Unwetter im Stuttgarter Norden Für die Betroffenen wird es richtig teuer

Von Marta Popowska 

Die Unwetter der vergangenen Woche haben manche Feuerwehrleute in den Stadtteilen so noch nicht erlebt. Für Hausbesitzer ist es doppelt bitter: Sie haben den Schaden und müssen für die Feuerwehreinsätze aufkommen.

Smart und Fahrrad in der Tiefgarage versenkt: Die Mönchfeldstraße war am 7. Juni an der Ecke Meierberg ein reißender Fluss. Foto: Lichtgut-Oliver Willikonsky

Stuttgarter Norden - Wer konnte, brachte seine Sachen rechtzeitig in Sicherheit. Doch nicht jeder Keller und nicht jedes Auto konnte vor den Wassermassen gerettet werden. Die starken Regenfälle am Donnerstag, 7. Juni, haben vor allem Häuser in Mühlhausen, Zuffenhausen und Zazenhausen stark in Mitleidenschaft gezogen. Keller liefen voll und so manches Auto war nach dieser Nacht Schrott. Die Kosten für die Einsätze müssen die Bürger selbst tragen – sofern sie nicht ausreichend versichert sind.

Um 19.38 Uhr warnte der Deutsche Wetterdienst vor heftigem Unwetter. „Kurz nach 20 Uhr sind wir erstmals nach Zuffenhausen ausgerückt“, sagt der stellvertretende Abteilungs-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zazenhausen, Bernd Schmid. An der Spitalhofstraße seien acht bis zehn Häuser betroffen gewesen. „In manchen Kellern stand das Wasser einen halben Meter oder mehr. Ein Handwerksbetrieb sei gar ganz unter Wasser gestanden. „Das waren teilweise zweieinhalb bis drei Meter“, so der Feuerwehrmann.

Wassermassen spülen Autos weg

Bei der Ankunft der Einsatzkräfte hätten Bewohner ihre Autos teilweise bereits in Sicherheit gebracht. Dies war nicht jedem gelungen und bei vollkommen unter Wasser gestandenen Autos sei von einem Totalschaden auszugehen, ergänzt der Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zazenhausen, Udo Lorenz. „Allein in der Spitalhofstraße dürfte dies bei vier Autos der Fall gewesen sein“, sagt er. Die Wassermassen spülten hier mehrere Autos weg. Laut dem Einsatzbericht der Stuttgarter Feuerwehr mussten sich mehrere Personen auf die Dächer ihrer im Wasser stehenden Fahrzeuge retten. Auch zu vereinzelten Stromausfällen war es gekommen.

Ähnlich war es an der Taläckerstraße. Dort ansässig ist die Backstube der Bäckereikette Siegel. Diese informierte ihre Kunden am Morgen danach auf Facebook, dass die Filialen in Zuffenhausen an der Schwieberdinger Straße und am S-Bahnhof sowie an der Johannesstraße in Kornwestheim geschlossen bleiben. „In allen anderen Filialen werden Sie wie gewohnt mit frischen Backwaren versorgt. Allerdings ist zu beachten, dass das Sortiment etwas verschlankt sein wird“, war zu lesen.

Gegen 3 Uhr am Morgen ging es für die Einsatzkräfte weiter nach Mühlhausen. Dort bot sich ein Anblick, den viele Rettungskräfte, aber auch Anwohner, so noch nicht erlebt haben. Die Mönchfeldstraße hatte sich in einen reißenden Fluss verwandelt. 30 bis 40 Gebäude waren in dem Stadtteil betroffen. Starkregen hatte dazu geführt, dass das Wasser über den kanalisierten Feuerbach hinaus getreten ist, das Wasser floss auch vom Meierberg und die Veitstraße herunter.

Einsatzkosten müssen selbst bezahlt werden

„Gegen halb 7 haben wir dann Leute abziehen müssen, da viele Kameraden anschließend direkt zur Arbeit sind“, sagt Schmid. Denn am Morgen habe sich dann der Erfolg eingestellt, der Regen hatte nachgelassen.

Bernd Schmid sagt, er habe dieses Ausmaß am Feuerbach in den 15 Jahren, die er in Zazenhausen ist, noch nicht erlebt. Gleiches gilt für Udo Lorenz: „Das habe ich am Feuerbach noch nicht gesehen. Generell hatten wir schon lange nicht mehr so ein Unwetter. Das Ausmaß war gravierend.“

Auf die Hausbesitzer kommt nun die Herausforderung zu, die nassen, modrigen Keller wieder trocken zu bekommen. Wer keine entsprechende Versicherung hat, für den wird es vermutlich teuer. Denn auch die Einsätze der herbeigerufenen Feuerwehr müssen Bürger selbst bezahlen, bestätigt Rainer Kauderer, Lagedienstführer in der Integrierten Leitstelle Stuttgart. Wie hoch die sein können, dazu möchte und könne er keine Zahlen nennen. „Das kommt darauf an, wie viele Fahrzeuge und Männer gebraucht werden, welches Material und welche Geräte zum Einsatz kommen“, sagt Kauderer. Dies sei so unterschiedlich, dass er keine Hausnummer nennen könne. Die Bürger würden jedoch gleich darüber informiert. Entweder bereits am Telefon oder beim Eintreffen der Einsatzkräfte. Man könne die Leistung auch ablehnen. „Das kommt auch vor, dass Menschen dies tun“, so Kauderer.

Es gibt aber auch Fälle, bei denen Privatpersonen nicht zur Kasse gebeten werden. „Nur wenn die Stadt Stuttgart den Katastrophenfall ausruft, dann muss nicht selbst bezahlt werden“, erklärt er. Sollte ein Mensch gerettet werden müssen, so trage dieser natürlich auch keine Kosten. Verletzt wurde bei dem Unwetter niemand.