Urbacher Firma tüftelt gegen Einschränkungen Smart-Home mit Handicap

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Die Firma von Thomas Rosner entwickelt verblüffende Hilfen für Menschen mit Einschränkungen – zum Beispiel einen Rollstuhl mit Augensteuerung.

Auf einem Parkour haben Kinder am Wochenende das Steuern eines Rollstuhls per Blickbewegung ausprobiert. Foto: Gottfried Stoppel 7 Bilder
Auf einem Parkour haben Kinder am Wochenende das Steuern eines Rollstuhls per Blickbewegung ausprobiert. Foto: Gottfried Stoppel

Urbach - Das Licht an und ausschalten, die Türe öffnen, die Raumtemperatur einstellen, die Jalousie runter-, das Bettoberteil raufbewegen, einen bestimmten Musiktitel auf der Stereo-Anlage spielen – all das ist in einem trickreich vernetzten Haushalt mit einem einzigen Bedienelement, einem Smartphone oder einem Tabletcomputer, möglich. Thomas Rosner, gelernter Schreiner mit Faible für Computertechnik aus Urbach, nutzt diese Möglichkeiten der modernen Umfeldsteuerung, die für die meisten Nutzer eher Spielerei oder purer Luxus sind, um Menschen mit Beeinträchtigungen ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen.

Ein Grund für die Erfindungen ist die eigene Tochter

Die Idee, die vor ein paar Jahren in die Gründung seiner Firma namens Homebrace – die Klammer für das Zuhause – mündete, hat in erster Linie mit der Geburt seiner Tochter Lea zu tun. Das Mädchen kam mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zur Welt. Rosner tüftelt seither an technischen Lösungen, die ihr das Leben erleichtern, ihr helfen, Barrieren zu überwinden und geistig aktiv zu bleiben.

Das Rad hat der 42-Jährige dabei nicht komplett neu erfunden. Rosner greift vielfach auf vorhandene Technik zurück, entwickelt dazu allerdings die Schnittstellen, über die sich Computer-Anwendungen auf unterschiedlichste Art und Weise bedienen lassen: saugend und blasend, per Augenbewegung, mit dem Mund oder per Sprachkommando.

So lässt sich dank der entsprechenden Schnittstelle beispielsweise ein Rollstuhl allein mit den Augen fahren und steuern. Eine Art Tabletcomputer, der an einer Vorrichtung vor dem Elektromobil befestigt ist, registriert mit speziellen Infrarotkameras die jeweilige Blickrichtung und wandelt diese in Fahrbewegungen um. Sobald der Blickkontakt unterbrochen wird – etwa, wenn der Fahrer die Augen schließt –, wird die Fahrt automatisch gestoppt.

Sendung mit der Maus öffnet die Türen

Davon und von anderen lebenserleichternden Errungenschaften haben sich am Wochenende einige Kinder und ihre Eltern selbst überzeugen können. Rosner und seine vier Mitarbeiter haben sich an einer Aktion der „Sendung mit der Maus“ beteiligt. Die Wissensfernsehsendung des Westdeutschen Rundfunks öffnet an einem Tag im Jahr an verschiedenen ausgewählten Orten in ganz Deutschland Türen, hinter denen sich etwas Interessantes verbirgt. Bei Hombrace auf dem Urbacher Hornschuch-Areal hat sich letztlich ein Rollstuhl-Parcours, bei dem man die Augenlenkung selbst ausprobieren konnte, als die absolute Attraktion erwiesen.

Wichtig sei ihm bei der Entwicklung gewesen, dass sich jede Anwendung mit unterschiedlichsten Steuerelementen bedienen lasse, sagt Rosner – je nachdem, welche Möglichkeiten dem Bediener zur Verfügung stehen. So könne man nun mit dem „Homebrace-eJelly“, einem überdimensionalen gelben Knopf, einen Tabletcomputer zur Not mit der Faust beherrschen. Das gleiche sei mit einem Röhrchen oder Joystick per Mund oder eben mittels Augenbewegung möglich.

Die neuste Idee: Steuerung mit Gehirnwellen

Selbst komplett bewegungsunfähigen Menschen macht der technikaffine Rosner Hoffnung: Er ist davon überzeugt, in gar nicht ferner Zukunft eine Schnittstelle entwickeln zu können, welche die elektrische Aktivität des Gehirns in Steuerbefehle umwandelt. Eine erste Tüftelei in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen eines belgischen Interessenverbands für Betroffene von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), einer nicht heilbaren degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, habe sich als vielversprechend erwiesen. Mehr möchte Thomas Rosner dann allerdings doch noch nicht verraten.