Upcycling am Renninger Gymnasium Alte Landkarten werden zu schicken Taschen

Lehrer Manfred Pretz und die Schülerinnen Lena, Lina, Minh, Helena, Rebekka und Clara (v.l.n.r.) präsentieren die begehrten Upcycling-Taschen. Foto: privat

Aus alt mach neu: Am Renninger Gymnasium werden alte, ausgediente Landkarten zu praktischen Tragetaschen aufgewertet. Und die verkaufen sich wie geschnitten Brot.

Jeder, der vor dem Einzug der Digitalisierung zur Schule gegangen ist, kennt sie: Deckenhohe Landkarten, die mühevoll an einem Haken aufgehängt wurden, waren in den Fächern Geografie und Geschichte fester Bestandteil des Unterrichts. Doch wie der gute alte Overheadprojektor haben auch die Landkarten mittlerweile längst ausgedient und finden keine Verwendung mehr.

 

Statt einer Tafel stehen heutzutage Whiteboards in den Klassenzimmern. Und auf diese können dank verschiedener Online-Kartendienste in Sekundenschnelle punktgenaue Kartenausschnitte projiziert werden.

Entsorgung kommt nicht in Frage

Doch was geschieht nun mit den ausrangierten Karten, die oft in separaten Räumen verstauben? Diese Frage stellte sich auch Manfred Pretz, Fachschaftsvorsitzender für das Fach Geschichte am Gymnasium Renningen. Während an vielen anderen Schulen die Landkarten längst entsorgt wurden, brachte es der 40-jährige Lehrer nicht übers Herz, die Karten einfach dem Müll zu überlassen.

„Mit Gründung der Schule wurden die Landkarten 1984 für viel Geld angeschafft und haben viele Jahre etlichen Schülern und Lehrern gute Dienste erwiesen“, schildert der Oberstudienrat. „Auch wenn wir die Karten, seit ich 2013 an die Schule gekommen bin, nicht mehr verwendet haben, kam es für mich überhaupt nicht in Frage, sie einfach zu entsorgen.“

Von der Idee zur Umsetzung

Ihren angestammten und mittlerweile auch angestaubten Platz im Fachschaftsraum sollten die Karten aber im Zuge der Modernisierung des Raumes verlieren. Darum war es Zeit für eine zündende Idee. Die kam Manfred Pretz bei einer Fortbildung im Regierungspräsidium Stuttgart. „Dort bin ich einem Kollegen aus Crailsheim begegnet, der eine Tasche bei sich hatte, die aus einer alten Landkarte angefertigt worden war.“ Schnell war der Kontakt zu dem Crailsheimer Textilunternehmen hergestellt, das die Tasche genäht hatte. Doch der Renninger Lehrer erhielt eine Absage: Zu aufwendig sei die Produktion.

Oberstudienrat Pretz ließ sich nicht entmutigen und suchte weiter nach jemandem, der die alten Karten zu Taschen verarbeiten könnte. In Esslingen wurde er schließlich fündig. Claudia Dreizler betreibt in der Großen Kreisstadt einen kleinen Laden namens „Tante Lene“. Die Kunstpädagogin war schnell für das Upcyclingprojekt zu begeistern und bot ihre Dienste als Näherin an.

Schülerinnen engagieren sich

Dank der Hilfe einiger engagierter Schülerinnen des Leistungskurses Geschichte konnten die Holzleisten von den Karten entfernt und viele einzelne Transporte nach Esslingen organisiert werden. Und der Erfolg des Projekts stellte sich ein. „Innerhalb von nur vier Tagen gab es über 100 Bestellungen allein aus dem Kreis des Kollegiums“, freut sich Manfred Pretz über die große Nachfrage. „Mit den Taschen kann man ein Stück Schulgeschichte mit sich tragen.“

Auch bei Eltern, Schülern und ehemaligen Lehrkräften sind die Karten sehr beliebt. Es ist auch möglich, ein Wunschmotiv bei der Bestellung anzugeben. „Besonders oft werden Motive gewählt, in denen große Meeresflächen abgebildet sind oder aber auch die klassischen Urlaubsziele“, schildert Pretz.

Drei verschiedene Modelle

Die Upcycling-Taschen können in drei verschiedenen Ausführungen erstanden werden. In die große Tasche, die innen gefüttert und mit einem richtigen Verschluss versehen ist, passt problemlos ein DIN-A4-Ordner. Sie wird für 25 Euro angeboten. Für 12 Euro ist die einfachere Einkaufstasche zu erstehen. Die kleinste Ausführung ist als Hygienebeutel oder Federmäppchen nutzbar und für 7 Euro erhältlich.

Die Preise der in Handarbeit einzeln hergestellten Taschen bewegen sich deshalb in einem moderaten Bereich, weil die Schule damit keine Einnahmen generiert. Lediglich Claudia Dreizler erhält als Näherin ihren verdienten Lohn.

Das Projekt hat so großen Anklang gefunden, dass zwischenzeitlich die Bestellungen sogar gestoppt werden mussten. „Jede Tasche ist ein hochwertig verarbeitetes Unikat“, schildert Manfred Pretz. „Und ich wollte Frau Dreizler auch nicht mit einer Flut an Bestellungen überbelasten.“

Der Verkauf geht weiter

Doch zur Hocketse 2024 am Renninger Gymnasium werden die beliebten Taschen am Dienstag, 23. Juli, ab 17 Uhr wieder zum Verkauf angeboten. Und da noch immer viel Kartenmaterial vorhanden sei, verspricht Manfred Pretz: „Nach den Sommerferien geht der Verkauf auf alle Fälle weiter.“ Der einstige Fachschaftsraum im Renninger Gymnasium, in dem jahrzehntelang die Karten gelagert wurden, ist zu einem Besprechungsraum umfunktioniert worden.

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