Unwetter in Deutschland Wie geht es Braunsbach fünf Jahre nach der Sturzflut?

Der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch hat seine Erinnerungen in einem Buch verarbeitet. Foto: /privat 7 Bilder
Der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch hat seine Erinnerungen in einem Buch verarbeitet. Foto: /privat

Die Sturzflut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat innerhalb kürzester Zeit ganze Landstriche verwüstet. In Baden-Württemberg wurde 2016 der kleine Ort Braunsbach von gewaltigen Wassermassen praktisch weggespült. Wie geht es den Braunsbachern fünf Jahre danach?

Politik/ Baden-Württemberg: Carola Fuchs (cls)
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Stuttgart - Elvira ist in Braunsbach unvergessen. Das Tiefdruckgebiet hat am 29. Mai 2016 die Flut in den 2500 Einwohner zählenden Ort im Kreis Schwäbisch Hall gebracht. Der Starkregen verwandelte eigentlich kleine Bäche in reißende Ströme, die gewaltige Geröllmassen vor sich herschoben. Bis zu 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen damals durch den Orlacher Bach, das haben Berechnungen von Doktoranden der Universität Potsdam später ergeben – 500- bis 800-mal so viel wie normalerweise.

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Normal war nach der Sturzflut gar nichts mehr in Braunsbach. Die Ortsdurchfahrt? Eine Trümmerwüste. Die Ortsmitte mit ihren Bäumen und Sitzbänken? Weggespült. Geschäfte, Gasthäuser, das Rathaus? Geflutet. Autos wurden wie Spielzeuge mitgerissen und zerdrückt. 90 000 Tonnen Geröll musste danach beseitigt werden, 128 Fahrzeuge landeten auf dem Schrott. Wie durch ein Wunder kam niemand ums Leben.

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In Baden-Württemberg starben vier Menschen

Anderswo schon. In Schwäbisch Gmünd versuchte ein Feuerwehrmann einen Mann aus einer gefluteten Unterführung zu bergen, wurde mit ihm aber in einen Kanalschacht gesogen. In Schorndorf tötete ein Zug ein Mädchen, dass unter der Bahnbrücke Schutz vor dem Regen gesucht hatte. Und in Weißbach (Hohenlohe) starb ein Mann in einer überschwemmten Tiefgarage.

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Frank Harsch war wochenlang im Krisenmodus. „Bis alles saniert ist, wird es drei Jahre dauern“, sagte der Braunsbacher Bürgermeister fünf Wochen nach Elvira. Fünf Jahre später wütet Bernd in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz. „Da haben wir alle natürlich die Bilder von damals vor Augen, volle Pulle“, sagt der Bürgermeister. „Das belastet einen schon, das muss ich zugeben.“

Braunsbach wird immer noch aufgebaut

Noch immer ist Braunsbach mit dem Aufbau beschäftigt. „99 Prozent unserer Arbeit hier hängt mit der Flut zusammen“, sagt Harsch. 60 Millionen Euro hat der Schultes mit seinen elf Mitarbeitern im Rathaus in den vergangenen fünf Jahren verbauen lassen. Das meiste stammt vom Land, für das Harsch voll des Lobes ist: Bis heute hat er einen festen Ansprechpartner im Innenministerium.

Dabei investiert man auch in Schutzmaßnahmen. So hat Braunsbach jetzt Geröllfänge wie in den Alpen – große Stahlstangen, die bei Starkregen mitgerissene Steinbrocken oder Bäume aufhalten sollen. Die Ortsbäche wurden so präpariert, dass mehr Wasser durch kann. Harsch hat seine Erinnerungen in dem Buch „Die Sturzflut“ verarbeitet. „Der Klimawandel ist da, wir müssen jetzt mehr tun“, mahnt er. Erst am Freitag hat es in Braunsbach wieder geschüttet wie aus Kübeln. „Das war echt heftig“, da kam die Angst wieder. „Gott sei Dank hat alles gehalten.“

Gmünd hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket entwickelt

Schwäbisch Gmünd ist zusammen mit der westfälischen Stadt Olfen Reallabor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Anhand der Starkregenereignisse in den beiden Städten wurden Werkzeuge entwickelt, wie sich Kommunen und Privatleute in Zukunft wappnen können vor solchen Fluten. Herausgekommen ist für Gmünd ein Hunderte Maßnahmen umfassendes Handlungspaket.

Sämtliche Tunnel werden überwacht

So sind sämtliche Tunnel mit Überwachungskameras ausgestattet, so dass man früh erkennt, welcher vollläuft. Beim Starkregen Ende Juni, erzählt der Baubürgermeister Julius Mihm, füllte sich der Taubental-Tunnel, in der vor fünf Jahren die zwei Männer starben, innerhalb von nur zehn Minuten komplett. Zudem wurden die Gullys gesichert, dass es nicht wieder zu einem tödlichen Sog kommen kann. Auch baut die Stadt im Quartier auf dem Hardt einen großen Platz nach dem Schwammstadt-Prinzip. Der Boden wird mit versickerungsfähigem Pflaster belegt, so dass der Untergrund Wasser aufnehmen kann, und mit mehr als 30 Bäume begrünt, über die das Wasser verdunstet.

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