Unverpackt-Laden in Winnenden Grillenpasta im Glas
Seit Mitte Oktober gibt es in Winnenden einen Unverpackt-Laden. Die jungen Besitzer des „Abfüllbar“ möchten nicht weniger, als die Welt ein bisschen besser machen.
Seit Mitte Oktober gibt es in Winnenden einen Unverpackt-Laden. Die jungen Besitzer des „Abfüllbar“ möchten nicht weniger, als die Welt ein bisschen besser machen.
Winnenden - So klein der Laden von Florian Steiner und Liz Oberle sein mag – in jedem der 60 Quadratmeter Verkaufsfläche steckt große Leidenschaft. Die beiden Jungunternehmer wollen mit ihrem neu eröffneten Unverpacktladen in Winnenden nicht weniger, als die Welt ein bisschen besser machen. Sie wollen dazu beitragen, dass durch den Verzicht auf Verpackung weniger Plastik verwendet wird, dass durch vegane Lebensmittel weniger Fleisch konsumiert wird und durch fair gehandelte Produkte mehr Menschen eine angemessene Bezahlung erhalten. „Der Laden ist für mich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, hin zu mehr Nachhaltigkeit“, sagt Florian Steiner.
Während seines berufsbegleitenden Studiums ist in dem 31-Jährigen die Idee gereift, dass er sich selbstständig machen möchte. Weil sich der gelernte Industriekaufmann gleichzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt hat, beschloss er zusammen mit der veganen Ernährungsberaterin Liz Oberle, einen Unverpacktladen zu eröffnen: „Das war die perfekte Kombi.“
In Winnenden ist Florian Steiner nicht nur gelandet, weil er selbst von dort kommt: „Eine Umfrage des Vereins „Attraktives Winnenden“ hat ergeben, dass sich die Kunden ein solches Geschäft wünschen“, erzählt er. Ein Glücksfall sei es zudem gewesen, dass direkt in der Nähe des Rathauses und damit auch des Parkhauses eine passende Immobilie frei war.
Mitte Oktober haben die beiden ihren Laden „Abfüllbar“ eröffnet. Davor haben sie nicht nur die Räume grundlegend renoviert – „mit Wandfarbe ohne Plastik“ –, sondern sich andere Unverpacktläden angeschaut, sich Tipps und Kontakte geben lassen, nach passenden Lieferanten recherchiert und ihr Warensortiment aufgebaut. In den Regalen und Gläsern finden sich einige Produkte direkt aus der Umgebung.
Zu den Lieferanten gehören die Hegnacher Mühle, der Winnender Hofladen Pois sowie bald die örtliche Kaffeerösterei Von Herrmanns. Nüsse und Gewürze, festes Shampoo oder Snacks werden im „Abfüllbar“ genauso verkauft wie exotischere Lebensmittel. Zu entdecken gibt es beispielsweise Buchweizensprossennudeln oder Grillenpasta aus Insekten.
„Wir haben jetzt alle Grundnahrungsmittel da, jeder Bereich ist abgedeckt“, erzählt Florian Steiner. Fleisch, Milch oder Käse allerdings werden Kunden bei „Abfüllbar“ nicht finden: „Das möchten wir nicht, weil wir die vegane Richtung einschlagen“, erläutert Florian Steiner. Langfristiges Ziel sei, dass die Kunden eine ähnliche Produktpalette wie im Supermarkt vorfinden könnten.
„Wir müssen unser Angebot in der Tiefe und Breite ausbauen“, sagt Florian Steiner, der das aus Kosten- und Platzgründen aber langsam angehen möchte. Um herauszufinden, was die Kunden sich wünschen, steht eine Ideenbox bereit. Zudem soll irgendwann ein Mittagstisch dazukommen, und eigentlich möchte Florian Steiner auch noch ein eigenes, nachhaltiges Klamottenlabel gründen. „Einen Teil der Einnahmen würde ich dann gerne an eine Organisation spenden, die Plastik aus dem Meer sammelt.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Die gelbe Tonne bleibt leer
Aber jetzt soll der Laden erst einmal richtig anlaufen. „Der Eröffnungstag war grandios, so könnte es immer sein“, sagt Florian Steiner und erzählt, dass schon viele vorbeischauen, aber unvorbereitet kommen – also ohne eigene Gefäße. Ein kleines Reservoir an Flaschen und Gläsern hält „Abfüllbar“ deswegen für Spontaneinkäufe bereit. „Dieser Typ Laden ist doch noch nicht bekannt. Dabei war es früher ganz normal, dass man seine Behälter mitgebracht hat. Wir wollen ein Umdenken schaffen“, sagt er.
Unverpackt einkaufen
System
In einem Unverpackt-Laden werden die Lebensmittel ohne Verpackung verkauft. Meistens befinden sich die Produkte in Röhren, Gläsern oder Metallbehältern und können von den Kunden selbst abgefüllt werden. Diese bringen eigene Gefäße – Dosen, Gläser oder Boxen – mit. Das Leergewicht dieser wird vor dem Befüllen gewogen und notiert. Beim Bezahlen an der Kasse wird dann das Leergewicht wieder abgezogen. Oft werden nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetikprodukte oder Reinigungsmittel verkauft.
Geschäfte im Kreis
Im Rems-Murr-Kreis gibt es mittlerweile mehrere originäre Unverpacktläden. In Backnang befindet sich der „Krämerladen Unverpackt“ von Stephan Krämer in der Uhlandstraße 27. Die „Bergerei“ in Schorndorf, vergangenes Jahr von Larissa Berger in der Karlstraße 3 eröffnet, verfügt zusätzlich über ein Tagescafe. In Waiblingen ist die Eröffnung eines Unverpacktladens bisher an einer geeigneten Immobilie gescheitert. Doch diese wurde mittlerweile in der Straße Am Stadtgraben gefunden – das Geschäft „Bohne Unverpackt“ soll am 20. November das erste Mal öffnen.