Unterstützung aus den Südwesten CDU-Vize Strobl will Laschet als Kanzlerkandidaten

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Freitag im Bundesrat – der CDU-Chef bekommt von seinem Vize Thomas Strobl Unterstützung für eine Kanzlerkandidatur. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Kurz vor der Entscheidung über den Kandidaten der Unionsparteien sieht der CDU-Bundesvize Thomas Strobl in seiner Partei breite Unterstützung für den NRW-Ministerpräsidenten.

Berlin - Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber es kommt Bewegung in die Frage, wer sich in der Union um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewerben soll. Als erster Vertreter der Parteiführung plädiert der stellvertretende Bundesvorsitzende Thomas Strobl nun öffentlich für den nordrhein-westfälischen Regierungschef Armin Laschet. „Die CDU in Deutschland möchte, dass unser Bundesvorsitzender Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union wird und im Herbst auch Bundeskanzler“, sagte der baden-württembergische Innenminister und Landesparteichef am Freitag unserer Zeitung: „Aus vielen Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass dies in der CDU Baden-Württemberg und in allen anderen CDU-Landesverbänden genauso gesehen wird.“

 

Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der ebenfalls als möglicher Bewerber gilt, haben vereinbart, die K-Frage zwischen Ostern und Pfingsten miteinander zu klären. Der zwischenzeitlich als dritte Kandidat gehandelte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), an dessen Coronamanagement zuletzt viel Kritik laut wurde, spielt in den Überlegungen keine Rolle mehr.

Landesparteichef setzte erst auf Friedrich Merz

„Für die Südwest-CDU, die vor dem Bundesparteitag Friedrich Merz unterstützt hat und nun theoretisch aus Enttäuschung ins Nachbarbundesland Bayern blicken könnte, ist diese klare mehrheitliche Unterstützung für einen Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet nicht gänzlich selbstverständlich“, räumte Strobl ein: „Wir brauchen aber gerade jetzt Armin Laschets beeindruckende Integrationskraft, seine Fokussierung auf die zentralen Themen, seinen Wirtschaftssachverstand als Ministerpräsident eines Industrielandes und sein großes Talent, sich mit fähigen Fachleuten und Vertretern aller Parteiströmungen zu umgeben.“

In Umfragen wird das derzeit mehrheitlich nicht so gesehen. Im ZDF-Politbarometer vom Freitag trauen 56 Prozent der Befragten Söder die Kanzlerschaft zu. Bei Laschet sind es 23 Prozent. „Die Union will nicht jetzt Umfragen gewinnen, sondern im Herbst die Bundestagswahl – dafür ist Armin Laschet als Mann der Mitte mit dem Blick nach vorne genau der Richtige“, sagte Strobl dazu.

Die Meinungsforscher registrierten allerdings einen regelrechten Absturz der CDU – gegenüber dem Vormonat büßte die Union sieben Prozentpunkte ein. Nur 28 Prozent der Bürgerinnen und Bürger würden ihr die Stimme geben, wenn am Sonntag gewählt würde. Das entspricht dem Wert vor Ausbruch der Pandemie.

Schnelle Klärung der K-Frage gefordert

Neben einer inhaltlichen Erneuerung, die am Dienstag mit dem Auftakt zur Arbeit am Wahlprogramm beginnen soll, fordern Funktionäre eine schnelle Entscheidung. „Die K-Frage muss zeitnah geklärt werden“, sagte die Ulmer Bundestagabgeordnete Ronja Kemmer unserer Zeitung. „Die Union muss jetzt sehr schnell die Kanzlerkandidatur klären“, fordert Roderich Kiesewetter, der das Geheimdienstkontrollgremium im Bundestag leitet. Strobl plädierte für „nicht sehr viel später als Ostern“.

Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen sprachen sich in einer CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz am Donnerstagabend auch Kiesewetter, die Hamburgerin Antonia-Katharina Goldner, stellvertretende Kreisvorsitzende Hamburg-Nord sowie der Zwickauer Marco Wanderwitz, der Ostbeauftragte der Regierung, für Laschet als Kanzlerkandidat der Union aus.

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