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Das ist nicht selbstverständlich, denn am 1. Februar 2017 hätte die Lehrerin eigentlich ihre Pension antreten sollen. Trotzdem steht sie weiterhin an zwei Tagen pro Woche vor ihrer Klasse und bringt den Schülerinnen Deutsch bei. Laut dem Regierungspräsidium Stuttgart ist Weippert eine von 513 pensionierten Lehrkräften an baden-württembergischen Schulen, die die Unterrichtsversorgung im Umfang von 161 Lehrerstellen stärken. „Meine Schülerinnen finden gut, dass ich immer noch unterrichte“, sagt Weippert und ergänzt: „Manchmal sage ich zu ihnen, ihr wisst ja, ich könnte jetzt auch im Café sitzen und meinen Ruhestand genießen, da ist das Gelächter in der Klasse immer groß.“
Keine Deutschlehrer für die 5. Klasse
Einige Wochen vor ihrer offiziellen Pensionierung hätte die Rektorin der Schloss-Realschule zu ihr gesagt, es gäbe für nächstes Schuljahr einfach keine Deutschlehrer für die 5. Klasse, ob sie nicht noch ein Jahr länger unterrichten könne, erinnert sich die Lehrerin. Die Eltern der Kinder wären wirklich dankbar gewesen, dass sie damals eingesprungen sei, so die Deutschlehrerin.
Gleich zu Anfang der Sommerferien im vergangenen Jahr habe das Schulamt sie wieder kontaktiert, berichtet Weippert. „Die zuständige Schulrätin sagte mir, es gäbe wieder keinen Deutschlehrer für meine ehemalige 5. Klasse und fragte mich, ob ich nicht noch mal ein Jahr unterrichten könne. Die Situation am Lehrermarkt hat sich also in diesem einen Jahr überhaupt nicht verändert.“ Das Kultusministerium hatte 2015 damit begonnen, Briefe an Pensionäre und kurz vor der Pensionierung stehende Lehrkräfte zu verschicken, um den Bedarf an den Schulen in Baden-Württemberg zu decken. Seitdem gebe es jedes Jahr im April, also kurz vor Schuljahresende, einen Aufruf, der sich an eben diese Gruppe richtet, um weitere Lehrer zu mobilisieren, so ein Ministeriumssprecher.
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Inzwischen fühlt sich Renate Weippert mit ihren zwei halben Arbeitstagen pro Woche so wohl, dass die eigentlich schon pensionierte Lehrerin anfang dieses Jahres von sich aus anbot, wieder ein Jahr lang den Deutschunterricht zu übernehmen. „Ich könnte gar nicht ohne Schule sein, habe ich jetzt gemerkt. Bei mir muss immer irgendetwas los sein, sei es privat oder beruflich, sonst langweile ich mich schnell“, erzählt sie und lacht.
Der Lehrerberuf im Wandel
Mit ihrer langjährigen Erfahrung als Lehrerin betrachtet Weippert die Veränderung in ihrem Berufsfeld mit Sorge. „Die Belastung hat über die Jahre hinweg merklich zugenommen“, sagt sie. Die Deputate, also die Pflichtstunden jeder Lehrkraft, die pro Woche gehalten werden müssen, seien mit 27 Stunden für eine Vollzeitstelle einfach zu hoch, meint Weippert. Die Stundenanzahl würde auf den ersten Blick zwar gering wirken, zu der reinen Unterrichtszeit kämen aber noch die Vor- und Nachbereitung der Schulstunden, das Erstellen und Korrigieren von Klassenarbeiten, Konferenzen, Klassenfahrten, sowie Eltern- und Schülergespräche hinzu.
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Auch der Respekt der Schüler gegenüber den Lehrern habe im Vergleich zu früheren Zeiten abgenommen, sagt die Deutschlehrerin. „Dass sich Schüler manchmal respektlos zeigen, kommt schon häufiger vor. Da haben wir an unserer Mädchenschule aber auch einfach unheimliches Glück, unsere Schülerinnen sind da nicht so extrem. Das ist wirklich toll,“ freut sich Weippert.
Sie gibt ihre Erfahrung weiter und lernt gleichtzeitig von der Junglehrerin
Eine Sache empfindet Renate Weippert als besonders wertvoll – den Synergieeffekt in ihrer Zusammenarbeit mit jungen Kolleginnen und Kollegen. „Ich arbeite sehr eng mit einer Kollegin zusammen, die frisch aus der Ausbildung kommt“, berichtet die Lehrerin. Durch diese lerne sie neue Methoden kennen, gleichzeitig profitiere die Junglehrerin von ihrem Erfahrungsschatz. „Ich glaube, für die Jüngeren ist es wichtig, sich an den erfahreneren Lehrern zu orientieren“, sagt sie. „Wie benote ich die Schüler gerecht, oder wie gehe ich mit Problemen innerhalb des Klassenverbandes um, solche Dinge kommen erst mit der Zeit“, erläutert Renate Weippert.
Wenn sie heute noch einmal Lehramt studieren müsste, würde sich die Pädagogin für ein Mangelfach entscheiden. „Heutzutage muss man sich nach dem aktuellen Bedarf richten, ich konnte damals noch nach meinen Neigungen studieren“, sagt die 63-Jährige.