Unwetter im Kreis Ludwigsburg Hagelflieger verhindern schlimmere Schäden

Im Kreis – hier in Asperg – mussten etliche Keller ausgepumpt werden Foto: Feuerwehr Asperg

Überschwemmte Keller, geflutete Straßen: Heftige lokale Unwetter sorgen am Mittwoch bei mehreren Feuerwehren im Kreis für Arbeit.

Kreis Ludwigsburg - Als Michael Dahm die Gewitterzelle am Mittwoch nach Asperg heranziehen sah, dachte der stellvertretende Feuerwehrkommandant: „Das wird nicht gut.“ Es sollte Recht behalten: Von Schwieberdingen und Markgröningen über den Bereich Asperg, Tamm und Eglosheim schüttete und hagelte es am Mittwochnachmittag lokal teils massiv, bevor sich die Unwetterschneise in Richtung Freiberg und Pleidelsheim weiterbewegte.

 

Verheerendere Schäden verhinderten wohl fünf Hagelflieger, die zwischen 15 und 16.30 Uhr bei der großen Gewitterzelle im Bereich Leonberg, Ludwigsburg, Marbach und Besigheim unterwegs waren. „Es war ein immenses Hagelpotenzial vorhanden“, sagt eine Sprecherin des Landkreises Rems-Murr, der auch für die Hagelabwehr im Kreis Ludwigsburg zuständig ist. „Darauf deutet der Hagel in Tübingen hin: diese Hagelwolken konnten nicht geimpft werden und bieten einen Anhaltspunkt dafür, was hätte passieren können. Der Hagel, der bei uns im Schutzgebiet gefallen ist, war eher kleinkörnig. Das ist ein Indiz dafür, dass die Impfung funktioniert hat.“ Auch am Donnerstag seien die Flieger unterwegs gewesen.

Wie aus großen Hagelkörnern kleine werden

Die Hagelabwehr in der Region Stuttgart, die es schon seit 1980 gibt, wird von Landkreisen und Kommunen, Weinbaugenossenschaften, Weingütern und Obst- und Weinbauverbänden aus dem Schutzgebiet, zudem von Firmen und Versicherungen finanziert. Rund 330 000 Euro kosten Bereitschaft und Einsätze pro Jahr; der Kreis Ludwigsburg beteiligt sich mit 10 000 Euro jährlich.

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An Tagen mit Unwettergefahr werden die Hagelflieger, die am Stuttgarter Flughafen stationiert sind, in Bereitschaft versetzt; wenn eine Gewitterzelle auf das Schutzgebiet zuzieht, werden die Piloten informiert. Sie steigen dann auf und verbrennen in den Aufwinden von hagelträchtigen Wolken in speziellen Rauchgasgeneratoren eine Silberjodid-Verbindung, an deren freigesetzten Kondensationskernen sich Wasserdampf anlagert. So bilden sich in der Wolke viele kleine statt großer Hagelkörner. Meist schmelzen sie, bevor sie den Boden erreichen, zu Regen, Graupel oder deutlich kleinerem Hagel.

Keine lebensbedrohlichen Situationen

Ohne die Hagelflieger hätte es für Asperg sicher schlimmer ausgesehen“, vermutet Michael Dahm, „dann hätten wir, wie bei vergleichbaren schweren Unwettern vor zehn oder 15 Jahren, womöglich 50 oder 60 Einsatzstellen gleichzeitig gehabt.“ So waren es am Mittwoch für die Asperger Wehr immer noch ein halbes Dutzend Einsätze – wegen überlaufener Keller, überschwemmter Straßen oder Aquaplaning auf der A 81. „Viele Leute haben mittlerweile aber auch selbst ein Tauchpümple oder einen Wassersauger.“ Auch seine Kollegen Ulrich Nill von der Freiwilligen Feuerwehr Freiberg/Neckar und Markus Giek von der Möglinger Wehr sagen, es hätte schlimmer laufen können.

Glimpflich sei der Landkreis davongekommen – das sagt auch Kreisbrandmeister Andy Dorroch. „Es gab keine lebensbedrohlichen Situationen und keinen Personenschaden.“ In Pleidelsheim kamen innerhalb von nur 20 Minuten etwa 25 bis 30 Liter Wasser vom Himmel, berichtet Feuerwehrkommandant Timo Günther. Hagel und Starkregensorgten für einige überflutete Fahrbahnen, schwimmende Gullideckel und vereinzelt vollgelaufene Keller. Das Wasser sei aber auch relativ schnell von selbst wieder abgelaufen. Der Haupt- und Ordnungsamtsleiter Andreas Müller erklärt dazu, Pleidelsheim sei, was die Hochwasserprävention angehe, gut aufgestellt und viele Eigentümer durch ihre Rückstauklappen auf der sicheren Seite.

Kommandant Hänig: „Das Fußballspiel war schlimmer“

Für die anderen Kommunen im Bereich Marbach und Bottwartal war es ein feuchter, aber ruhiger Mittwochnachmittag. „Wir haben ganz normal unsere Bootsübung abgehalten“, berichtet der Benninger Kommandant Alexander Essig. Bei Westwetterlagen sei Benningen meist eine Insel der Glückseligen: Der Hohenasperg fungiere als leichter Wetterteiler.

Auch in Oberstenfeld und Mundelsheim mussten die Wehren nicht ausrücken. Zudem wurden in der Gemeinde an der Neckarschleife die Gebete des Pfarrers erhört. Denn es regnete zwar ordentlich, aber in das derzeit wegen Renovierungsarbeiten offene Kirchturmdachsei nichts hineingelaufen, zeigt sich Christopher Reichert „total dankbar“. In Affalterbach blieb es ebenfalls ruhig. „Das Fußballspiel gegen Ungarn war schlimmer als der Regen“, so der Kommandant Sascha Hänig.

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