Unterrichtsversorgung in Stuttgart Das Schuljahr beginnt mit Lehrermangel

Der erste Schultag naht, doch an den Stuttgarter Grundschulen ist die Unterrichtsversorgung in diesem Jahr wieder besonders klamm. Foto: dpa/Armin Weigel

Mit 100 Erstklässlern mehr, aber acht Grundschullehrern und zwei Rektoren zu wenig startet die Landeshauptstadt ins neue Schuljahr. „Beim nächsten Unterrichtsausfall haben wir keine Vertretungskräfte mehr“, sagt Sabine Graf vom Schulamt Stuttgart.

Stuttgart - Mit fast 100 Erstklässlern mehr, aber acht Grundschullehrern und zwei Rektoren zu wenig startet die Landeshauptstadt ins neue Schuljahr. „Beim nächsten Unterrichtsausfall haben wir keine Vertretungskräfte mehr“, sagt Sabine Graf vom Staatlichen Schulamt Stuttgart. Bei einer Pressekonferenz erläuterten sie und ihre Kollegen die Gründe sowie weitere Entwicklungen in der Stuttgarter Bildungslandschaft.

 

Grundschulen

Die Schülerzahl steigt auf 4401 Erstklässler an den städtischen Schulen, doch an acht Grundschulen fehlen noch Lehrer, und für die Falkert- und die Lerchenrainschule wird noch ein Rektor gesucht. „Wir haben zwar eine Krankheitsreserve von 800 Stunden, doch die sind alle verplant“, erklärt Schulamtsleiter Thomas Schenk. Die nächsten Schwangerschaftsausfälle stünden schon fest. Doch der Markt sei leer. Nur noch sechs Gymnasiallehrer (Vorjahr 20) haben sich für die Grundschulen gemeldet. Der Grund: Einige ziehen offenbar den Dienst an Real- oder Gemeinschaftsschulen vor. Außer für Sprachförderung gibt es an den Grundschulen keine Kapazität für Ergänzungsbereiche mehr.

Einschulung

„Wir werden das Einschulungsverfahren deutlich nach vorn ziehen“, sagt Schenk. Erstmals sollen die Eltern der künftigen Erstklässler diese bereits im November an der Grundschule einschreiben. Die Vorteile: So bleibe nicht nur mehr Zeit für die Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen, sondern Schulen, Schulamt und Stadt hätten auch eine größere Planungssicherheit beim Lehrer- und Raumbedarf. Aktuell wurden 660 schulpflichtige Kinder vom Schulbesuch zurückgestellt (Vorjahr 643).

Werkrealschulen

Nur noch 207 Fünftklässler (Vorjahr 227) beginnen in dieser Schulart, verteilt auf nurmehr sieben Standorte. Für einen Verbund dieser Schulart mit der Realschule gebe es aber „keine Entscheidung und auch keine weiteren Planungen“, so Schenk.

Realschulen

In Klasse fünf sanken die Anmeldungen von 1095 auf 1028 Schüler. Doch Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: In den höheren Klassen reicht kaum die Aufnahmekapazität, um die Schulwechsler aus dem Gymnasium aufzufangen. Mit einer Klassengröße von durchschnittlich 27,1 (Klassen fünf bis zehn) hat diese Schulart einen neuen Rekord erreicht. In Degerloch gebe es sogar eine Klasse mit 31 Schülern.

Gemeinschaftsschulen

Auch dort ist die Anmeldezahl der Fünftklässler mit 450 (Vorjahr 457) leicht rückläufig. Doch insgesamt steigt dort die Schülerzahl auf 2563 (Vorjahr 2169). Vier der acht Standorte sind jetzt bis Klasse zehn aufgewachsen. Zudem müssen Schulwechsler aus dem Gymnasium versorgt werden. Auch 16 Studienräte habe man neu eingestellt. Zum kommenden Schuljahr werde die Stadt Stuttgart wohl die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe beantragen, Bürgermeisterin Isabel Fezer brachte bereits den Standort Schickhardtschule ins Gespräch.

Sonderschulen

An den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) gestalte sich die Versorgung mit Lehrern schwierig, trotz 16 Neueinstellungen. „Es gibt nicht genügend ausgebildete Lehrer“, sagt Christof Kuhnle. Inzwischen besuchen nur noch 1616 der 2364 Schüler mit sonderpädagogischem Bildungsanspruch die insgesamt 19 Sonderschulen, davon 557 die elf SBBZ mit Schwerpunkt Lernen. Schenk: „Wir haben definitiv keinen Bedarf mehr für elf Standorte.“ Im Frühjahr will Fezer dem Gemeinderat hierzu einen Vorschlag machen.

Inklusion

Rückläufig ist auch die Zahl der Inklusionskinder an den Regelschulen. 748 Schüler (Vorjahr 831) nutzen diese Möglichkeit an 88 Regelschulen. Aus Kapazitätsgründen könne man jedoch nur noch inklusive Gruppenlösungen einrichten, so Dörte Pelz. 15 Inklusionskinder nehmen den umgekehrten Weg und kehren wieder an die Sonderschule zurück, davon neun mit Förderschwerpunkt Lernen. Kuhnle spricht von einer „Rückbesinnung auf die Qualität der SBBZ“.

Vorbereitungsklassen

Die Zahl der Vorbereitungsklassen für Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse wird um zwölf Klassen auf 68 zurückgefahren – an nunmehr 44 Standorten. Der Anteil der Flüchtlinge sei dabei von 45 auf 37 Prozent gesunken. Im vergangenen Schuljahr besuchten insgesamt 1300 Schüler diese Klassen, im Juli waren es noch 900. Viele Kinder konnten in Regelklassen integriert werden, erhalten dort aber weiter Sprachförderung.

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