Unterschriftenaktion Kampf gegen Prostitution

Leichtes Spiel für Freier bei den sogenannten leichten Mädchen: In Sachen Prostitution geht Deutschland einen zweifelhaften Sonderweg. Foto: dpa
Leichtes Spiel für Freier bei den sogenannten leichten Mädchen: In Sachen Prostitution geht Deutschland einen zweifelhaften Sonderweg. Foto: dpa

Dutzende Prominente schließen sich einem Aufruf von Alice Schwarzer gegen die Ausbeutung von Frauen hierzulande an. Adressaten sind Angela Merkel und der deutsche Bundestag.

Stuttgart - Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft haben einen „Appell gegen Prostitution“ von Frauenrechtlerin Alice Schwarzer unterzeichnet. Adressaten sind Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Bundestag.

Gemeinsam mit den Unterstützern fordert die „Emma“-Herausgeberin eine Änderung des Prostitutionsgesetzes. Deutschland sei zur „europäischen Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern“ verkommen, heißt es in dem Aufruf, der langfristig die Abschaffung der Prostitution verlangt. Sollte es zur Großen Koalition in Berlin kommen, sieht man sich diesem Ziel ein Stück näher kommen.

„Gesetz trägt die Handschrift der Frauenhändler“

Zu den ersten 90 Unterzeichnern gehören die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, Schauspieler und Künstler wie Senta Berger, Maria Furtwängler, Cornelia Froboess, Lisa Fitz, Jutta Speidel und Margarethe von Trotta, aber auch Hannes Jaenicke, Wolfgang Niedecken, Dieter Nuhr, Ranga Yogeshwar sowie Sarah Wiener und Frank Schätzing. Zudem unterstützen mehrere Politiker und Gewerkschafter den Aufruf, der eine „Ächtung der Freier“ fordert: zum Beispiel die Vorsitzende der CDU-Frauenunion, Maria Böhmer, deren Beteiligung den Initiatoren besonders wichtig war, sodann die CSU-Frauenunion, die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Heiner Geißler.

„Die Reform des Prostitutionsgesetzes 2002, die angeblich den geschätzt 700 000 Frauen in der Prostitution nutzen sollte, trägt die Handschrift der Frauenhändler und ihrer Lobbyisten“, heißt es in dem Appell. Seither gehe Deutschland einen Sonderweg. Die skandinavischen Länder hätten schon vor Jahren die Bestrafung der Freier eingeführt. Und Frankreich und Irland seien im Begriff, es ihnen nachzutun. Selbst die Niederlande ruderten zurück.

Vom Bundesrat gestoppt

Kurz vor der Bundestagswahl hatte der rot-grün dominierte Bundesrat das von Union und FDP geplante Gesetz gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel gestoppt, das der Bundestag schon Ende Juni beschlossen hatte. Schwarz-Gelb schwebte zum Beispiel vor, das Gewerberecht zu ändern. Bordellbetreiber sollten schon bei der Anmeldung ihres Gewerbes intensiv überprüft werden. Auch sollte als Menschenhändler bestraft werden, wer die Notlage seiner Opfer ausnutzt, um sie zu Bettelei oder Straftaten zu verleiten. Die Bundesratsmehrheit erachtete die Pläne als unzureichend und lehnte ab.




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