Stuttgart - Im Konflikt zwischen der Sozialfirma SBR, die unter anderem die „Bonus“-Märkte betreibt, und ihrem langjährigen Geschäftsführer Manfred Kaul hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart jetzt die Ermittlungen eingestellt. Wie die Behörde bestätigte, wurde das Verfahren gegen Kaul wegen Untreue und Unterschlagung mangels Tatverdacht beendet. Gleiches gilt für den Bildungsmanager Klaus Vogt, der wegen der Abrechnung des SBR-Caterings bei einer Geburtstagsfeier ins Visier der Justiz geraten war. Bei beiden Beschuldigten „ließ sich ein Tatnachweis hinsichtlich eines strafrechtlich relevanten Verhaltens nicht führen“, teilte eine Sprecherin mit. Gegen die Einstellung des Verfahrens hat der SBR-Vorstand inzwischen Beschwerde eingelegt, über die nun die Generalstaatsanwaltschaft entscheiden muss.
Öffentlich sichtbar wurde der Konflikt im April 2020 mit dem überraschenden Rauswurf Kauls. Nach fast 30 Jahren als Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration (SBR) erhielt er eine außerordentliche Kündigung. Zugleich erstattete der Vorstand des Trägervereins eine Strafanzeige, in der dem Sozialmanager vorgeworfen wurde, Geld veruntreut und sich persönlich bereichert zu haben. Dabei ging es unter anderem um eine private Hausreparatur, für die er vorübergehend SBR-Mittel eingesetzt haben soll, und um die angebliche Entnahme von Bargeld aus einer Kasse.
Ex-SBR-Chef sieht Ruf massiv geschädigt
Gegenüber unserer Zeitung wertete Kaul die Einstellung des Verfahrens als „Freispruch erster Klasse“. Er hatte die Vorwürfe stets als unbegründet zurückgewiesen und der SBR-Spitze vorgeworfen, mit der Anzeige seinen Ruf massiv geschädigt zu haben. Im Zivilrechtsstreit vor dem Landgericht Stuttgart hatte sich der Ex-Geschäftsführer fast auf ganzer Linie durchgesetzt. Die zuständige Kammer hielt seine Kündigung für unwirksam und sprach ihm mehr als 90 000 Euro zu. Wegen weiterer, nicht erfüllter Forderungen zog Kaul jedoch vor das Oberlandesgericht. Für nächste Woche ist dort ein Termin anberaumt, bei dem es um einen Vergleich gehen könnte.
Für den SBR-Vorstand zeigte sich Ursula Matschke überrascht von der Einstellung des Verfahrens nach 19 Monaten. „Die relativ kurze Begründung durch die Staatsanwaltschaft überzeugt uns in keiner Weise“, sagte die frühere städtische Gleichstellungsbeauftragte. Man habe daher Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft eingelegt und erwarte nun Akteneinsicht. Noch im vorigen Herbst habe die Behörde die Einsichtnahme abgelehnt, weil wegen laufender Ermittlungen die Gefahr bestehe, dass Zeugen beeinflusst werden könnten. Erneut verteidigte Matschke das Vorgehen gegen Kaul: Nach dem Bekanntwerden der fraglichen Vorgänge seien sie und der Co-Geschäftsführer Hansjörg Böhringer „gezwungen“ gewesen, Anzeige zu erstatten; sonst hätten sie sich womöglich selbst der Beihilfe zur Untreue durch Unterlassung strafbar gemacht.
Bildungsmanager: schöne Bestätigung
Der Chef des Kolping Bildungswerks Württembergs und frühere städtische Wirtschaftsförderer Klaus Vogt begrüßte die Einstellung des Verfahrens; danach habe „überhaupt kein hinreichender Tatverdacht“ bestanden. „Auch wenn ich nie ein anderes Ergebnis erwartet habe, ist es doch schön, die offizielle Bestätigung zu erhalten“, sagte Vogt. Der Manager war erst im Lauf der Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue in den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten. Dabei ging es um die private Feier zu seinem 50. Geburtstag im Frühjahr 2017. Für das Catering sorgte dabei ein Gastro-Unternehmen der SBR. Die Abrechnung warf später Fragen auf, unter anderem, weil die Bewirtung teilweise von zwei Partnerfirmen des Kolping Bildungswerks bezahlt worden war. Gegenüber der Staatsanwaltschaft ließ Vogt dies mit offenen Zahlungsansprüchen gegen die Firmen erklären. Auch um die Zahl der Gäste bei der Feier – darunter CDU-Prominenz aus Stadt und Land - hatte es Differenzen gegeben, die die Ermittler nicht auflösen konnten.
Neben dem Wirbel um die Feier hatte Vogt auch mit seinem im Ausland erworbenen Doktortitel Schlagzeilen gemacht. Erst nach öffentlichem Rätselraten legte er offen, dass der Titel aus der Slowakei stammt.