Unterrichtsstruktur in der Kritik Schüler wollen klare Ansagen

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Was habe ich heute gelernt? Diese Frage können Schüler nach eigenen Angaben zurzeit nicht sicher beantworten. Das soll anders werden, verlangt der Landeschülerbeirat.

Schüler wollen wissen, was sie eigentlich lernen sollen. Foto: dpa
Schüler wollen wissen, was sie eigentlich lernen sollen. Foto: dpa

Stuttgart - Leistung muss an den Schulen wieder mehr Gewicht bekommen und die Qualität muss besser werden, sagt die ­Kultusministerin, und die Schüler scheinen damit kein Problem zu haben. Der Leistungsgedanke sei in der Vergangenheit schon etwas in den Hintergrund geraten, räumen beispielsweise die Spitzenvertreter des Landesschülerbeirats (LSBR) ein.

Schüler wollen etwas leisten, und sie wollen wissen, was sie gelernt haben. „Was bringt es, 45 Minuten Vokabeln an die Wände zu kleben, wenn der Schüler anschließend aus dem Unterricht geht und nicht weiß, was er damit anfangen soll“, fragt Joachim Straub, der Vorsitzende des LSBR.

Klare Lernziele formulieren

Die Schülervertreter loben zwar die modernen Unterrichtsmethoden, doch über der Pädagogik werde zu oft die Ergebnissicherung vergessen, klagen sie und erwarten klare Unterrichtsstrukturen. „Lehrer müssen die Lernziele klar erkennbar machen“, verlangt etwa Florian Kieser vom Vorstand des LSBR. Allzu oft wüssten Schüler zurzeit nicht einmal, ob das, was sie sich in der Schulstunde erarbeitet hätten, überhaupt richtig sei. Der LSBR ruft dazu auf, „dem Qualitätsverfall an Gymnasien entgegenzuwirken“, und fordert zusätzliche Vertiefungsstunden für die Fächer, die im Abitur geprüft werden.

Flut von Klassenarbeiten

Bei aller Leistungsorientierung klagen die Schüler aber über die Häufung von Klassenarbeiten zu bestimmten Zeiten. Maximal drei Klausuren pro Woche und höchstens einen Test pro Tag halten sie für vertretbar, auch fordern sie in ihrem neuen Grundsatzprogramm verbindliche Klausurenpläne für alle Jahrgangsstufen.

Ganz auf der Linie der Kultusminister und der Landesregierung sind die Schülervertreter mit ihrer Forderung nach besserer digitaler Ausstattung der Klassenzimmer. „Wenn zwei Lehrer in ihren Klassen einen Youtube-Film anschauen wollen, bricht das Netz zusammen“, auch Tageslichtprojektoren seien noch im Einsatz, berichten die Schüler aus ihrem Alltag. Bessere Vernetzung der Schulhäuser, entsprechende Lehrerausbildung und mehr Gewicht auf der Medienbildung, lauten ihre Forderungen.

Zu viel Mintfächer

Doch die Technikbegeisterung des LSBR hat Grenzen. Die Vorstandsmitglieder beklagen an den Gymnasien „ein Ungleichgewicht der Fächer“. Die Gesellschaftswissenschaften geraten nach Ansicht der Schülervertreter gegenüber dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Mint-Bereich ins Hintertreffen. Besonders für Gemeinschaftskunde macht sich der LSBR stark und fordert „an allen Schulen mehr Gemeinschaftskundeunterricht“. Außerdem wollen die Schüler die Demokratieerziehung als Leitperspektive den Bildungsplänen für die beruflichen Schulen verankert wissen, die zurzeit erarbeitet werden. In die Bildungspläne für die allgemeinbildenden Schulen ist diese Leitperspektive nicht eingeflossen. „Es reicht nicht, wenn die Politik immer sagt, wie wichtig die Demokratieerziehung ist“, kritisiert Florian Kieser aus dem LSBR-Vorstand.

Zu wenig Engagement

Auch die SMV, die Schülermitverantwortung, will der Landesschülerbeirat stärken. Mit dem Engagement der Schüler hapert es nach Einschätzung ihrer Vertreter. „Es gibt große Probleme beim Nachwuchs in der SMV“, klagt Kieser. Er führt das zum einen darauf zurück, dass das ehrenamtliche Engagement an den Schulen nicht genügend Wertschätzung erfahre. Vielmehr könne häufiges Fehlen wegen des Engagements sogar zu Nachteilen führen. Die ehrenamtlichen Schülervertreter setzen vor allem auf die Unterstützung ihrer Verbindungslehrer, die ihnen bei den Wahlen zur SMV und Ähnlichem helfen. Doch auch die Verbindungslehrer würden weniger, weil sie für die Arbeit keine Entlastung erhielten. Die Schüler wünschen sich, dass ihre Verbindungslehrer eine Stunde weniger unterrichten müssen und ihr Einsatz behandelt werde wie das Engagement im Personalrat.

Der Landesschülerbeirat versteht sich als Vertretung der 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg. Er ist ein Beratungsorgan des Kultusministeriums.

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