ExklusivUnterrichtsausfall in Stuttgart Wer Zahlen wissen will, stößt auf Widerstände

Nicht alle Stuttgarter Schulen wollten sich an unserer Erhebung beteiligen. Foto: dpa
Nicht alle Stuttgarter Schulen wollten sich an unserer Erhebung beteiligen. Foto: dpa

Unsere Redaktion hat Daten zum Unterrichtsausfall in Stuttgart erhoben – und ist dabei auf unerwartete Ablehung in den Verwaltungen gestoßen. So wie zuvor schon Elternvertreter.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Wie viel Unterricht fällt an Stuttgarter Schulen aus? Das wollte unsere Redaktion mit einer Umfrage herausfinden. Ergebnis: Jede zehnte Stunde findet nicht wie geplant statt, mit großen Unterschieden zwischen den Schularten und den Schulwochen. Wir sind dabei auf viele Widerstände gestoßen.

Lesen Sie hier: Wieviel Unterricht fällt in Baden-Württemberg wirklich aus?

Für unsere Umfrage haben wir Mitte Mai alle weiterführenden Stuttgarter Schulen angeschrieben mit der Bitte, uns für drei Wochen im Schuljahr 2017/18 anzugeben, wie viele Unterrichtsstunden nicht wie geplant stattfanden und was stattdessen passierte – ersatzloser Ausfall, Vertretung oder Aufsicht. Der Redaktion war bewusst, dass Elternvertreter mit einer ähnlichen Erhebung auf erhebliche Vorbehalte der Schulverwaltung gestoßen waren. Jedoch müssen die Schulen Ausfall ohnehin dokumentieren, zudem gilt gegenüber der Presse die Auskunftspflicht.

Die Serie zum Thema „Unterrichtsausfall“ im Überblick

Viele Schulen sind mit der Anfrage überfordert

Bis Ende Juli, also zweieinhalb Monate nach dem ersten Anschreiben, hatten 31 von 129 weiterführenden Stuttgarter Schulen an der Erhebung teilgenommen. Das liegt über der Quote von 15 Prozent, die das Kultusministerium für seine seit dem Jahr 2000 durchgeführten Stichproben als ausreichend betrachtet. Auch für die einzelnen Schularten liegt die Teilnahmequote durchweg höher als 15 Prozent – mit einer Ausnahme: Nur eines von 26 Stuttgarter Gymnasien hat an der Erhebung teilgenommen. In ihrer Ablehnung bezogen sich die Schulleiter auf eine Mitteilung des Geschäftsführenden Schulleiters Holger zur Hausen, laut der eine Teilnahme „über die Maßen eines angemessenen Aufwandes hinausgehen würde“.

Lesen Sie hier, wie Kutusministerin Eisenmann das Problem mit dem Unterrichtsfall lösen will.

Obwohl mit dem Gymnasium eine wichtige Schulart fehlt, berichten wir über die Ergebnisse unserer Erhebung – weil das Kultusministerium seine Zahlen zum Teil nicht herausgibt und wir erstaunliche Antworten von den angeschriebenen Schulen erhielten. Wir hatten beim Ministerium erfragt, wie viel Unterricht an Stuttgarter Gymnasien ausfällt. Von sich aus hatte das Haus von Susanne Eisenmann (CDU) nur Werte für die Regierungsbezirke veröffentlicht. Das Ministerium argumentierte, es müsse sicherstellen, dass kein Schul-Ranking möglich werde. Dabei hatten wir nach Durchschnittswerten für alle 26 Stuttgarter Gymnasien gefragt. Darauf erklärte ein Sprecher ohne weitere Begründung, man gebe die Zahlen nicht heraus.

Auch etliche Schulen hielten sich bedeckt. Das häufigste Argument: zu wenig Zeit, zu viel Aufwand. In den Antwortschreiben fallen Begriffe wie „Arbeitsüberlastung“, „bis an die Belastungsgrenze“, „Versorgungsdefizit“ und „erhebliche Verdichtung der Arbeit“: Schulen hätten zu viel zu tun, um ihre Unterrichtsversorgung zu erheben. Einige Antworten verweisen auf die besagte Erhebung des Ministeriums, andere auf eine Aussage des Regierungspräsidiums, Schulen müssten solche Anfragen nicht beantworten.

NRW zeigt, wie es gehen kann

Der Geschäftsführende Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien, Holger zur Hausen, sagte im Auftrag aller von ihm vertretenen Schulen ab: Jede erfasse ausgefallenen Unterricht auf ihre Weise, außerdem müssten die Rektorate die Zahlen händisch auswerten. „Unseren durch das Schulgesetz vorgeschriebenen Pflichten kommen wir natürlich nach, indem den Eltern und Schüler/-innen der an der jeweiligen Schule praktizierte Umgang mit den Regelungen im Falle von Unterrichtsausfällen transparent und nachvollziehbar gemacht wird“, so zur Hausen.

Nordrhein-Westfalen macht derweil vor, wie es gehen könnte. Das dortige Kultusministerium stellt dieses Schuljahr erstmals die nötige Technik und zusätzliche Stellen bereit, um wöchentlich detaillierte Statistiken aus allen öffentlichen Schulen zu erhalten.




Unsere Empfehlung für Sie