Leinfelden-Echterdingen steckt in der Klemme: Die Stadt würde Start-ups und Zukunftsunternehmen Flächen anbieten, doch es fehlt an Optionen. Was man sich deshalb in der Kommune überlegt.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Ohne die Firmen und Betriebe wäre das Minus in der Stadtkasse wesentlich höher. Die Gewerbesteuer habe dazu beigetragen, dass die Stadt Leinfelden-Echterdingen aktuell vergleichsweise gut da stehe. Das sei allerdings auch dadurch bedingt, dass die Stadt viele Projekte nicht habe umsetzen können, aufgrund von Personalmangel. Das alles erklärte der Oberbürgermeister Roland Klenk diese Woche beim Dialog mit Unternehmerinnen und Unternehmern in der Stadt.

Aus der wichtigen Stellung der Unternehmen heute leitet Klenk ab, dass die Kommune auf diese Einnahmequelle in Zukunft noch mehr angewiesen sein wird. Und ändere sich hier nichts an den Bedingungen, „ist der Marsch in die Schulden unausweichlich“. Denn: Sei es Corona, seien es die Flüchtlingsströme, Schulsanierungen, aber mehr und mehr auch der Klimaschutz – Kommunen stehen vor Ausgabenbergen. Für Unternehmen, die sich für den Standort interessieren, habe die Stadt derzeit jedoch nichts im Angebot, man müsse anfragende Start-ups abweisen, so Klenk. Doch ist das mit Gewerbegebiete heutzutage nicht mehr so wie vor vielleicht 20, 30 Jahren, wo man einfach in die Fläche gegangen ist. Die Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit, aber auch die Zukunftstrends bei der Mobilität und in der Arbeitswelt stellen neue Anforderungen an diese Quartiere.

Auf diese Gebiete wurde gezoomt

Beim Unternehmerdialog wurde in diesem Zusammenhang auf drei Gebiete herangezoomt: das innovative Konzept für die Rötlesäcker, Echterdingen-Nord und Leinfelden-West, wobei Letzteres nur am Rande Thema war.

Passenderweise waren die Unternehmer auf Einladung der Stadtverwaltung in Bertha’s Place zusammengekommen, im Echterdinger Norden. Dabei handelt es sich um einen Veranstaltungsort, eine Business-Event-Location. Das ganze Areal ist in jüngerer Zeit umgestaltet worden, wer sich auf dem Bürocampus Vision One bewegt, taucht ein in eine futuristische Welt aus modernen Häuserschluchten.

Der Professor Alfred Ruther-Mehlis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung, kennt sich in dem Gebiet im Norden von Echterdingen bestens aus. Der Auftrag ist, das Gewerbegebiet bestmöglich auszunutzen und zukunftsfit zu machen. „Es geht um Neues im Bestand“, sagte er. Großes Potenzial sieht er in den reichlich vorhandenen ebenerdigen Parkplätzen, insgesamt seien das etwa 2,8 Hektar. Für diese Lage, so nah am Flughafen und an der Landeshauptstadt, mit sehr guter ÖPNV-und Straßenanbindung, sei das eigentlich nicht haltbar. Es gebe im Gebiet, das so groß sei wie 30 Sportplätze, aber auch Leerstand und Fehlnutzungen. „Es ist sinnvoll darüber nachzudenken: Geht da mehr?“, sagte Alfred Ruther-Mehlis.

Viel Beton, wenig Grün

So futuristisch das Areal rund um Bertha’s Place – direkt rechts an der Stadteinfahrt von der B27 aus her kommend – anmutet, Alfred Ruther-Mehlis sieht hier mit Blick auf den Klimawandel durchaus auch Handlungsbedarf. Viel Beton, wenig Grün. Nicht nur dass sich Beschäftigte in Gewerbegebieten für ihre Pause lauschige Eckchen in Laufnähe wünschen, wie Befragungen zeigen, auch gegen die zunehmende Hitze, zur Kühlung, helfen Bäume und sonstiges Grün. Hier werde man in einigen Gebieten in Deutschland „nacharbeiten“ müssen, meinte er. Hier werde es schließlich auch um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter gehen.

Die Themen der Zukunft sollten heute bei Planungen unbedingt mitgedacht werden, bekräftigte Steffen Braun, Direktor Stadtsystem-Gestaltung am Fraunhofer IAO in Stuttgart. Er meint damit auch die Rötlesäcker. Der Wunsch, von dem noch nicht ganz klar ist, ob es doch ein Wunschtraum bleibt: ein innovatives Gebiet, in dem Menschen leben und arbeiten. Dafür müsste hier zum Teil Fläche neu versiegelt werden. Doch wenn, dann eben unbedingt die Trends der nächsten Jahre und Jahrzehnte im Blick behalten, so Steffen Braun. Als Beispiele für innovative Quartiere – mehr und weniger weit gediehen – nannte er Toyota Woven City in Japan, aber auch das Werksviertel-Mitte in München. „Das ist eines der spannendsten Projekte aktuell in Deutschland.“