Unterrichtsversorgung im Südwesten Grundschulen fehlen die Lehrer

Von  

Gewerkschafter fordern mit Blick auf die fehlenden Lehrer im Bund und im Südwesten mehr Studienplätze und werfen der Politik schlechte Planung vor. Eine Garantie auf Ganztagsgrundschule halten Wissenschaftler für Betrug am Wähler.

Grundschüler kommen immer mehr in die Schule, aber an neuen Lehrern fehlt es. Foto: dpa
Grundschüler kommen immer mehr in die Schule, aber an neuen Lehrern fehlt es. Foto: dpa

Stuttgart - An den Grundschulen in Deutschland ist der Lehrermangel gravierender als bisher angenommen. Das geht aus einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hervor. Danach fehlen deutschlandweit rund 2000 Grundschullehrer. Um die Unterrichtsversorgung zu sichern, seien mehrere tausend Quereinsteiger eingestellt worden. Marlies Tepe, die GEW-Bundesvorsitzende, sprach von einem Drama, das zu Lasten der Schüler und der vorhandenen Lehrer gehe. Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands sagte: „Das ist natürlich eine skandalöse Entwicklung.“ In Berlin und in Sachsen seien die Hälfte der neu in den Schuldienst an Grundschulen eingestellten Personen keine ausgebildeten Lehrer.

Mehr als 500 Stellen im Südwesten offen

In Baden-Württemberg wurden nach Angaben des GEW-Landesverbands im aktuellen Schuljahr von 1580 offenen Stellen an Grundschulen nur 1050 Stellen besetzt. Ursache für die bundesweite Misere sind nach Ansicht von Experten schlechte Planungen der Kultusminister. Trotz steigender Geburtenraten seien zu wenig Lehrer ausgebildet worden. Die aktuell ausgebildeten Lehrer reichen kaum aus, um die Lücken zu schließen, die durch Pensionierungen entstehen. In Baden-Württemberg ist die Lücke in diesem Jahr besonders groß. Das Studium der Grundschullehrer wurde auf acht Semester verlängert. Die Umstellung kommt jetzt zum Tragen. Deshalb gab es laut Kultusministerium für das aktuelle Schuljahr praktisch keine Absolventen.

Wie die GEW-Bundesvorsitzende Tepe verlangt auch Doro Moritz, die Chefin der baden-württembergischen GEW zusätzliche Studienplätze für Grundschullehrer. Erste Reaktionen aus dem Kultusministerium auf den Lehrermangel gibt es bereits. In diesem Jahr sollen an den sechs Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs 200 zusätzliche Studienanfängerplätze im Grundschullehramt eingerichtet werden.

Höhere Gehälter verlangt

Weiter fordert die GEW im Südwesten, dass Grundschullehrer besser bezahlt werden. Sie sollten wie die anderen Lehrer in der Gehaltsklasse A13 eingestuft werden. Das wären etwa 400 Euro im Grundgehalt mehr als bisher. Bereits vor knapp einem Jahr hat der Bildungsforscher Klaus Klemm in einer Studie zu Grundschulen im Südwesten festgestellt, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 8000 zusätzliche Lehrerstellen in den Klassen 1 bis 4 gebraucht und viel zu wenig Pädagogen ausgebildet würden. Er geht davon aus, dass bis zum Schuljahr 2030/31 in Baden-Württemberg mit zusätzlichen 44 600 Schülern zu rechnen sei. Allein dafür wären mehr als 2500 neue Stellen notwendig. Klemm hat nun im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine bundesweite Studie erarbeitet.

Ganztagsgarantie nicht zu halten

Angesichts der schlechten Lehrerversorgung hält Jörg Ramseger, Professor für Grundschulpädagogik an der Freien Universität Berlin einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz für unrealistisch. Union und SPD haben in ihren Sondierungsgesprächen vereinbart, zumindest für Grundschulkinder einen Rechtsanspruch zu schaffen. Dazu fehle es am Personal, wendet Ramseger ein. „Es ist bestenfalls ein Selbstbetrug, allemal ein Wählerbetrug“, sagte der Pädagoge.