Die Situation an den Schulen im Landkreis ist dramatisch – das sagt zumindest der Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, Jörg Hofrichter. Größte Probleme bereitet weiterhin die Personalsituation, und diese wird nicht besser. „Trotz einer Vielzahl von Krankheitsstellvertretungen gelingt es nicht, die großen Personallücken zufriedenstellend zu schließen“, berichtet der Behördenchef. Somit droht Unterrichtsausfall: „Die Personalausstattung der meisten Schulen ist deshalb sehr knapp und an einigen Standorten nicht mehr ausreichend für die Abdeckung des Pflichtbereichs bemessen.“
Das Amt ist für alle Schulen außer Gymnasien zuständig und betreut die Landkreise Göppingen, Ostalb und Heidenheim. „Äußerst angespannt“ ist laut Hofrichter die Lage an den Grundschulen. Hier hat er drei Regionen ausgemacht, wo es große Probleme geben wird: „Es bleibt zu befürchten, dass einige Grundschulen in den Raumschaften Göppingen, Geislingen und Schwäbisch Gmünd nicht genügend Klassenlehrkräfte haben.“ Die Arbeitsfähigkeit sei deutlich gefährdet, Klassen würden schon zu Schuljahresbeginn zusammengelegt werden müssen und Eingriffe in die Stundenpläne seien „unumgänglich“. Hofrichter bedauert: „Viele ausgeschriebene Stellen konnten vor allem im Landkreis Göppingen nicht besetzt werden. Viele Grundschulen können ihren Direktbereich nur über befristete Verträge abdecken.“
Lage ist laut Schulamtschef noch schlimmer geworden
Mit einer Pressemitteilung hat sich das Schulamt am Donnerstag an die Medien und die Öffentlichkeit gewandt, Hofrichter beschreibt darin auf acht Seiten ausführlich die brisante Lage. Besonders auffällig: Die Mitteilungen in den vergangenen Jahren klangen sehr ähnlich, waren teilweise wortgleich. Glaubt man dem Schulamtschef, hat sich an der Lage also nichts geändert, es ist eher noch etwas schlimmer geworden.
Zusätzlich zu den bereits bestehenden Schwierigkeiten kommt jetzt noch ein anderes Problem hinzu, darauf verwies Kultusministerin Theresa Schopper am Donnerstag in Stuttgart. Sie rechnet unter anderem mit mehr als den bislang erwarteten rund 30 000 geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die an unsere Schulen kommen, noch einmal deutlich zunehmen wird“, sagte die Grünen-Ministerin. Außerdem kämen junge Flüchtlinge aus anderen Ländern hinzu. Doch wie viele Kinder am Montag unangemeldet vor den Schultoren stehen, kann niemand vorhersagen.
180 neue Lehrkräfte wurden eingestellt
Auch Schulamtsleiter Hofrichter weiß es nicht: „Das können wir tatsächlich noch nicht beziffern, weil hier viel an der Anschlussunterbringung, ausgehend von der Landeserstaufnahmestelle Ellwangen oder anderen Erstaufnahmestellen abhängt, von der Frage, ob die Eltern sofort an eine Schulanmeldung denken oder erst einmal ankommen müssen, ob sie vor Ort bleiben oder in einigen Wochen zu Bekannten oder Verwandten in andere Landesteile ziehen und so weiter.“ In dieser Woche könne ohnehin nichts unternommen werden: „Wir müssen hier ab Montag in enger Abstimmung zwischen den Schulämtern, den Meldebehörden und Bürgermeisterämtern sowie vor allem den Schulleitungen arbeiten. Wir haben zwar schon vereinzelt Zahlen, aber die Entwicklung ist sehr dynamisch“, meint Hofrichter.
Also wartet auf alle Beteiligten nach den Ferien viel Arbeit. „Die Herausforderung für das Schulamt besteht auch noch am Schuljahresbeginn darin, die Unterrichtsversorgung in den Prüfungsfächern, Mangelfächern und in bestimmten Regionen sicherzustellen“, bekräftigt der Amtsleiter. Immerhin habe das Schulamt bislang 180 neue Lehrkräfte eingestellt.
Zahlen und Fakten
Lehrer
Insgesamt wurden im Kreis Göppingen 76 neue Lehrkräfte eingestellt: 20 in Grund- und Hauptschulen, jeweils elf in Real- und Gemeinschaftsschulen, 15 in Förderschulen sowie 19 in Privatschulen. Gymnasien sind hier nicht berücksichtigt, sie fallen nicht in die Zuständigkeit des Schulamts.
Schüler
Mit 2279 Erstklässlern rechnet das Schulamt in diesem Jahr, das wären 42 mehr als im Vorjahr. 1310 Schüler wechseln in die fünfte Klasse (ohne Gymnasien), ein Rückgang um 55.