Untersuchungsausschuss des Landtags Ermittler: NSU hatte kein Netzwerk im Südwesten

Von Reiner Ruf 

Die Besuche von Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt in Ludwigsburg waren freundschaftlich motiviert, sagt das Bundeskriminalamt. Es bleiben aber Fragen.

Der zweite Untersuchungsauschuss des Landtags interessiert sich für rechtsextreme Strukturen in Baden-Württemberg. Foto: dpa
Der zweite Untersuchungsauschuss des Landtags interessiert sich für rechtsextreme Strukturen in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Stuttgart - Auffallend häufig hielt sich das Trio des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Ludwigsburg auf. Von möglicherweise 30 Besuchen gehen die Ermittler aus, wobei Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in unterschiedlicher Zusammensetzung in der Barockstadt auftauchten. Ludwigsburg liegt nahe Heilbronn, wo im Jahr 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und deren Streifenpartner Martin Arnold schwer verletzt wurde. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass Mundlos und Böhnhardt die Tat begingen.

Da ist der Gedanke nicht fern, dass der NSU in Ludwigsburg und Umgebung möglicherweise ein Unterstützerumfeld geknüpft hatten, auf das Mundlos und Böhnhardt bei der Tat in Heilbronn zurückgreifen konnten. Das würde zum Beispiel erklären, weshalb das Wohnmobil, mit dem die beiden nach dem Anschlag geflohen sein sollen, in Oberstenfeld im Landkreis Ludwigsburg gesichtet wurde, die Täter folglich nicht direkt die Autobahn ansteuerten.

Doch die Hoffnung des Untersuchungsausschusses des Landtags, darüber näheren Aufschluss zu erhalten, wurde bei der jüngsten Sitzung am Montag aufs Neue enttäuscht. Die Abgeordneten befragten jenen Beamten des Bundeskriminalamts (BKA), der die Kontakte von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nach Ludwigsburg untersucht hatte. Sein Befund: Die Verbindung des NSU nach Ludwigsburg sei freundschaftlicher Natur gewesen. „Man war sich sympathisch." Der Beamte sprach von einem „Verhältnis fernab von Ideologie“, das die NSU-Protagonisten nach Ludwigsburg geführt habe. „Man trifft sich, trinkt viel Alkohol und hört rechtsextremistische Musik.“ Damit sei die Motivlage für die Treffen charakterisiert. Es gebe keinerlei Indikatoren für ein Unterstützerumfeld und keinerlei Anzeichen, dass die Einheimischen für den NSU irgendwelche Ausspähungen vorgenommen oder strafbare Handlungen begangen hätten.

Ein anderer BKA-Beamter versicherte, die Frage nach Mittätern sei bei den Ermittlungen keineswegs ausgeblendet worden. „Die Überlegung, ob es Mittäter gab, war uns ein ständiger Begleiter.“ Die Bundesanwaltschaft führe in dieser Sache nach wie vor ein Verfahren gegen unbekannt.

Vom Alkohol gezeichnet, die Erinnerung fällt schwer

Die Abgeordneten befragten außerdem einen inzwischen 44-jährigen Mann, der, wie er sagte, zwei bis drei Mal Mundlos und Zschäpe im Keller des Ludwigsburger Rechtsextremisten Michael Ellinger begegnet war. Der Auftritt folgte dem Muster vieler Zeugen aus der damaligen rechtsextremen Szene, die vor dem Untersuchungsausschuss aussagten. Viele sind vom Alkohol gezeichnet, die Erinnerung fällt schwer, vor allem, wenn es um die eigene, als inzwischen überwunden deklarierte rechtsextreme Einstellung geht. Jugendsünden halt. Ob man seinerzeit über Politik redete, können oder wollen die Befragten nicht mehr sagen. Es sei um die Musik gegangen, ums Trinken, und bei Fußballspielen ums Prügeln. Dass im Trinkkeller die Reichskriegsflagge hing und „Deutschland erwache“ auf die Wand gepinselt war, wird heruntergespielt: Der Keller sei privat gewesen.

Dem NSU-Trio werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007, außerdem Sprengstoffanschläge und Banküberfälle vorgeworfen. Das Trio tauchte 1998 unter und nabelte sich nach Auffassung der Ermittler von seiner Umwelt ab. Allerdings soll es 2001, nach dem ersten Mord, noch Kontakte mit Ludwigsburg gegeben haben.