Urbacher Mineralwasser Fließt bald Sprudel aus der Leitung?
Fünf Jahre nach dem Aus für die Mineralwasser-Marken „Schurwald“ und „Urbacher“ hat die Kommune die beiden Quellen gekauft – und liebäugelt mit einer neuen Nutzung.
Fünf Jahre nach dem Aus für die Mineralwasser-Marken „Schurwald“ und „Urbacher“ hat die Kommune die beiden Quellen gekauft – und liebäugelt mit einer neuen Nutzung.
Wenn es stimmt, dass man auch als Bürgermeisterin immer noch ein Ass im Ärmel haben sollte, hat Martina Fehrlen alles richtig gemacht. Denn bei der jüngsten Bürgerversammlung konnte die Rathauschefin mit einer Nachricht auftrumpfen, die das Selbstwertgefühl im Ort auf eine neue Stufe heben könnte. „Ich habe das Urbacher Wasser gekauft“, verkündete die Verwaltungsleiterin den überraschten Bürgern mit Stolz in der Stimme – und meinte damit, dass die geschichtsträchtige Quelle nun wieder allen Einwohnern gehört.
Tatsächlich hat sich die Kommune neben dem Urbacher Wasser auch die nicht weit entfernt liegende Schurwaldquelle gesichert – nebst den zugehörigen Brunnenanlagen, Grundstücken und Wasserrechten. Denn ungenutzt im Untergrund versickern soll das kostbare Nass nicht länger. Im Gegenteil: Überlegt wird in der Remstalkommune, ob das einst weit über den Landkreis hinaus bekannte Qualitätsprodukt nicht in die lokale Trinkwasserversorgung eingespeist werden könnte, um gemeinsam mit dem von der Landeswasserversorgung aus dem Donauried gelieferten Nass in den Urbacher Haushalten aus dem Wasserhahn zu sprudeln.
Dass die Wassergüte kein Hinderungsgrund sein kann, ergibt sich schon aus der Historie der beiden Quellen. Seit den 1970er Jahren wurde „Urbacher“ als Mineralwasser im Handel an den Kunden gebracht, ebenso wie die Schurwald-Quelle war das Nass eine in den Getränkemärkten gut eingeführte Marke. Dass die Produktion vor fünf Jahren eingestellt wurde, war eine Zäsur, die nicht nur wegen der wegfallenden Arbeitsplätze schmerzte. Die Lebensmittel-Gewerkschaft NGG sprach seinerzeit vom Verlust von 87 Stellen. Und: Mit der Stilllegung ging in Urbach auch ein Stück Lokalstolz zu Bruch.
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Verantwortlich für den Abschied von der Mineralwasserproduktion war der Coca-Cola-Konzern. Seit 1972 wurde die süße Brause in Urbach in Lizenz abgefüllt, 1997 übernahm das US-Unternehmen den Abfüllbetrieb in die eigene Regie. Noch 2002 wurden 6,5 Millionen Euro in eine Anlage für PET-Flaschen gesteckt. Doch vom Wasser verabschiedete sich Coca-Cola im Jahr 2017 – der „Urbacher“ verschwand aus den Regalen, ebenso der „Schurwald“.
In den Mineralwasserhandel will nun auch die Kommune nicht einsteigen. Ins Leitungsnetz einspeisen aber ließe sich das Nass vor der Haustür allerdings schon. Mit Blick auf den Klimawandel, der neben Dürreperioden deutschlandweit auch einen deutlichen Rückgang der Grundwasservorräte mit sich bringt, könnte das eine wegweisende Lösung sein – und mit dem Verzicht auf lange Transportwege aus dem Donauried neben der Versorgungssicherheit auch den ökologischen Fußabdruck verbessern.
Die Schüttung beider Quellen ist laut Bürgermeisterin Fehrlen so groß, dass auch eine Nachbarkommune vom Wasser aus Urbach profitieren könnte. Entschieden freilich ist noch nichts. Gebaut werden müsste schließlich nicht nur ein Anschluss an den Hochbehälter, sondern auch eine Aufbereitung – mit erheblichen Kosten. Womöglich wird deshalb nur ein Notbrunnen eingerichtet – oder ein Quell, an dem sich die Urbacher wieder mit Mineralwasser aus dem eigenen Ort eindecken können.
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