Ein Workshop zur Neugestaltung des Neckarufers stößt bei den Bürgern auf großes Interesse.

Untertürkheim - Der Stadtbezirk liegt ganz unmittelbar am Neckar. Mit Wohnbebauung und öffentlichem Raum, mit Geh- und Radwegen. Und doch gilt, was auch sonst für den einstigen „wilden Fluss“ in Stuttgart gilt: Als Strom erlebbar ist die in Beton gefasste Bundeswasserstraße kaum. Wie unbefriedigend das ist, belegen auch die vielen Ideen zu „Stadt am Fluss“. Ein Projekt, mit dem die Stadt an einem größeren Rad drehen will, das aber bis jetzt nur hübsche Papierform hatte.

 

Erstmals wird dafür nun aber auch richtig Geld eingesetzt: 1,4 Millionen Euro. So hat es der Gemeinderat mit dem Doppelhaushalt beschlossen. Und gestartet wird damit am Neckarufer in Untertürkheim, im Bereich des Lindenschul-Viertels, wofür die volle Summe zur Verfügung steht. Erste Ideen-Skizzen existieren bereits. Im Rahmen einer umfangreichen Bürgerbeteiligung fand nun ein öffentlicher Workshop in der Sängerhalle statt, was teils verblüffende neue Vorschläge zeitigte.

Der Neckar soll erlebbarer werden

Zunächst skizzierte Martina Laun vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung den zur Gestaltung ausgesteckten Bereich, der von der Inselstraße bis über den Spielplatz hinaus reicht. Neben dem Ufer sollen auch der aktuell mit Betonklötzchen markierte Platz und der Spielplatz neu gestaltet werden, zudem der Rand des Schulareals mit einbezogen werden. Leitgedanke sei: „Der Neckar in Untertürkheim soll erlebbar werden. Hierzu soll der öffentliche Raum und das Neckarufer attraktiver gestaltet werden.“

Anregungen dazu hat bereits die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ergeben, deren Ergebnis vorgestellt wurde. So wünschen sich die 647 Kinder und Jugendlichen, die mitgemacht hatten, nicht zuletzt mehr und attraktivere Spielmöglichkeiten, auch zum Klettern und Schaukeln. Die Jugendlichen wünschen sich beispielsweise „Platz zum Chillen und um Freunde zu treffen“, aber auch große, über den Fluss ragende Hängematten sowie „ein Café auf dem Boot“, wie Vertreterinnen des Jugendrates vortrugen.

Viele Ideen für die Stadt am Fluss

Auch das Büro Dreiseitl aus Überlingen, das mit der Planung beauftragt ist, trug „Ideenskizzen“ vor. Das sei aber im jetzigen Stadium „mitnichten ein Konzept“, sagte Hendrik Porst, der dann Themenfelder vorstellte. Zum Platz und zum Spielplatz, auch zum Uferbereich, für den er etwa eine möglich Öffnung des Neckardammes thematisierte. Oder internationale Beispiele gelungener Rückgewinnung von Nähe zum Wasser. Rampen, Balkone und Terrassenstufen. Oder breite, übers Wasser führende Stege. Hauptpunkt des Abends war aber die Ideenproduktion der vier professionell moderierten Arbeitsgruppen, an denen sich mehr als 50 Personen beteiligten, quer durch die Generationen.

Spannend war, was diese vier Gruppen nach zweieinhalb Stunden als Kernpunkte der umfangreichen Zettelsammlungen vorstellen würden. So fand sich manches aus der Ideenskizze von Dreiseitl wieder, mit unterschiedlichen Gewichtungen. Vor allem aber hatte jede Gruppe einen komplett neuen Vorschlag: Gruppe eins würde den zum Kraftwerk führenden Kanal teilweise überdeckeln und darauf Gastronomie platzieren.

„Man muss größer denken“

Die Gruppe zwei will „statt vieler kleiner Details die ganze Länge des Ufers nutzen“ und „eine großzügige Lösung aus einem Guss“ – und schlägt dazu etwa die Bewirtschaftung des bisher freien öffentlichen Parkraumes vor. Die dritte Gruppe wiederum will den am Damm gelegenen Radweg von dort wegnehmen und von der Benzstraße her durch das Quartier führen. Zudem soll das Anwohner-Parken eingeführt werden, um den Bereich frei zu machen von den ins Inselbad strebenden Parkplatzsuchenden.

Am weitesten gehen die Vorschläge der vierten Gruppe: Demnach soll nicht nur der an den Spielplatz grenzende öffentliche Platz angehoben werden, um so den tiefer liegenden Neckar ins Blickfeld zu bekommen. Die Gruppe will darüber hinaus die Ölhafenstraße im gesamten Planungsbereich anheben, damit den Damm verbreitern und so auf der ganzen Länge eine breite Fläche für eine Promenade auf Augenhöhe mit dem Fluss gewinnen.

Der Planer zeigte sich beeindruckt: „Das war ein unglaublich guter Abend, mit einer Menge Ideen und einigen Hausaufgaben für uns“, stellte Hendrik Porst fest und betonte: „Der Abend ergibt einen ganz klaren Auftrag an die Verwaltung. Er lautet: Man muss größer denken.“ Die erarbeiteten Ideen werden dokumentiert und in eine Machbarkeitsstudie eingespeist, die am 6. Juni 2016 vorgestellt wird. Mit Blick darauf meinte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel nach über drei Stunden: „Dann wird man sehen, wohin die Reise geht.“