Unterrichtsausfall an Schulen Land will mehr Gymnasiallehrer in Grundschulen

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Ein erster Aufruf hat nicht viel gefruchtet. Jetzt lockert die Kultusministerin die Voraussetzungen für den Einsatz. Lehrerverbände und die Opposition bangen nun um die Qualität der Grundschulen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann will Unterrichtslücken an den Grundschulen schließen. Foto: dpa
Kultusministerin Susanne Eisenmann will Unterrichtslücken an den Grundschulen schließen. Foto: dpa

Stuttgart - Noch haben die Unterrichtsausfälle in diesem Schuljahr ihren Höhepunkt vermutlich nicht erreicht, weil noch Grippewellen kommen werden. Doch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) baut bereits für das kommende Schuljahr vor. An den Grundschulen drohen erneut Lücken. Schon dieses Jahr konnten nicht alle Stellen besetzt werden. Im neuen Schuljahr werden dem Ministerium zufolge 1600 Stellen an Grundschulen frei, aber es gebe nur 1100 Bewerber mit der Lehrbefähigung für die Grundschule. Jetzt hofft Eisenmann, die Lücke mit Gymnasiallehrern schließen zu können. Die haben, anders als Grundschullehrer, schlechte Chancen, eine Stelle zu bekommen, besonders wenn sie nicht Mathematik oder Naturwissenschaften studiert haben.

Brief an 4000 mögliche Bewerber

Ein erster Vorstoß, Gymnasiallehrer für die Grundschule zu gewinnen, war im vergangenen Sommer nicht sehr erfolgreich. Zwar habe es 200 Interessenten gegeben, aber nur 30 Gymnasiallehrer nehmen in diesem Schuljahr tatsächlich an dem Programm teil. Jetzt legt Eisenmann nach. Erstens beginnt sie früher mit der Werbung. An 4000 Menschen mit Lehrbefähigung für das Gymnasium, seien es Referendare kurz vor dem Abschluss oder Altbewerber, schreibt die Ministerin jetzt einen Brief und wirbt für die Arbeit in der Grundschule.

Auch das Programm hat sie modifiziert. Die Teilnehmer müssen begleitend zu ihrer Arbeit in der Grundschule eine Qualifizierung für die spezielle Pädagogik an den Grundschulen durchlaufen. Diese wird jetzt aber von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Das gilt rückwirkend auch für die 30 Gymnasiallehrer, die jetzt im Programm sind. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmer eine Zusage, dass sie später als Beamte am Gymnasium übernommen werden. Statt zwei Studienfächern, die für Grundschulen relevant sind, reicht jetzt eines. Wer ganz andere Fächer studiert hat (etwa Latein und Spanisch), kann auch in das Programm aufgenommen werden, wenn er ein Jahr als Vertretung an einer Grundschule gearbeitet hat.

Opposition kritisiert Notlösung

Die Lehrerverbände und verschiedene Oppositionsparteien im Landtag sprechen von einer Notlösung. Dass die Qualifizierung nun um die Hälfte gekürzt werde, bezeichnet Daniel Born (SPD) als Ausdruck mangelnder Anerkennung für die Arbeit an Grundschulen. „Kultusministerin Eisenmann schmeißt jeglichen Qualitätsanspruch über Bord“, kritisiert der Abgeordnete. An der Qualifizierung zu sparen, bedeute einen Bärendienst für die Grundschulen, meint auch Timm Kern (FDP).

Die Lehrerverbände GEW und VBE lehnen die Halbierung der Qualifizierung ebenfalls ab. Um dem Lehrermangel an Grundschulen langfristig zu begegnen, fordern sie, die Bezahlung der Grundschullehrer auf das Niveau der anderen Lehrer anzuheben und mehr Studienplätze einzurichten. Der Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, begrüßt das Programm als zusätzliche Berufsperspektive für junge Gymnasiallehrer.