Die Krisen – von Corona bis Energie – , die Inflation, die gestiegenen Lebensmittel- und Unterhaltungskosten machen auch Anna Unverpackt das Leben schwer und bringen den Laden in eine finanzielle Notlage. Als ihre Geschäftspartnerin im vergangenen Frühjahr aus privaten Gründen ausstieg, hatte auch Nathalie Alméras mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. „Aber ich will noch nicht aufgeben“, sagt sie. Dazu liegt ihr die Sache mit dem unverpackten Einkaufen viel zu sehr am Herzen.
„Wir brauchen mehr Beständigkeit im Umsatz“
Doch die Kunden werden weniger. Sie muss auch an die Wirtschaftlichkeit denken. Ihrer Mitarbeiterin musste sie daher schon kündigen. „Das tut mir superleid, aber das ist ein Kostenfaktor.“ Nathalie Alméras hofft, dass sich das auch wieder ändert. Das Hauptproblem sei, dass es immer wieder Phasen gebe, in denen der Umsatz so gering sei, „dass es sich einfach nicht lohnt. Wir brauchen mehr Beständigkeit im Umsatz, um auch die laufenden Kosten tragen zu können.“ Dazu will sie nun eine Art Crowdfunding starten, um den Laden zu retten.
Eine Solidargemeinschaft soll gebildet werden. „Einige Unverpacktläden, wie der in Waiblingen, konnten sich so in den letzten Monaten erfolgreich halten“, sagt Nathalie Alméras. Das hofft sie jetzt auch für ihr Anna Unverpackt. Und sie hofft auf die Unterstützung ihrer Kunden und darauf, dass sich mehr Leute trauen, mal in den Unverpacktladen reinzuschauen. „Einfach mal vorbeikommen und ausprobieren, das wäre schön.“
Das fände auch Tanja Fischer schön. Gemeinsam mit ihrem Mann Alexander hat sie vor knapp zweieinhalb Jahren ihren Laden „Steppi-URverpackt“ in Steinheim eröffnet – mitten in den Ferien und mitten in der Pandemie. Dafür lief es okay, sagt Tanja Fischer. „Es ging aufwärts, die Leute haben den Laden gut angenommen.“ Seit diesem Frühjahr ist allerdings der Wurm drin, die Kunden bleiben aus. Schon eine Weile hält sich das Ehepaar Fischer vor allem mit ihrem gastronomischen Angebot – vom Frühstück über den Mittagstisch bis hin zu Kaffee und Kuchen – über Wasser. Dieser Tage wird sich entscheiden, ob es mit Steppi-URverpackt weitergeht oder der Laden schließen muss.
Die Entwicklung, dass es etwa seit Pfingsten schlechter läuft, hat auch Nicole Leipp vom „Ohne Drumherum“ in Vaihingen an der Enz beobachtet. Das Sommerloch dauerte gefühlt ewig, jetzt ist es halbwegs überwunden. Dennoch ist die Chefin des Vaihinger Unverpacktladens ständig am überlegen, wie sie noch Fixkosten drücken kann.
Mehr Plastik als Fische im Meer
Wo die plötzliche Zurückhaltung der Kunden herkommt? „Ich denke, die Leute haben nach Corona ihren Fokus darauf gelegt, alles wieder voll auszukosten – von Veranstaltungen bis hin zur Gastronomie.“ Was sie grundsätzlich freue. „Aber das Thema Plastikvermeidung ist jetzt weniger im Fokus als noch vor Corona – und wir haben das Plastikproblem nach wie vor.“ Im Jahr 2050 könnte in den Meeren die Menge an Plastik die Menge der Fische übersteigen, zitiert Nicole Leipp das Ergebnis einer Studie der Ellen MacArthur Foundation.
Wie also zurückkommen zu dem Bewusstsein, Plastik zu vermeiden? „Viele führen den Zeitaufwand als Argument an, nicht in Unverpacktläden einzukaufen“, sagt die Chefin von Ohne Drumherum. Doch ein regulärer Supermarkt-Besuch koste auch Zeit, „vermutlich mehr, als bei mir im Laden“.
Sie bietet jede Art von Hilfestellung. Kunden können ihre Gefäße bringen und später gefüllt wieder abholen. Oder gemeinsam könne man die Einkaufsliste schnell abarbeiten. Zudem will Nicole Leipp von 2024 an einen Lieferdienst anbieten. Die Inhaberin von Ohne Drumherum appelliert aber auch an die Kunden. „Jeder wünscht sich kleine inhabergeführte Geschäfte in seiner Innenstadt. Aber da muss man auch hingehen.“
Einig sind sich die Inhaberinnen der Unverpacktläden in Besigheim, Steinheim und Vaihingen darin, dass „man es einfach mal ausprobieren sollte“, bei ihnen einzukaufen. Denn dabei geht es nicht nur um weniger Verpackungsmüll, sondern auch um Frische sowie bewussten und regionalen Konsum.
So funktioniert die Solidargemeinschaft
Monatlicher Beitrag
Die Kunden werden Teil einer Gemeinschaft und sorgen mit ihrer monatlichen Unterstützung dafür, dass sie sich vor Ort mit regionalen Produkten versorgen können. Mit ihrem Beitrag helfen sie, Anna Unverpackt zu erhalten. Das Geld, beispielsweise 50 Euro pro Monat, wird per Lastschrift eingezogen und die Kunden können für den Betrag einkaufen. So hofft Nathalie Alméras, ihre monatlichen Fixkosten decken und besser planen zu können.
Info-Veranstaltung
Mehr zu der geplante Solidargemeinschaft gibt es bei einem Infoabend am Mittwoch, 22. November, um 19.30 Uhr. Anmeldung für Online oder Präsenz-Teilnahme unter hallo@anna-unverpackt.de.