nacheinander melden die Betriebe im Kreis Böblingen einen Rückgang bei den Aufträgen. Für die Böblinger Bezirkskammer der Industrie- und Handelskammer stehen die Zeichen auf Abschwung: „Die Unternehmen sehen sich mit immer mehr konjunkturellen Risiken konfrontiert“, schreibt Tilo Ambacher in seinem aktuellen Bericht zur Wirtschaftslage. Schuld daran seien der drohende harte Brexit, die von den USA ausgehenden Handelskonflikte und die in Folge schwächelnde Weltwirtschaft. Aber es gibt auch gute Nachrichten: „Angesichts dieses eher negativen Umfeld ist es umso erstaunlicher und zugleich erfreulich, dass die Wirtschaft einen starken Jahresauftakt hingelegt hat“, meldet der Volkswirt.

In der Umfrage der Bezirkskammer meldeten 67 Prozent der Unternehmen eine gute wirtschaftliche Lage, nur fünf Prozent sind damit unzufrieden. Von den Industrieunternehmen sind sogar drei Viertel sehr zufrieden – trotz rückläufiger Auftragslage. Aber Tilo Ambacher warnt davor, dass das konjunkturelle Fundament schwächer wird und „durchaus die Gefahr einer Trendumkehr besteht“. Die Firmen seien deshalb in ihren Erwartungen zurückhaltender geworden. „Zwar greift noch kein allgemeiner Pessimismus um sich“, die Unternehmen würden allerdings vorsichtiger und warteten die weitere Entwicklung ab, meint der stellvertretende Geschäftsführer der Bezirkskammer.

Leichter Rückgang bei der Auftragslage

Mit 2,7 Prozent ist zwar der niedrigste Stand der Arbeitslosenquote im Monat März seit 27 Jahren erreicht worden. Im Kreis Böblingen waren noch 5939 Menschen ohne Job, ihre Zahl sank um 78 Männer und Frauen gegenüber dem Vormonat. Aber auch nach Ansicht von Susanne Koch mehren sich die Anzeichen „für eine deutliche Abschwächung der positiven Entwicklung und eine zunehmende Unsicherheit“. Die Leiterin der Stuttgarter Agentur für Arbeit weist ebenfalls auf den leichte Rückgang bei der Auftragslage sowie auf einen Anstieg der Beratungen zum Thema Kurzarbeit hin. Verhaltener falle außerdem die Zahl der von den Arbeitgebern neu gemeldeten Stellen aus – mit 1068 sind es sind 79 weniger als im Februar, aber 126 mehr als im März 2018. Auch der Anteil der sofort zu besetzenden Stellen nehme ab, die Unternehmen würden diese Entscheidungen in die Zukunft verschieben.

In der Industrie sehen fast 20 Prozent eine wirtschaftliche Verschlechterung in den kommenden Monaten auf sich zukommen. Gegenüber der IHK-Umfrage im Herbst hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Obwohl sich die Umsätze gegenüber dem vergangenen Herbst noch einmal verbessert hätten und die Ertragslage mehrheitlich als gut angegeben werde, will bei den Industriebetrieben keine euphorische Stimmung aufkommen: Für knapp 52 Prozent der Befragten ist die Nachfrage auf den heimischen Märkten zum Konjunkturrisiko Nummer eins geworden – vor den internationalen Problemen und dem Fachkräftemangel und die damit einhergehenden hohen Arbeitskosten.

Nachlassende Kauffreude

Im Handel sieht gleichermaßen ein Fünftel der Betriebe pessimistisch in die Zukunft. Die Groß- und Einzelhändler spüren eine nachlassende Kauffreude. Bei den Dienstleistern stagniert auch die Auftragslage. Zwar würden sich die Firmen noch immer auf einem hohen Niveau bewegen. „Die Dynamik hat allerdings spürbar nachgelassen“, schreibt Tilo Ambacher. Wie im Handel bereitet der Fachkräftemangel den Dienstleistern große Sorgen. Er steht auf Platz eins der Konjunkturrisiken – nach der Nachfrageentwicklung. Die Baubranche hat dagegen keinerlei Probleme: Die Nachfrage ist weiterhin groß und die Finanzierungsbedingungen bleiben günstig.




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