Unwetter Stärkste Ostsee-Sturmflut seit zehn Jahren

Deutschlands Ostseeküsten sind von der stärksten Sturmflut seit 2006 getroffen worden. Das Wasser hat zu Überschwemmungen in den Städten geführt, wie hier in Lübeck. Foto: dpa 11 Bilder
Deutschlands Ostseeküsten sind von der stärksten Sturmflut seit 2006 getroffen worden. Das Wasser hat zu Überschwemmungen in den Städten geführt, wie hier in Lübeck. Foto: dpa

Die Sturmflut an der Ostseeküste richtet mancherorts große Schäden an. Seit Mitternacht sinken die Wasserstände wieder. Die Unwetterwarnung für Baden-Württemberg wurde am Donnerstagmorgen teilweise aufgehoben.

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Rostock/Lübeck - Straßen überschwemmt, Autos unter Wasser, Dämme überspült: Die stärkste Ostsee-Sturmflut seit mehr als zehn Jahren hat an der deutschen Küste deutliche Spuren hinterlassen. Nach einem Höhepunkt in der Nacht zum Donnerstag sanken die Pegelstände entlang der Ostsee aber überall wieder. Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch die Wassermassen nicht verletzt. Während im Norden die Wellen peitschten, herrschten anderenorts Schnee- und Eisglätte.

In Lübeck und Flensburg wurden zahlreiche Autos aus den Fluten gezogen. Mehrere Keller in Lübeck und Neustadt in Holstein liefen voll. In Kiel mussten mehrere Straßen für den Verkehr gesperrt werden. Zugänge zur Lübecker Altstadt waren für Fußgänger nicht mehr passierbar. Das Wahrzeichen der Stadt, das Holstentor blieb von dem Wassereinbruch gerade noch einmal verschont.

Größere Schäden

Auf Rügen und Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Am Strand von Binz und Prora brach die Düne streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern ab. Auch zwischen Koserow und Zempin nahmen Steilufer Schaden. Auf beiden Inseln hatten die Wellen schon vor dem Höhepunkt an Stränden genagt.

An der Ostsee lagen vielerorts die Pegelstände am späten Mittwochabend zwischen 150 und 170 Zentimeter höher als üblich - in Lübeck wurden sogar 1,79 Meter und in Wismar 1,83 Meter mehr las gewöhnlich gemessen, wie auf „Pegel Online“ registriert wurde. Am frühen Donnerstagmorgen war ein Teil des Wassers wieder abgelaufen.

„Es war die stärkste Sturmflut seit 2006“, sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstanddienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). „Die Gefahren der Sturmflut sind aber gebannt.“

Während die Einsatzkräfte an der Küste gegen die Sturmflut kämpften, machten Schnee- und Eisglätte im Binnenland den Autofahrern zu schaffen. Es kam am Abend und in der Nacht zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Bei einem Zusammenstoß eines Lastwagens, eines Autos und eines Kleintransporters auf der A4 bei Erfurt wurden neun Menschen schwer verletzt, darunter ein Baby.

Wo die Kälte herkommt

Bevor die Eiseskälte aus dem Norden nach Deutschland gezogen ist, hat sie Lappland in der Nacht zum Donnerstag Temperaturen von etwa minus 40 Grad beschert. Am heftigsten traf es den finnischen Ort Muonio nahe der schwedischen Grenze: Hier zeigt das Thermometer 41,7 Grad unter Null an. Nur wenig wärmer haben es die Menschen mit minus 41,3 Grad im nordschwedischen Nikkaluokta.

Tief „Axel“ sollte von Skandinavien in der Nacht quer über die Ostsee weiter nach Weißrussland ziehen. Vor allem im Osten und Süden Deutschlands wurden kräftige Schnee- und Graupelschauer sowie Wintergewitter erwartet - sowie bis zu minus 20 Grad im Bergland. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber gemäßigter Frost bis minus sieben Grad zu erwarten, so die Experten.




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